Sieben Jahre ohne Erhöhung
Nach der Darstellung der Belegschaftsvertretung, die Canarias7 am 8. September wiedergibt, hat sich der Lohn der Müllwerker seit mehr als sieben Jahren nicht bewegt. Der Verzicht war 2020 freiwillig: Man akzeptierte das Einfrieren, damit der Wechsel zu einem neuen Konzessionär reibungslos lief. Den Kaufkraftverlust beziffert die Vertretung auf über 21 Prozent und verweist darauf, dass diese Zahl in einem Rechtsgutachten der Firma stehe. Canarias7 nennt weder Gutachten noch Datum — die Zahl ist die Position einer Seite. Eine Gewerkschaft wird in den Berichten nicht genannt; es spricht der Betriebsrat.
Ein Vertrag, der die Inflation nicht kennt
Die Klemme liegt im Vergabeverfahren. Die Mancomunidad del Sureste, der Zweckverband der drei Gemeinden, vergab die Abfuhr im Dezember 2022 für zehn Jahre; eldiario.es berichtete über 98,7 Millionen Euro. Die Summen wurden vor der großen Teuerungswelle festgelegt, der Betrieb begann im Juli 2023. Wer heute mehr Lohn zahlen will, muss ihn aus einer 2022 kalkulierten Marge holen — oder der Verband muss den Vertrag nachbessern. An dieser Frage hängt der Konflikt fest.
Die Rechnung der Mancomunidad
Óscar Hernández, Bürgermeister von Agüimes und Präsident der Mancomunidad, zog seine Grenze am 10. September gegenüber Canarias7: „Las aspiraciones que tienen ellos en cuanto al porcentaje no lo vamos a permitir bajo ningún concepto" — „Die Vorstellungen, die sie beim Prozentsatz haben, werden wir unter keinen Umständen zulassen." Sein Maßstab: Beschäftigte eines Konzessionärs dürften nicht besser bezahlt werden als Gemeindebedienstete auf vergleichbaren Posten. Zugleich sagt er, es gehe um „einen würdigen Lohn". Aufträge würden „mit bestimmten Beträgen vergeben", das Personalkapitel stehe in den Konzessionsbedingungen, und die Belegschaft gehöre Azsuma, nicht dem Verband. Man habe bereits „sehr wichtige Zugeständnisse" verhandelt, deren Höhe er nicht nennt; der Verband lässt vermitteln und prüft, ob die wirtschaftlichen Vertragsbedingungen geändert werden können.
Was das Unternehmen sagt — und was nicht
Azsuma hat sich öffentlich nicht geäussert. Die Belegschaftsvertretung schildert die Verhandlungsrunde vom 21. Mai 2026 so: Die Vertreter der Firma hätten erklärt, sie würden keiner Vereinbarung zustimmen, die die Kosten des Dienstes „auch nur um einen Euro" erhöhe; ein konkretes Angebot habe es nicht gegeben. Das ist die Version einer Seite. Solange die Firma schweigt, bleibt ihr stärkstes Argument rekonstruiert: Ein Festpreisvertrag lässt sich nicht aufstocken, ohne dass jemand die Differenz trägt.
Was Anwohner erwarten müssten
Käme es zum Streik, bliebe die Abfuhr nicht vollständig stehen. Sie gilt in Spanien als wesentlicher Dienst nach Artikel 28.2 der Verfassung; gemäß Artikel 10.2 des Real Decreto-ley 17/1977 setzt die zuständige Behörde servicios mínimos fest — auf den Kanaren laut dem Verfahrensblatt der Regierung die Generaldirektion für Arbeit. Wie das aussieht, zeigt ein anderer Fall: In Almonte (Huelva) legte die andalusische Arbeitsdirektion am 7. August 2026 für einen Streik bei derselben Firma 40 Prozent der Hausmüllabfuhr fest, dazu die vorrangige Abfuhr an Gesundheitszentren, Schulen und Märkten. Die Werte werden je Streik einzeln festgelegt.