Hinweis: Dieser Artikel ist eine journalistische Übersicht. Die EU-Heimtierverordnung wird derzeit überarbeitet (siehe Abschnitt unten). Wir empfehlen, den eigenen Tierarzt mindestens vier Monate vor dem geplanten Umzug zu konsultieren.

Wer von Deutschland, Österreich oder der Schweiz auf die Kanaren zieht, will sein Tier mitnehmen. Die EU macht das einfacher als die meisten denken — Spanien ist tollwutfrei, die Kanaren sogar mit Sonderstatus.

Aber drei Stolperfallen kosten Zeit, Nerven und im schlimmsten Fall den Wegtransport: falsche Reihenfolge bei Chip und Impfung, Listenhunde-Regeln auf den Kanaren, und die neuen EU-Vorschriften ab April 2026.

Schritt 1: Mikrochip — und zwar VOR der Tollwutimpfung

Jedes Heimtier muss einen ISO-konformen Mikrochip nach den Standards 11784 und 11785 haben — eine 15-stellige numerische Nummer auf 134,2 kHz. Chips mit 125 oder 128 kHz werden an Grenzen nicht erkannt.

Reihenfolge ist alles: Der Chip muss vor der Tollwutimpfung gesetzt werden. Wer es umgekehrt macht, hat eine ungültige Impfung — und muss den ganzen Prozess neu beginnen. Tätowierungen werden nur akzeptiert, wenn sie vor dem 3. Juli 2011 angebracht wurden und noch lesbar sind.

Kosten: Chip 30-50 Euro plus Implantation unter 10 Euro laut deutscher Gebührenordnung für Tierärzte.

Schritt 2: Tollwutimpfung — und 21 Tage warten

Nach der Mikrochip-Implantation kann die Tollwutimpfung erfolgen. Mindestalter des Tieres: 12 Wochen. Nach der Erstimpfung muss man 21 Tage warten, bevor das Tier reisen darf — die Zeit, die der Impfschutz braucht.

Bei Auffrischimpfungen entfällt die Wartezeit, solange die vorherige Impfung noch gültig war. Wird die Auffrischung erst nach Ablauf der Gültigkeit gemacht, gilt sie als Erstimpfung — also wieder 21 Tage warten.

Kosten: Tollwutimpfung etwa 50 Euro.

Schritt 3: EU-Heimtierausweis besorgen

Der EU-Heimtierausweis (gelb-blaues Heft) wird von einem ermächtigten Tierarzt ausgestellt. Er enthält Halter-Daten, Mikrochip-Nummer, Impfungen und ist zweisprachig (Deutsch und Englisch). Gültig lebenslang, solange die Tollwutimpfung aktuell ist.

Kosten: rund 10 Euro für das Dokument selbst, plus die einmaligen Kosten für Chip und Impfung.

Was im Pass stehen muss: Mikrochip-Nummer mit Datum und Position der Implantation, Tollwutimpfung mit Charge und Gültigkeitsdauer, Halter-Daten, Tierarzt-Daten. Welpen dürfen frühestens mit 15 Wochen reisen (12 Wochen Mindestalter für die Impfung plus 21 Tage Wartezeit).

Schritt 4: Anreise auf die Kanaren

Reisen innerhalb der EU sind ohne separates Gesundheitszeugnis möglich — der Heimtierausweis reicht. Die meisten Fluggesellschaften nehmen kleine Tiere bis 8 kg in der Kabine mit, grössere im Frachtraum. Iberia, Vueling, Lufthansa und Eurowings haben unterschiedliche Boxen-Vorgaben — die Buchung muss in der Regel telefonisch oder per Formular erfolgen, nicht online.

Pro Person dürfen maximal fünf Heimtiere mitreisen. Mehr nur bei Wettbewerben oder Ausstellungen mit entsprechendem Nachweis. Seit dem 22. April 2026 sind die Mengenbegrenzungen Teil der überarbeiteten EU-Heimtierverordnung.

Direktflüge nach Tenerife (TFN/TFS), Gran Canaria (LPA), Lanzarote (ACE) und Fuerteventura (FUE) gibt es täglich aus Deutschland. Nach La Palma (SPC) wöchentlich. Nach La Gomera (GMZ) und El Hierro (VDE) gibt es keine Direktflüge — Anreise nur über Tenerife per Inlandsflug oder Fähre.

Achtung: Neue EU-Regeln seit 22. April 2026

Am 22. April 2026 ist eine Übergangsfrist im EU-Tiergesundheitsrecht ausgelaufen. Die Folgen werden derzeit umgesetzt:

  • Ab 1. Oktober 2026 werden neue Tiergesundheitsbescheinigungen vorgeschrieben.
  • Aktualisierte Heimtierausweise und neue ID-Vorgaben kommen laut ADAC in mehreren Schritten.

