Worum es geht
Was passiert: Die erste grosse Hitzewelle des Jahres 2026 erreicht die Kanaren heute Sonntag um 11:00 Uhr. Sie dauert nach offizieller Prognose bis mindestens Mitte nächste Woche.
Wie heiss: Bis zu 37 Grad in Fuerteventura und Lanzarote (Inneres, Süden), über 34 Grad in Gran Canaria (Süd- und Westhänge, Cumbres), über 30 Grad auf den westlichen Inseln in den medianías.
Was die Regierung gemacht hat: Notfallprotokoll PEFMA (Plan für extreme Wetterlagen) aktiviert — gilt für alle sieben Inseln ab 11:00 Uhr. Zusätzlich erste Waldbrand-Vorwarnstufe 2026 (INFOCA) für Gran Canaria und Teneriffa ab 8:00 Uhr.
Wie ungewöhnlich das ist: Aemet-Werte liegen «deutlich über dem Mittel für diese Jahreszeit». Im Mai liegen Höchstwerte normalerweise zwischen 22 und 26 Grad.
Warum es diesmal so heiss wird: Ein Höhenvortex südwestlich der Inseln drückt heisse Saharaluft auf die Inseln. Die thermische Inversion sinkt — die Hitze, die normalerweise oben bleibt, kommt nach unten.
Quellen: Aemet, Dirección General de Emergencias del Gobierno de Canarias, Diario de Avisos, Canarias7, eldiario.es.
Inhalt
Was heisst das konkret — Insel für Insel
Fuerteventura und Lanzarote sind diesmal am stärksten betroffen. 37 Grad und mehr im Inneren und im Süden beider Inseln. Wer in Costa Calma, Morro Jable, Jandía, Playa Blanca oder Puerto del Carmen Urlaub macht, kriegt das voll ab. Die Küsten sind etwas kühler, aber die Brise ist trocken, Saharastaub in der Luft (Calima). Atmen ist nicht angenehm, Sehweite reduziert.
Gran Canaria. Süden (Maspalomas, Playa del Inglés, Meloneras, San Agustín) und Westen (Mogán, Puerto Rico, Tauro) sind die Brennpunkte mit über 34 Grad. Die Cumbres — Tejeda, Roque Nublo, Pico de las Nieves — bekommen es genauso hart. Norden (Las Palmas, Telde, Gáldar) bleibt etwas milder durch die Passatwinde, kommt aber ab Montag in die Liste.
Teneriffa. Metropole Santa Cruz / La Laguna mit moderaten Werten, aber Cañadas del Teide, Süden (Adeje, Arona, Los Cristianos) und Westen (Garachico, Los Gigantes) überschreiten 30 Grad deutlich. Brandgefahr im Norden besonders hoch — die Wälder von Anaga und Teno trocknen sehr schnell aus.
La Palma, La Gomera, El Hierro. Westliche Inseln mit Werten über 30 Grad in den medianías (300–800 m Höhe). Cumbres und Pinares sind die kritischen Zonen — La Palma kennt das seit dem Sommer 2023, als das Feuer 6.500 Hektar verbrannte.
Was die Hitze wirklich gefährlich macht
Drei Dinge, die zusammenkommen:
Erstens: niedrige Luftfeuchtigkeit. Unter 30 Prozent — das ist Wüstenklima. Du verlierst Wasser, ohne zu schwitzen. Du merkst es nicht, bis du Kreislaufprobleme hast. Touristen, die das nicht kennen, kollabieren am ersten Tag.
Zweitens: heisse Südwestwinde. Normalerweise kühlen die Passatwinde aus dem Norden. Diese Woche kommt der Wind aus der Sahara — er kühlt nicht, er heizt zusätzlich auf. Wer auf Bergpfaden wandert, läuft in einen Föhn.
Drittens: hohe Nachttemperaturen. Mindesttemperaturen 26 bis 28 Grad. Heisst: Auch nachts kühlt der Körper kaum ab. Tropennächte, mehrere hintereinander. Das ist der Punkt, an dem ältere Menschen und Kinder in den Statistiken landen.
