Was am 30. April geschah

Die Versammlung dauerte rund eine Stunde. Auf der Terrasse sassen und standen Unternehmer aus allen drei Etagen — Restauration, Einzelhandel, Dienstleistung. Ramos erklärte den Verfahrensweg, den er als «paralelo a la comunidad» beschreibt — parallel, nicht gegen sie. Er sagte wörtlich: «Wir haben die Comunidad eingeladen, und die Comunidad sagt, sie sei sehr beschäftigt.» Die Vorgehensweise:

  1. Die Asociación sammelt Vorschläge der Unternehmer
  2. Ein Architekturbüro erarbeitet einen konkreten Projekt-Entwurf
  3. Der Entwurf wird der Comunidad de Propietarios vorgelegt
  4. Bei Zustimmung leitet die Comunidad das Projekt zur Finanzierung an den Cabildo

Die Mittel sollen als «fondo perdido» — nicht rückzahlbarer Zuschuss — vom Cabildo kommen. Eine Summe wurde nicht beziffert. Vizepräsident Teodoro Sosa habe sich mündlich verpflichtet, sagte Ramos, und verwies auf eine Pressemitteilung vom Februar.

Aus dem Saal kamen konkrete Vorschläge: ein zweiter Aufzug, eine funktionierende Rolltreppe, sanierte Toiletten, eine Aussenrenovierung. Eine Unternehmerin sagte: «Der einzige der hier gewinnt sind die Hotels, sonst niemand.» Ramos stimmte zu, lenkte aber auf das Projekt zurück: «Ohne Projekt keine Renovierung.» Eine dritte Versammlung soll mit dem Präsidenten der Comunidad stattfinden.

Wer ist die Asociación

Die Vereinigung wurde am 11. Februar 2026 unter dem Dach der Federación de Asociaciones Sur Atlántico FEDASUR vorgestellt. FEDASUR-Präsident Luis León moderierte die Pressekonferenz. Anwesend waren neben Ramos der Vizepräsident II des Cabildo de Gran Canaria Teodoro Sosa, der Concejal Delegado de Participación Ciudadana Ruymán Cardoso und die Concejala de Turismo Yilenia Vega (Activa Hits Radio).

Ziel: Reaktivierung und Modernisierung durch Projekte in den Bereichen Freizeit, Unterhaltung und Gastronomie. Die Asociación versteht sich als Bindeglied zwischen Unternehmern, Comunidad und öffentlicher Hand.

Vom Stolz der Deutschen zum «reducto hortera»

Das Cita ist eines der ältesten Centros Comerciales Spaniens. Eröffnet 1970, war sein voller Name Centro Internacional de Turistas Alemanes — daher das Akronym CITA. Gebaut für die deutschen Pauschaltouristen, die die Avenida de Tirajana in den 1970er-Jahren prägten. An der Fassade stehen bis heute Repliken von Brandenburger Tor, Eiffelturm und Tower Bridge.

Im August 2023 schrieb Jesús Montesdeoca in La Provincia: «Das Cita von Playa del Inglés steigt vom Wahrzeichen des deutschen Tourismus ab zum Hortera-Refugium» (Antonio Garzón / La Provincia). «Hortera» ist auf Spanisch ein hartes Wort. Es heisst kitschig, geschmacklos, abgewirtschaftet.

Auf Tripadvisor zeigen aktuelle Reviews ein einheitliches Bild: «Perfect film location for a horror movie.» «Eery plastic and random superheroes.» Im Sótano sind Swinger-Clubs, Erotic-Shows, dunkle Korridore. An den Eingängen stehen nach Aussagen von Tripadvisor-Nutzern Personen, die Vorbeigehende nach «sexueller Orientierung» fragen (Tripadvisor-Reviews). Eine RTVC-Reportage von 2022 bezifferte fast 20 Geschäfte als dauerhaft geschlossen (RTVC, September 2022).

8 von 26 — auf der Liste der Gemeinde

San Bartolomé de Tirajana zählt 26 Centros Comerciales in seiner Touristenzone. Ein offizieller Bericht der Gemeinde stuft acht davon als «obsolet» ein. Auf der Liste: Kasbah, Metro, Plaza, Anexo II, CITA, Oasis, Parque Europa, Faro II. Das Yumbo steht nicht auf dieser Liste — es ist das einzige, dessen Quadratmeterpreis in 30 Jahren nicht gefallen ist (CITA News-Eigenrecherche).

Die Partei Primero Canarias forderte im September 2025 die «sofortige Renovierung» der Centros Comerciales von Playa del Inglés und sprach von «Verlassenheit, Verfall und Unsicherheit» (Digital Faro Canarias). Metro und Plaza seien geschlossen und ruinös, Gran Chaparral, La Sandía und Cita böten ein «beklagenswertes und zerstörtes Bild».

Laut CITA-News-Eigenrecherche liegt der Unterschied nicht in Lage oder Alter, sondern in der Verwaltungsstrategie: Yumbo hat seit 2022 in Sicherheit, Photovoltaik und einen Lieferdienst investiert — und hat nie öffentliches Geld für Renovierungen beantragt. Cita gab 2025 3.568 Euro für Anwälte aus, um 1,9 Millionen Euro Schulden einzutreiben (CITA News, März 2026).