Zentrale Anforderungen — Mikrochip, gültige Tollwutimpfung, EU-Heimtierausweis — bleiben aber unverändert. Wer einen aktuellen Heimtierausweis hat, ist auf der sicheren Seite. Falsche Behauptungen über eine angebliche Pflicht zur Online-Vorabregistrierung mit QR-Code für jede EU-Reise hat Mimikama bereits widerlegt — solche Pflichten gelten nur für Drittstaaten-Einreisen.

Listenhunde auf den Kanaren

Spanien und die Kanaren regeln Listenhunde strenger als Deutschland. Als "Perro Potencialmente Peligroso" (PPP) gelten unter anderem: Pit Bull Terrier, Staffordshire Bull Terrier, American Staffordshire Terrier, Rottweiler, Dogo Argentino, Fila Brasileiro, Tosa Inu, Akita Inu — sowie Mischlinge dieser Rassen.

Was Halter brauchen:

AnforderungDetail
Mindestalter Halter18 Jahre
Polizeiliches FührungszeugnisAktuell, nicht älter als 3 Monate
EignungsattestPsychologisch und physisch
Haftpflichtversicherungmind. 175.000 Euro Deckung
LizenzLicencia para tenencia de PPP bei der Gemeinde
In der ÖffentlichkeitMaulkorb plus Leine bis 2 Meter
Gültigkeit Lizenz5 Jahre
Bussgeld bei Verstoss300-30.000 Euro

Die Lizenz ist bei der jeweiligen Gemeinde zu beantragen — auf Tenerife etwa beim Ayuntamiento von Santa Cruz oder La Laguna, auf Gran Canaria bei Las Palmas, San Bartolomé de Tirajana, Telde oder dem Wohnort, auf den anderen Inseln ebenfalls bei der zuständigen Insel-Hauptstadt-Verwaltung.

Tierärzte und Notfälle auf den Kanaren

Die Insel-Gruppe hat ein dichtes Tierarzt-Netz — über 200 Praxen sind insgesamt registriert, davon allein über 50 auf Gran Canaria und ähnlich viele auf Tenerife. Auf den kleineren Inseln (Lanzarote, Fuerteventura, La Palma) sind es jeweils 10-25 Praxen, auf La Gomera und El Hierro nur wenige.

Die meisten Tierärzte sprechen Spanisch, viele in den deutsch geprägten Zonen (Las Palmas, Maspalomas, Puerto de la Cruz, La Orotava, Costa Teguise, Puerto del Carmen, Corralejo, Puntagorda) auch Englisch oder Deutsch.

Krankenversicherung für Haustiere ist in Spanien nicht Pflicht (anders als die Haftpflicht — siehe unten), aber sinnvoll. Anbieter wie Mapfre, Catalana Occidente und Allianz bieten Pakete ab 15-25 Euro pro Monat. Die Behandlung beim Tierarzt ohne Versicherung kostet typischerweise 30-50 Euro für Konsultation, 80-200 Euro für eine Operation.

Hunde-Haftpflicht ist seit der Reform des Tierschutzgesetzes (Ley 7/2023) in ganz Spanien Pflicht — auch für Nicht-Listenhunde. Die Versicherung kostet rund 50-80 Euro pro Jahr.

Hundestrände auf den Kanaren — und was wirklich gilt

Hier liegt das wahrscheinlich überraschendste Detail des ganzen Themas. Auf den Kanaren sind Hunde grundsätzlich an Stränden VERBOTEN, ausser an speziell ausgewiesenen Hundestränden. Wer den Hund einfach auf einen normalen Strand mitnimmt, riskiert Bussgeld zwischen 100 und 750 Euro je nach Gemeinde.

Komplette Liste aller offiziellen Hundestrände auf den Kanaren (Stand April 2026):

Gran Canaria
StrandPlaya de Bocabarranco
GemeindeJinámar (Telde/Las Palmas)
BemerkungErster Hundestrand der Kanaren, 6.000 m², dunkler Sand, oft windig
Gran Canaria
StrandPlaya Los Tres Peos
GemeindeAgüimes
BemerkungKleine Bucht, dunkler Sand, keine Service-Einrichtungen
Gran Canaria
StrandPlaya Los Cuervitos
GemeindeAgüimes
BemerkungDirekt neben Tres Peos, klein, oft starker Wind
Gran Canaria
StrandPlaya de El Perchel
GemeindeMogán
BemerkungModern renoviert, neu seit 2025
Gran Canaria
StrandPlaya de Tauro
GemeindeMogán
BemerkungMarkierte Hundezone, neu seit 2025
Gran Canaria
StrandBahía de Los Frailes
GemeindeMogán
BemerkungKompletter Strandabschnitt frei, neu seit 2025
Tenerife
StrandEl Puertito de Güímar
GemeindeGüímar
Bemerkung200 m markiert, beliebter Sandstrand
Tenerife
StrandPlaya El Confital
GemeindeSanta Cruz
BemerkungFelsstrand bei der Hauptstadt
Tenerife
StrandPlaya El Cabezo
GemeindeArona
BemerkungSchwarzer Sand, Wassersport-Spot
Tenerife
StrandEl Callao
GemeindeArona
BemerkungIm Süden der Insel
Lanzarote
StrandPlaya de las Coloradas
GemeindeYaiza
BemerkungNur 07-10h und 19-21h erlaubt
Lanzarote
StrandPlaya de la Guacimeta
GemeindeSan Bartolomé
BemerkungBei Playa Honda, in Flughafen-Nähe
Fuerteventura
Strand—
Gemeinde—
BemerkungBislang keine offiziellen Hundestrände
La Palma
StrandPlaya Los Guirres (Norden)
GemeindeTazacorte
BemerkungKies und dunkler Sand
La Gomera
Strand—
Gemeinde—
BemerkungKeine offiziellen Hundestrände
El Hierro
Strand—
Gemeinde—
BemerkungKeine offiziellen Hundestrände