Die Aemet-Warnstufe steht zunächst auf Gelb. Sie wird laut Behörden vermutlich diese Woche hochgesetzt — die Aktualisierungen kommen täglich.
Brandgefahr: wo es zuerst brennt
Erste Vorwarnstufe (prealerta por riesgo de incendios forestales) gilt seit heute Morgen 8 Uhr für Gran Canaria und Teneriffa. Das ist die niedrigste von vier Stufen — heisst: keine direkte Gefahr, aber alle Behörden in Bereitschaft, Vegetation wird trockener.
Wo es kritisch wird:
Gran Canaria: Roque Nublo, Tamadaba, Inagua, die Pinienwälder rund um Mogán und Tejeda. Teneriffa: Anaga (Nordosten), Teno (Nordwesten), Las Cañadas (Zentral). La Palma: Caldera de Taburiente, Cumbre Vieja (immer noch nicht ganz erholt vom 2021er-Ausbruch). La Gomera: Garajonay (Lorbeerwald, unwiederbringlich, wenn er brennt).
Verboten ab heute, auch wenn dir das niemand sagt:
Grillen im Freien — auch in eigenem Garten in Waldgebieten. Zigarettenkippen in der Natur (Bussgeld bis 2.000 €). Glasflaschen liegen lassen (Lupeneffekt). Knaller, Feuerwerk, Wunderkerzen — auch privat. Verbrennen von Schnittgut (war für Mai eigentlich erlaubt — diese Woche nicht).
Was du als Tourist heute und diese Woche machen solltest
Morgens raus, abends raus. Zwischen 12 und 17 Uhr ist die Hölle. Pool ja, Strand ja — aber unter Schirm und mit Wasser. Wandern, Radfahren, Klettern: vor 10 Uhr oder nach 18 Uhr. Sonst nicht.
Trinken, bevor du Durst hast. Mindestens drei Liter Wasser pro Tag, mehr wenn du dich bewegst. Cerveza und Tinto de verano sind erfrischend, aber dehydrieren — Alkohol ist bei dieser Hitze eine offizielle Warnung der Regionalregierung.
Sonnencreme alle zwei Stunden. UV-Index steigt mit der Calima paradoxerweise — der Saharastaub streut, schützt aber nicht. Verbrennungen sind diese Woche schneller als üblich.
Wandern? Nur mit Plan. Die Bergpfade in Gran Canaria (Roque Nublo, Cruz de Tejeda, Inagua) sind diese Woche kein Anfänger-Terrain. Wer hoch will, geht früh, nimmt drei Liter Wasser pro Person, sagt jemandem Bescheid. Keine Sandalen, keine Baumwollshirts. Hut ist Pflicht.
Auto in der Sonne ist eine Falle. Innen schnell über 60 Grad. Kein Kind im Auto lassen — auch nicht «kurz mal». Hund im Auto: tödlich in unter 15 Minuten.
Klimaanlage prüfen. Wenn deine Ferienwohnung keine hat oder die A/C nicht zieht: Hotel umbuchen oder Tagesziel klimatisierter Ort (Einkaufszentrum, Museum). Ohne Klimaanlage werden die Nächte hart.
Was du als Anwohner machen solltest
Eltern und Grosseltern anrufen. Mehrmals die Woche. Hitzeschlag bei älteren Menschen kommt schleichend — Verwirrung, kein Durstgefühl, Schwächeanfälle. Frühzeitig zum Arzt.
Medikamente checken. Manche Medikamente — vor allem Diuretika, Antihypertensiva, Antidepressiva — beeinflussen die Wärmeregulation. Hausarzt fragen, ob Dosis angepasst werden muss.
Garten und Terrasse. Trockenes Laub jetzt entfernen, Brandschneise um Häuser in Waldnähe ist Eigentümerpflicht (Ley 5/2014). Wer da liegen lässt, riskiert Bussgeld und im schlimmsten Fall sein eigenes Haus.