Der Leidensweg in Stichworten

CITA News hat folgende Vorgänge der letzten zwölf Monate dokumentiert:

  • Januar-Junta 2026: 22 Anwesende. Vollmachten dominierten (CITA News)
  • Bilanz 2025: Rund 1,9 Millionen Euro nicht eingetriebene Schulden; zusätzlich 93.251 Euro in Schecks und vordatierten Schuldscheinen (CITA News)
  • Personalkosten 2025: 353.000 Euro (CITA News)
  • Februar-Eigentümer-Umfrage: 52 Antworten, breite Unzufriedenheit mit Transparenz (CITA News)
  • 7. März-Junta: Wechsel im Vorsitz, neuer Präsident William Enrique Reyes (CITA News)
  • Eigentümer-Rechte: breite Debatte um Informations-, Stimm- und Vollmachtsrechte vor und nach der Junta (CITA News)
  • 18. April-Junta: Konzentration mehrerer Schlüsselfunktionen in einer einzigen Person; mehrere Eigentümer bewerten die Personalentscheidung laut CITA-News-Recherche als anfechtbar, die Comunidad bestreitet das
  • Aktive Verfahren in der Comunidad: mehrere offene juristische und administrative Vorgänge, über die CITA News laufend berichtet

William Enrique Reyes, Präsident seit 7. März, hat sich öffentlich nicht zu Ramos’ Initiative geäussert.

Warum es jetzt von aussen kommt

Die Asociación umgeht die Comunidad nicht — Ramos sagt das im Audio der Versammlung ausdrücklich — aber sie schafft einen zweiten Strang. Cabildo-Geld fliesst nicht direkt an die Comunidad, sondern in ein Projekt, das die Junta General annehmen oder ablehnen muss. Die Cabildo-Wahlen sind 2027 — ein Zeitfenster, das Ramos nutzen will.

Was offen bleibt

  • Wie viel Geld? Sosas Zusage ist mündlich, eine Summe steht nicht im Raum
  • Wer zahlt das Projekt? Architektur-Honorar wäre normalerweise Sache der Eigentümergemeinschaft. Im Audio diskutiert Ramos offen die Frage, ob die Subvention auch das Projekt finanziert
  • Privates Eigentum, öffentliches Geld: Ramos selbst räumt ein: «Das ist Privatzone.» Cabildo-Mittel in private Räume zu lenken ist juristisch möglich, politisch aber heikel
  • Welche Projekte? Aufzüge, Toiletten, Fassade — aber kein Konzept, das den Markenkern «hortera versus modern» adressiert

Der Befund

Das Cita steckt in einem dokumentierten Kreislauf: Schulden treiben den Verfall, der Verfall vertreibt Kunden, fehlende Kunden treiben weitere Schulden. Yumbo zeigt, dass ein Ausweg möglich ist — aber dafür braucht es eine konsistente Eigentümerstruktur, die das Cita bisher nicht hatte.

Wenn Erneuerung kommt, kommt sie von aussen — vom Cabildo, von der Asociación, von einem Architekturbüro mit konkretem Plan. Ob die Junta General diesen Plan annimmt, ist die offene Frage.

FAQ

Wer ist die Asociación de Empresarios del C.C. Cita?

Eine im Februar 2026 unter dem Dach der FEDASUR gegründete Vereinigung der Unternehmer, die im Centro Comercial ihre Geschäfte betreiben. Sie ist nicht identisch mit der Comunidad de Propietarios, die aus den Eigentümern der Lokale besteht.

Was bedeutet «obsolet» in diesem Zusammenhang?

Der offizielle Bericht der Gemeinde San Bartolomé de Tirajana zur Rehabilitierung der Centros Comerciales stuft 8 von 26 Zentren als sanierungsbedürftig ein. Das Cita gehört dazu. Das Yumbo nicht.

Wofür stand CITA ursprünglich?

Das Akronym kommt von Centro Internacional de Turistas Alemanes — Internationales Zentrum für deutsche Touristen. Das Centro wurde 1970 eröffnet.

Wer entscheidet über bauliche Renovierungen?

Ausschliesslich die Comunidad de Propietarios in einer Junta General. Die Asociación de Empresarios kann Projekte vorschlagen und Mittel mobilisieren, aber nicht selbst entscheiden.

Wie hoch sind die Schulden der Comunidad?

Laut Bilanz 2025 hat die Comunidad rund 1,9 Millionen Euro nicht eingetriebene Forderungen gegen säumige Eigentümer. Für die Eintreibung wurden 2025 rund 3.568 Euro an Anwaltskosten ausgegeben.

Hat das Cabildo wirklich Geld zugesagt?

Vizepräsident Teodoro Sosa hat sich öffentlich zu einer finanziellen Beteiligung bekannt. Eine schriftliche Zusage oder eine konkrete Summe liegen bisher nicht vor.