KANAREN · POLITIK

Vorwürfe gegen kanarischen Vize-Finanzchef Megías wegen Interessenkonflikts

Gegen Gabriel Megías, Viceconsejero für Hacienda und Beziehungen zur EU in der Regierung von Canarias, stehen Presseberichte im Raum, wonach er zwei Aufsichtsratsmandate in Unternehmen nicht in den amtlichen Interessenregistern angegeben haben soll. Das berichteten unter anderem eldiario.es (canariasahora), Diario de Avisos und Libertad Digital zwischen dem 18. und 20. August 2026. Es handelt sich ausdrücklich um Vorwürfe der Presse; eine gerichtliche Feststellung liegt nicht vor.

21. August 2026 · Von Julia Roca Bethencourt · 6 Min.
Schokolade und Geld (Symbolbild)

Foto: Mx. Granger, CC0 (Symbolbild).

Die kanarische Regierung wird von einer Koalition aus Coalición Canaria (CC) und PP getragen. Die Berichte werfen zwei Fragen auf: eine mögliche Nichtoffenlegung von Mandaten und einen möglichen Interessenkonflikt. Weder Megías noch die Consejería de Hacienda hatten sich den Berichten zufolge bis zur Veröffentlichung öffentlich geäußert.

Was der Presse zufolge vorgeworfen wird

Laut eldiario.es und Diario de Avisos soll Megías in seinen amtlichen Transparenz- und Interessenerklärungen "keine" privaten Tätigkeiten angegeben haben, obwohl er den Berichten zufolge in den Verwaltungsräten von zwei Gesellschaften sitzt. Die Redaktionen sprechen von einer Nichtoffenlegung; ob und in welcher Form eine Meldepflicht verletzt wurde, ist Gegenstand der öffentlichen Debatte und nicht gerichtlich geklärt.

Wichtig zur Einordnung: Ein Aufsichtsratsmandat ist für sich genommen nicht rechtswidrig. Die von der Presse aufgeworfene Frage betrifft die fehlende Angabe in den Registern sowie einen möglichen Interessenkonflikt zwischen Amt und geschäftlicher Beteiligung.

Die beiden Unternehmen

Bei den Gesellschaften handelt es sich den Berichten zufolge um die Andrés Megías Mendoza S.A., bekannt unter dem Namen "La Isleña", einen Schokoladenhersteller, dem 2025 die Medalla de Oro de Canarias verliehen wurde, sowie um die Inversiones y Gestiones Turísticas S.A. (Ingestursa), ein Unternehmen im Bereich Hotelmanagement.

Laut eldiario.es und Libertad Digital soll Megías in den Verwaltungsräten beider Unternehmen vertreten sein. Die Nähe zum familiären Schokoladengeschäft und zu einem Tourismusunternehmen steht im Zentrum der Berichterstattung, weil beide Bereiche von Entscheidungen der Hacienda und weiterer Consejerías berührt sein können.

Der AIEM-Beschluss zum Schokoladenzoll

Am 3. August 2026 unterzeichnete Megías den Berichten zufolge eine Resolution, die kanarische Hotels verpflichtet, die AIEM-Einfuhrabgabe auf nicht-kanarische Schokoladen und Bombones zu entrichten. Der AIEM (Arbitrio sobre Importaciones y Entregas de Mercancías) ist eine kanarische Abgabe, die lokal hergestellte Waren gegenüber eingeführten begünstigen soll.

Nach Darstellung von Libertad Digital und Diario de Avisos könnte dieser Beschluss dem familiären Schokoladengeschäft La Isleña zugutekommen, in dessen Verwaltungsrat Megías sitzen soll. Ob ein tatsächlicher Vorteil entstanden ist, geht aus den Berichten nicht abschließend hervor; die Redaktionen stellen einen möglichen Zusammenhang her.

EU-Mittel für das Hotelunternehmen

Diario de Avisos berichtete am 20. August 2026, dass Ingestursa, das mit Megías in Verbindung gebrachte Hotelunternehmen, eine aus EU-Mitteln finanzierte Beihilfe der regionalen Consejería für Tourismus und Beschäftigung erhalten habe. Bewilligt wurden dem Bericht zufolge 234.244,02 Euro; in der zitierten Dokumentation ist von 294.244 Euro die Rede, also "casi 300.000 €" (fast 300.000 Euro).

Die Mittel waren laut Diario de Avisos für Renovierungen der Apartamentos Cordial Mogán Valle in Mogán bestimmt. Die genannten Beträge stammen aus der Berichterstattung; die Redaktion nennt ausdrücklich beide Zahlen. Weitergehende Schlussfolgerungen über eine Begünstigung zieht dieser Text nicht.