Stromrechnung. A/C voll laufen lassen ist diese Woche teurer als Mogán Tourismussteuer auf 14 Nächte. Tarifzonen prüfen, nicht zwischen 10 und 14 sowie 18 und 22 Uhr Hochbetrieb fahren — das ist Spitzentarif.
Was Wanderer und Sportler beachten müssen
Trail-Running, GR131, Ironman-Vorbereitung. Das ganze Wochenende war Ironman Lanzarote — 1.400 Athleten haben das überstanden, weil sie wussten was kommt. Wer privat in derselben Liga unterwegs ist, sollte diese Woche pausieren oder vor 7 Uhr und nach 19 Uhr trainieren. Nicht zwischen 12 und 17 Uhr.
Wassersport. Surfen, Stand-up-Paddle, Schnorcheln. Wasser sieht erfrischend aus, ist es aber nicht überall. Die Strömung am Maspalomas-Strand und an Las Canteras kann bei trockenem Südwestwind tückisch werden. Roter Flagge folgen. Punkt.
Höhentouren. Roque Nublo, Pico de las Nieves, Teide-Anstieg über Montaña Blanca — diese Woche nur mit Bergführer oder mindestens zu zweit. Notruf 112 funktioniert auf den Inseln, auch in Funklöchern via Satellit.
Wenn es zu spät ist: Symptome erkennen
Hitzeerschöpfung (vorher noch in den Schatten): starkes Schwitzen, kalter feuchter Haut, schneller schwacher Puls, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel. Massnahme: Schatten, Beine hoch, Wasser, kaltes Tuch in Nacken und Achseln.
Hitzschlag (Notfall): Haut heiss und trocken (kein Schweiss mehr), Körpertemperatur über 40 Grad, Verwirrung, Bewusstlosigkeit. Massnahme: sofort 112 rufen, Person in den Schatten, mit Wasser kühlen, nicht trinken geben wenn bewusstlos.
Sonnenstich (Notfall): starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit, hohes Fieber. Massnahme: 112, Kopf kühlen, ärztliche Hilfe.
In allen Fällen: 112 ist die Notrufnummer. Funktioniert kostenlos, auch ohne Karte, in allen EU-Sprachen.
Häufige Fragen
- Wie lange dauert die Hitzewelle?
- Nach aktueller Aemet-Prognose mindestens bis Mitte nächste Woche, also bis Mittwoch oder Donnerstag. Update täglich auf aemet.es oder über die App «Avisos AEMET».
- Werden die Strände geschlossen?
- Nein. Strände bleiben offen. Aber: rote Flagge bedeutet Badeverbot — Polizei kontrolliert, Bussgelder bis 1.500 €. Gelbe Flagge: Vorsicht, schwache Schwimmer raus.
- Was passiert mit Wanderwegen?
- Bei Erhöhung auf Alarmstufe (alerta) werden Naturparks teilweise geschlossen — Roque Nublo, Garajonay, Las Cañadas. Aktuell sind alle offen, aber Stand kann täglich ändern. Vor der Tour beim Cabildo der jeweiligen Insel anrufen oder Webseite checken.
- Sind Flüge betroffen?
- Nein. Flughafen Las Palmas, Tenerife Sur und Norte arbeiten normal. Hitze stört kommerziellen Flugbetrieb selten.
- Werde ich bei Stromausfall im Hotel kompensiert?
- Spanisches Verbraucherrecht: Wenn das Hotel zugesagte Leistungen wie Klimaanlage nicht erbringt, kannst du eine Hojas de Reclamaciones (Beschwerdeformular) verlangen. Wer drei Tage in einem 4-Sterne-Haus ohne A/C aushält, kann später ernsthaft Geld zurückfordern.
- Wann ist die Hitzewelle vorbei?
- Spätestens, wenn die Passatwinde aus dem Norden zurück sind. Aemet erwartet das gegen Ende der Woche.