Die Mogán-Initiative von 2025 hat zum ersten Mal beliebte Touristenstrände — nicht abgelegene Felsküsten — für Hunde geöffnet. Stadtrat Willy García hat aber klargestellt, dass das Projekt nur weitergeführt wird, wenn die Halter sich an die Regeln halten: Leinenpflicht, sofortiges Aufsammeln der Hinterlassenschaften, Maulkorb für Listenhunde.

Praktische Tipps für Hundehalter auf den Kanaren

Hitze und Asphalt. Im Sommer kann die Asphalttemperatur auf 50-60 Grad steigen. Pfoten brennen schnell. Faustregel: Wenn die Handfläche fünf Sekunden auf dem Boden nicht aushält, ist es für den Hund zu heiss. Spaziergänge am besten vor 10 Uhr morgens oder nach 18 Uhr abends.

Wasser. Die Kanaren sind trocken. Wasserflasche mit Trinknapf gehört bei jedem Spaziergang ins Gepäck. Tierärzte berichten regelmässig Hitzschlag-Fälle bei Hunden, die nicht rechtzeitig getrunken haben.

Calima-Tage. Wenn der Sahara-Sand kommt, wird die Luft schwer. Empfindliche Hunde (Mops, Bulldogge, Senioren) sollten an Calima-Tagen nicht raus.

Zecken und Sandflöhe. Auf den Kanaren häufig. Ein wirksames Spot-on-Präparat (Frontline, Advantix, Bravecto) ist obligatorisch. Leishmaniose ist auf der Insel-Gruppe weniger verbreitet als auf dem spanischen Festland, aber präsent — der Tierarzt-Check vor Ort ist Standard.

Empadronamiento. Wer Resident wird, muss seinen Hund auch in der Gemeinde anmelden — das geht oft direkt mit dem Empadronamiento beim Ayuntamiento. Die Gebühr ist gering oder Null, aber erforderlich.

Inter-Insel-Transport. Wer mit dem Hund zwischen den Kanaren reist (Fähre Naviera Armas/Trasmediterránea, Inlandsflug Binter/Canaryfly), braucht den Heimtierausweis und manchmal eine zusätzliche Transportbox-Buchung. Kosten Fähre: 30-50 Euro pro Strecke. Inlandsflug: 60-120 Euro je nach Tiergrösse.

Kosten-Überblick: Was die Hund-Mitnahme insgesamt kostet

Vor der Reise (einmalig):

PostenKosten
Mikrochip-Implantation40-60 €
Tollwutimpfung50 €
EU-Heimtierausweis10 €
Tierarzt-Check vor Reise50 €
Flugtransport Kabine (klein)60 €
Flugtransport Frachtraum (gross)200-400 €
Transportbox80-200 €
Summe (mittlerer Hund, Frachtraum)430-770 €

Auf der Insel pro Jahr:

PostenKosten
Auffrischimpfungen50-80 €
Hunde-Haftpflicht (Pflicht seit Ley 7/2023)50-80 €
Spot-on-Präparat60-150 €
Tierarzt-Check und Routinen100-200 €
Krankenversicherung (optional)180-300 €
Summe Folgejahre (mit Versicherung)440-810 €
Summe Folgejahre (ohne Versicherung)260-510 €

Macht im ersten Jahr inklusive Reise etwa 600-1.200 Euro je nach Hundeklasse, danach 250-500 Euro pro Jahr ohne Krankenversicherung.

Was am häufigsten schiefgeht

Die drei häufigsten Fehler, die deutsche Tierärzte berichten:

FehlerFolgeVermeidung
Impfung vor ChipTollwutimpfung ungültig, Prozess muss neu startenReihenfolge prüfen, schriftlich notieren
Welpen zu frühReise unmöglich vor 15 WochenMindestalter beachten, Reise erst danach buchen
Listenhund-Lizenz vergessenBussgeld 300-30.000 €, Hund kann beschlagnahmt werdenNach Empadronamiento sofort Lizenz beantragen

Wer rechtzeitig plant — vier Monate vor dem Umzug — ist auf der sicheren Seite. Wer auf den letzten Drücker zum Tierarzt geht, riskiert die ganze Reise.

Lucía Medina Reyes schreibt für CITA News über Gesellschaft, Kultur und Alltag auf den Kanaren. Mehr über die Autorin