Maspalomas ist eine Macht. Das Touristenzentrum im Süden Gran Canarias, zur Gemeinde San Bartolomé de Tirajana gehörend, zählt rund 180.000 Gästebetten — das sind etwa 70 Prozent aller Betten der gesamten Insel. Zusammen mit Playa del Inglés und Mogán steht der Süden für über 80 Prozent von Angebot und Nachfrage. Wenn es dem Tourismus hier gut geht, geht es Gran Canaria gut. Und auf den ersten Blick geht es ihm blendend.

Die Zahlen, die nach Erfolg aussehen

Die Hotelbelegung im Süden erreichte zuletzt Spitzenwerte von über 85, in Einzelmonaten sogar bis zu 91 Prozent — Spitzenwerte im spanischen Vergleich. Der Hotelumsatz legte zu (im Februar um gut sechs Prozent auf rund 181 Millionen Euro). Und die Privatwirtschaft investiert wie selten: Der Inselriese Lopesan baut in Meloneras ein neues Fünf-Sterne-Resort mit 953 Zimmern auf 160.000 Quadratmetern — eines der grössten Hotelprojekte, die der Süden seit Jahren gesehen hat. Wachstum, so scheint es, überall.

Die Zahl, die stutzig macht

Und doch gibt es eine Kennziffer, die nicht mitwachsen will. Ein viel zitierter Zufriedenheitsindex — er misst die Wahrnehmung von Urlaubern, ausgewertet aus Bewertungsportalen wie TripAdvisor, Booking und Expedia durch das Analyseunternehmen Mabrian — verharrt seit Monaten bei rund 81 von 100 Punkten, mit einem jährlichen Wachstum nahe null. Mit anderen Worten: Trotz Rekordbelegung und Rekordinvestitionen stagniert das, was die Gäste tatsächlich empfinden. Man sollte solche kommerziellen Indizes nicht überhöhen — die Werte schwanken je nach Quelle leicht —, aber die Richtung ist eindeutig: Mehr Betten haben nicht zu zufriedeneren Gästen geführt.

Wo der Schuh wirklich drückt: die müde Mitte

Der aufschlussreichste Befund steckt im Detail. Schlüsselt man die Zufriedenheit nach Hotelkategorie auf, tut sich eine deutliche Kluft auf: Während Fünf-Sterne-Häuser auf knapp 79 Punkte kommen, fallen die Vier-Sterne-Hotels auf rund 68 und die Drei-Sterne-Häuser auf nur noch etwa 65 Punkte. Es ist die Mittelklasse — das Rückgrat des Massentourismus —, die abrutscht. Viele dieser Anlagen stammen aus den Boomjahrzehnten und sind, im Branchenjargon, «obsolet»: baulich veraltet, technisch überholt, im Vergleich zur neuen Konkurrenz schlicht in die Jahre gekommen. Der Gast bemerkt es — und bewertet entsprechend.

Hinzu kommt eine Verschiebung im Reiseverhalten, die den reinen «Sonne-und-Strand»-Urlaub trifft: Das erklärte Interesse an diesem klassischen Produkt ist deutlich gesunken, und ein grosser Teil der Touristen äussert sich dem Angebot gegenüber inzwischen neutral. Spürbar ist auch der Rückgang der Stammgäste — jener treuen Wiederkehrer, die lange das stabile Fundament des Südens bildeten.

Der heikelste Faktor: Deutschland

Für ein Revier, das stark von deutschen und britischen Gästen lebt, kommt ein besonders unangenehmer Trend hinzu. Selbst die kanarische Tourismusministerin Jéssica de León räumt offen «grosse Unsicherheit» auf den Märkten und «dunkle Wolken» über Deutschland ein — einem Land, das sich im dritten Rezessionsjahr befindet und seine Flugkapazität auf die Inseln für den kommenden Winter bereits spürbar zurückgefahren hat. Es ist dieselbe Entwicklung, die wir an anderer Stelle als sinkende deutsche Buchungszahlen beschrieben haben: Der wichtigste Quellmarkt schwächelt ausgerechnet in dem Moment, in dem der Süden Milliarden verbaut.

Die grosse Wette: Meloneras 2A

Was also tun? Die Antwort, auf die Politik und Grossinvestoren setzen, heisst Erneuerung durch Neubau. Kern ist das Areal Meloneras 2A, das mehr als zwei Jahrzehnte planungsrechtlich blockiert war und 2025 vom Rathaus San Bartolomé de Tirajana freigegeben wurde. Es ermöglicht eine öffentlich-private Investition von über 700 Millionen Euro; allein Lopesan darf dort perspektivisch bis zu 1.800 Zimmer errichten. Zugleich sollen mehr als 300.000 Quadratmeter öffentlicher Boden für Schulen, Gesundheits- und Sporteinrichtungen sowie Grünflächen entstehen — ein Versuch, nicht nur Hotelkapazität, sondern auch Lebensqualität zu schaffen.

Die offene Frage: mehr Beton oder bessere Betten?

Hier scheiden sich die Geister. Befürworter sehen in der Neupositionierung die überfällige Modernisierung eines reifen Reiseziels — weg von der müden Mittelklasse, hin zu höherwertigen, durchdachten Angeboten. Kritiker dagegen fragen, ob ausgerechnet noch grössere Megahotels die richtige Antwort auf ein Problem sind, das gerade nicht in fehlender Bettenzahl, sondern in fehlender Qualität und Authentizität besteht. Sie verweisen darauf, dass der Tourismus inzwischen über vier Milliarden Euro an Steuern beiträgt — Geld, das nach ihrer Lesart zu selten als spürbare Verbesserung bei den Einwohnern ankommt.

Was bleibt

Maspalomas steht damit exemplarisch für eine Frage, die den ganzen kanarischen Tourismus umtreibt: Wächst man sich aus einer Qualitätskrise heraus, indem man mehr baut — oder besser? Die Betten sind voll, das stimmt. Aber viele von ihnen sind müde geworden. Ob der Süden Gran Canarias darauf mit klügeren statt nur grösseren Anlagen antwortet, wird entscheiden, ob aus der heutigen Rekordbelegung ein dauerhafter Erfolg wird — oder bloss die Ruhe vor einem strukturellen Sturm.