Reaktionen und Schweigen

Die Consejería de Hacienda unter Matilde Asián (PP) gab den Berichten zufolge keine Stellungnahme ab. Die Vicepresidencia unter Manuel Domínguez (PP) erklärte, man sei dabei, "die Situation zu analysieren" ("analizando la situación"). Megías selbst äußerte sich den Berichten zufolge bis zur Veröffentlichung nicht öffentlich.

Die PSOE bezeichnete den Vorgang als von "máxima gravedad" (höchster Schwere) und forderte Rechenschaft von der PP. Die Oppositionspartei verlangte Aufklärung und erklärte, man könne "nicht wegschauen". Die Angaben zu allen Reaktionen stammen aus der zitierten Berichterstattung.

Zur Einordnung: Der AIEM (Arbitrio sobre Importaciones y Entregas de Mercancías) ist eine kanarische Einfuhr- und Warenabgabe, die lokal produzierte Güter gegenüber importierten schützen soll.
Interessenerklärungen sind amtliche Register, in denen Amtsträger private Tätigkeiten und Beteiligungen offenlegen müssen, um Interessenkonflikte transparent zu machen.
Wichtiger Hinweis: Alle hier geschilderten Punkte sind Vorwürfe der Presse und als solche zu behandeln; es gibt keine gerichtliche Feststellung eines Fehlverhaltens.
Ein Aufsichtsratsmandat ist für sich genommen nicht rechtswidrig – aufgeworfen werden die fehlende Offenlegung und ein möglicher Interessenkonflikt. Megías und die Hacienda hatten sich bis zur Veröffentlichung nicht geäußert; ein Schuldspruch wird hier nicht impliziert.

Zahlen und Fakten

  • Gabriel Megías: Viceconsejero für Hacienda und Beziehungen zur EU, Regierung von Canarias (Koalition CC–PP)
  • Vorwurf: nicht offengelegte Mandate in Andrés Megías Mendoza S.A. ("La Isleña", Schokolade, Medalla de Oro de Canarias 2025) und in Ingestursa (Hotelmanagement) – laut eldiario.es, Diario de Avisos, Libertad Digital, 18.–20.08.2026
  • 3. August 2026: unterzeichnete Resolution zur AIEM-Abgabe auf nicht-kanarische Schokoladen (laut Libertad Digital, Diario de Avisos)
  • EU-Beihilfe für Ingestursa: bewilligt 234.244,02 €; Dokumentation nennt 294.244 € ("casi 300.000 €"), für Apartamentos Cordial Mogán Valle in Mogán (Diario de Avisos, 20.08.2026)
  • Reaktionen: Hacienda (Matilde Asián, PP) ohne Stellungnahme; Vicepresidencia (Manuel Domínguez, PP) "analizando la situación"; PSOE spricht von "máxima gravedad"
  • Keine gerichtliche Feststellung; Megías äußerte sich laut Berichten nicht öffentlich

FAQ

Worum geht es bei den Vorwürfen?
Laut Presseberichten soll Megías zwei Aufsichtsratsmandate nicht in den amtlichen Interessenregistern angegeben haben, während seine Erklärung "keine" privaten Tätigkeiten auswies. Es sind Vorwürfe, keine gerichtliche Feststellung.
Um welche Unternehmen geht es?
Den Berichten zufolge um die Schokoladenfirma Andrés Megías Mendoza S.A. ("La Isleña") und um das Hotelunternehmen Inversiones y Gestiones Turísticas S.A. (Ingestursa).
Was hat der AIEM-Beschluss damit zu tun?
Megías soll am 3. August 2026 eine Resolution zur AIEM-Abgabe auf nicht-kanarische Schokoladen unterzeichnet haben, die laut Libertad Digital und Diario de Avisos dem familiären Geschäft La Isleña zugutekommen könnte.
Welche EU-Mittel sind gemeint?
Laut Diario de Avisos erhielt Ingestursa eine EU-finanzierte Beihilfe von bewilligten 234.244,02 € (Dokumentation: 294.244 €) für Renovierungen der Apartamentos Cordial Mogán Valle in Mogán.
Wie reagierten die Beteiligten?
Die Hacienda (Matilde Asián, PP) gab keine Antwort, die Vicepresidencia (Manuel Domínguez, PP) sprach von "analizando la situación", die PSOE von "máxima gravedad". Megías äußerte sich laut Berichten nicht.