Wie Gran Canaria im Vergleich dasteht
Wiederholerquoten sind der heilige Gral des Destinationsmarketings — und gleichzeitig die Kennzahl, über die kaum jemand spricht, weil sie schwer vergleichbar ist. Nicht jedes Land erhebt sie gleich. Trotzdem gibt es Annäherungswerte, die ein Bild zeichnen. Die Datengrundlage stammt aus einer Studie dreier Forscher des Másters in Dirección y Planificación de Turismo an der ULL: Lorena Cabrera Matos, Adrián González Padilla und Laura Ester Santana. Sie werteten die Encuesta sobre Gasto Turístico des ISTAC über vier Quartale (Q3/2024 bis Q2/2025) aus.
| Destination | Wiederholerquote | Quelle / Jahr |
|---|---|---|
| Lanzarote | 76,7 % | ISTAC / Ashotel 2024 |
| Gran Canaria | 73,0 % | ISTAC / ULL 2025 |
| La Palma | 72,5 % | ISTAC / Ashotel 2024 |
| Kanaren gesamt | 70,9 % | ISTAC / Ashotel 2024 |
| Fuerteventura | 69,3 % | ISTAC / Ashotel 2024 |
| Teneriffa | 68,3 % | ISTAC / Ashotel 2024 |
| Zypern | ~50 % | CyStat 2024 |
| Mallorca | ~45–50 % | Branchenschätzung |
| Kreta | ~40 % | INSETE 2023 |
| Algarve | ~35–40 % | Turismo de Portugal |
Die Kanaren als Gesamtheit liegen bei der Wiederholerquote in einer Liga, die kein anderes europäisches Sonnenziel erreicht. Lanzarote führt mit 76,7 Prozent — fast vier von fünf Touristen kommen zurück. Gran Canaria folgt direkt dahinter. Mallorca, das in absoluten Besucherzahlen weit vor Gran Canaria liegt (13,4 Millionen vs. 5,8 Millionen), hat keine offiziell publizierte Wiederholerquote — was an sich schon etwas aussagt.
Warum die Zahl wichtig ist
Wiederholer sind für eine Destination wertvoller als Erstbesucher. Nicht weil sie romantischer sind, sondern weil sie drei Dinge tun, die Erstbesucher seltener tun.
Sie geben mehr aus. Die ULL-Studie beziffert die durchschnittlichen Tagesausgaben auf Gran Canaria auf 172,80 Euro — inklusive Unterkunft, Gastronomie, Aktivitäten und Transport. Das liegt über dem kanarischen Durchschnitt. Wiederholer kennen die Insel, trauen sich in Restaurants ausserhalb der Hotelzone und buchen Aktivitäten, die Erstbesucher nicht finden.
Sie brauchen weniger Marketing. Die Akquisitionskosten eines Wiederholers liegen bei einem Bruchteil der Kosten eines Neukunden. Wer schon fünfmal auf Gran Canaria war, googelt nicht «Kanaren Inselvergleich» — er bucht direkt.
Sie stabilisieren die Nachfrage. In einer Krise — Pandemie, Vulkanausbruch, geopolitische Verschiebung — kehren Wiederholer zuerst zurück. Nach der Covid-Pause erholten sich die Kanaren schneller als die meisten anderen europäischen Destinationen. Die Wiederholer waren der Grund.
Wer kommt zurück — und wer nicht
Irische und skandinavische Touristen sind die treuesten Kanaren-Besucher — mehr als 80 Prozent kommen wieder, und unter den Nordeuropäern hat fast die Hälfte die Inseln fünf Mal oder öfter besucht. Am wenigsten treu sind die Franzosen — weniger als die Hälfte kommt ein zweites Mal. Das könnte daran liegen, dass Frankreich mit Korsika, den Übersee-Départements und Nordafrika eigene Sonnenziele hat, die geografisch näher liegen.
Das Profil des Gran-Canaria-Touristen
8,88 von 10. Das ist kein Höflichkeitswert. Das ist ein Zeugnis, das nur Destinationen bekommen, bei denen die Erwartungen und die Realität zusammenpassen — oder bei denen die Realität die Erwartungen übertrifft.
Was das für die Insel bedeutet
Die 73 Prozent sind gleichzeitig Stärke und Warnung. Die Stärke ist offensichtlich: Gran Canaria hat eine Kundenbasis, um die jede Destination der Welt sie beneiden würde. Eine Quote von 73 Prozent Wiederkehrern bedeutet, dass der grösste Teil des Geschäfts nicht von Werbung abhängt, sondern von Erfahrung. Das ist die stabilste Form von Tourismus, die es gibt.
Die Warnung steckt in den Details: Der durchschnittliche Tourist ist 47 Jahre alt. 23 Prozent sind über 65. Das heisst: Die treueste Kundengruppe altert. Wenn Gran Canaria in zehn Jahren immer noch 73 Prozent Wiederholer haben will, muss die Insel jüngere Erstbesucher gewinnen, die dann ihrerseits zu Wiederholern werden.
Die Studie der ULL deutet vorsichtig in diese Richtung: Es gebe «oportunidades para la diversificación de la oferta más allá del producto sol y playa tradicional, especialmente para los segmentos repetidores que muestran mayor interés en la exploración del destino». Auf Deutsch: Die Leute, die zum fünften Mal kommen, wollen nicht zum fünften Mal am Pool liegen. Sie wollen ins Interior, in die Barrancos, in die Weinberge. Und die Insel, die ihnen das bietet, behält sie.
FAQ
Wie hoch ist die Wiederholerquote auf Gran Canaria?
73 Prozent der Touristen, die Gran Canaria besuchen, waren bereits mindestens einmal zuvor auf der Insel. Das zeigt eine Analyse der Universidad de La Laguna auf Basis von ISTAC-Daten (Q3/2024 bis Q2/2025). Auf den gesamten Kanaren liegt die Quote bei 70,9 Prozent. 37 Prozent aller Kanaren-Besucher waren fünf Mal oder öfter auf den Inseln.
Wie schneidet Gran Canaria im Vergleich mit anderen Sonnendestinationen ab?
Gran Canaria hat mit 73 Prozent eine der höchsten Wiederholerquoten Europas. Lanzarote liegt noch darüber (76,7 %). Mallorca wird auf 45–50 Prozent geschätzt, Kreta auf rund 40 Prozent, die Algarve auf 35–40 Prozent. Keine andere grosse europäische Sonnendestination erreicht die Werte der Kanaren.
Welche Nationalitäten kommen am häufigsten zurück?
Irische Touristen führen mit 81,8 Prozent Wiederholerquote, gefolgt von skandinavischen Reisenden (80,2 %) und Briten (80,1 %). Franzosen sind am wenigsten treu — nur 46,4 Prozent kommen ein zweites Mal.
Wie viel gibt ein Tourist auf Gran Canaria pro Tag aus?
Im Durchschnitt 172,80 Euro pro Tag, inklusive Unterkunft, Gastronomie, Aktivitäten und Transport. 29 Prozent der Besucher geben ein Jahreseinkommen von über 75.000 Euro an. Die Zufriedenheitsnote liegt bei 8,88 von 10.
Warum sind Wiederholer für eine Destination so wichtig?
Wiederkehrende Touristen geben mehr aus als Erstbesucher, brauchen weniger Marketingaufwand und stabilisieren die Nachfrage in Krisenzeiten. Nach der Covid-Pandemie erholten sich die Kanaren schneller als die meisten europäischen Sonnendestinationen — die hohe Wiederholerquote war ein Hauptfaktor.