Was bedeutet die Meldung für Einwohner und Urlauber?
Es geht um eine Datenauswertung, nicht um eine Rechtsänderung. La Provincia veröffentlichte sie am 2. November 2026 zu Alter und Arbeitslosigkeit auf den Kanaren.
Urlauber trifft weder eine Pflicht noch eine Einschränkung. Neue Regeln, Fristen oder Förderungen für Betroffene nennt der Bericht nicht, und auch die weitere Recherche fand keine.
Wer auf Teneriffa lebt, über 45 ist und Arbeit sucht, liest in den Zahlen vor allem eine Warnung vor langen Suchzeiten. Offizielle Ratschläge zu dieser Auswertung hat bisher niemand veröffentlicht.
Zuständig für die Arbeitsmarktpolitik ist der Servicio Canario de Empleo (kanarischer Arbeitsdienst) der Regionalregierung. Dort können Betroffene nach aktuellen Angeboten fragen, eine neue Massnahme für Ältere ist nicht belegt.
Wie gross ist der Abstand zwischen Arbeitslosen und Verträgen?
Von 131.800 Arbeitslosen auf den Kanaren sind 58.800 mindestens 45 Jahre alt, das sind 44,6 Prozent. So zählt es das Statistikamt INE, wie La Provincia berichtet.
Bei den Verträgen sieht es anders aus: Das kanarische Statistikamt ISTAC meldet für September 18.510 von 67.755 Verträgen für diese Gruppe. Das sind 27,3 Prozent.
Von hundert Arbeitslosen gehören also etwa 45 zu den Älteren, von hundert neuen Verträgen aber nur 27. Dieser Abstand ist laut La Provincia der aussagekräftigste Wert.
Spanienweit sieht es ähnlich aus. Im März 2026 unterschrieben Menschen ab 45 laut dem Bericht 367.204 Verträge, bei 943.863 für Jüngere, also rund 28 Prozent.
Insgesamt bessert sich die Lage: Die Erhebung EPA des INE zeigt im dritten Quartal 38.100 Beschäftigte mehr und 4.300 Arbeitslose weniger. Die Quote fiel auf 10,9 Prozent, den tiefsten Stand seit zwei Jahrzehnten.
Warum nennen andere Medien 63 Prozent statt 45 Prozent?
Atlántico Hoy und Libertad Digital meldeten am 22. Oktober 2026 auf Basis der SEPE-Daten (staatliche Arbeitsagentur) 146.295 Arbeitslose auf den Kanaren. Davon seien 91.961 ab 45 Jahre alt, also 63 Prozent.
Die Überschrift von La Provincia spricht dagegen von der Hälfte, im Text steht «casi el 45%». Die Zahlen stammen aus verschiedenen Quellen: hier die Erhebung des INE, dort die SEPE-Daten.
Ob das den Abstand allein erklärt, liess sich nicht klären. Auch der Bezugsmonat der 146.295 ist nicht belegt.
Für die Provinz Santa Cruz de Tenerife, zu der auch La Palma, La Gomera und El Hierro gehören, nennt Atlántico Hoy 44.344 Ältere bei 70.631 Arbeitslosen. 28,47 Prozent der Verträge gingen an diese Gruppe, 5,46 Prozent mehr als 2024.
In der Provinz Las Palmas sind es 47.617 von 75.664 Arbeitslosen, also 62,93 Prozent. Dort entfielen 26,29 Prozent der Verträge (97.619) auf Ältere, 0,83 Prozent mehr als 2024.
Warum finden Ältere so schwer eine neue Stelle?
Die Stiftung Fundación Más Sénior nennt das Problem «edadismo laboral», also Benachteiligung wegen des Alters im Beruf. Ihre Direktorin Sonia Catalán beschreibt sie als «eine unsichtbare Barriere», die oft unbewusst wirke.
In der Umfrage der Stiftung gaben 58 Prozent der befragten Menschen über 45 an, wegen ihres Alters diskriminiert worden zu sein. Catalán warnt ausserdem vor Filtern in automatischen Bewerbungssystemen, die Lebensläufe schon vor dem ersten Gespräch aussortieren.
Der Ökonom José Miguel González, früher Generaldirektor für Arbeit der Kanarischen Regierung, sieht einen Unterschied zwischen Beschäftigten und Arbeitslosen. Wer arbeitslos sei, werde schwerer eingestellt, wer einen Job habe, verliere ihn seltener.
González verweist auf Mobilität und Ausbildung: Ältere sind oft an ihren Wohnort gebunden, und viele Stellen verlangen heute mehr Qualifikation. Am schwierigsten sei die Lage ab 50 ohne gefragte Qualifikation.
Landesweit ist laut dem Bericht der Stiftung mehr als die Hälfte der Arbeitslosen über 50 länger als ein Jahr ohne Stelle (53 Prozent). Zwischen 2020 und 2025 sank die Arbeitslosigkeit insgesamt um rund 33 Prozent, bei den Über-50-Jährigen um 20 Prozent.
Wie entwickelt sich die Lage, und wer ist zuständig?
Im August 2026 zählte die Statistik 144.459 Arbeitslose auf den Kanaren, wie Diario de Avisos berichtet. 89.097 waren ab 45 Jahre alt, 4.659 weniger als ein Jahr zuvor (minus 4,97 Prozent).
Die Langzeitarbeitslosigkeit sank im August auf 63.326, den niedrigsten Stand seit Januar 2009. Im September zählte Diario de Avisos 140.303 Arbeitslose insgesamt, eine Altersaufschlüsselung enthält dieser Bericht nicht.
Schon früher nannte die Kanarische Regierung das Thema wichtig. Präsident Fernando Clavijo sagte im September 2023, Langzeitarbeitslosigkeit bei Älteren mit geringer Bildung sei «eine der Prioritäten» seiner Regierung, wie La Voz de Lanzarote berichtete.
Ein Budget oder Termine nannte Clavijo damals nicht. Für den Cabildo de Tenerife (Inselregierung) fand die Recherche kein Programm, das sich gezielt an Menschen über 45 richtet.
Was ist noch offen?
Zahlen allein für die Insel Teneriffa liegen nicht vor, nur für die Provinz Santa Cruz de Tenerife. Namen von Verantwortlichen im Gobierno de Canarias oder bei Gewerkschaften zu dieser Auswertung fand die Recherche ebenfalls nicht.
Wann die nächsten Arbeitslosenzahlen erscheinen, ist nicht belegt. Wer den Termin wissen will, muss beim SEPE nachsehen.