Im Cabildo-Sitz in Santa Cruz de La Palma sass am 23. April 2026 eine Delegation aus Madrid: Minister Ángel Víctor Torres, die neue Staatssekretärin für Territorialpolitik Miryam Pérez, der Generaldirektor für autonome Kooperation, der Regierungsdelegierte für die Kanaren. Gegenüber: Cabildo-Präsident Sergio Rodríguez.
Es war das Treffen, das Rodríguez seit Monaten gefordert hatte und das laut seiner eigenen Aussage "schon früher hätte stattfinden können". Was an diesem Donnerstag besprochen wurde, betrifft Tausende Haushalte: Die Steuerermässigung von 60 Prozent auf die Einkommensteuer bleibt 2026 und 2027 in Kraft.
Was Torres konkret zugesagt hat
Auf Nachfrage der Journalisten wiederholte der Minister den Investitur-Pakt zwischen PSOE und Coalición Canaria: Die Bonifikation des 60-Prozent-IRPF werde "auf strikte Weise" eingehalten. "Sie wird 2026 fortgesetzt, genau wie 2025. Und für 2027 werden wir auch den genauen Mechanismus zur Anwendung suchen," so Torres.
Die Pressemitteilung der Moncloa vom 23. April 2026 (La Moncloa) bestätigt das wörtlich. Bisher seien insgesamt mehr als 1,1 Milliarden Euro Bundesgelder in den Wiederaufbau geflossen.
Begleitend kündigte Torres an, dass der Rahmenvertrag für die Wiederherstellung der vom Vulkan zerstörten Infrastruktur erneuert werde. Ein erstes 36-Millionen-Euro-Konvenio (50 Prozent vom Bund, 50 Prozent vom Cabildo) ist faktisch abgearbeitet — Torres sprach von "praktisch ausgeführten Arbeiten". Neue Schäden, die mit der Zeit aufgetaucht sind, sollen ebenfalls kofinanziert werden.
Was Rodríguez sagt
Der Cabildo-Präsident bedankte sich für "den Ton und den Willen" des Ministers, war aber sichtbar ungeduldig. "Wir sind ertrunken, und wir brauchen, dass die Dinge jetzt geschehen," zitiert ihn eldiario.es Canarias Ahora am 23.
April. Drei Wochen vorher hatte Rodríguez Torres in einer öffentlichen Stellungnahme noch deutlich härter angegriffen: Er habe "Stöcke ins Rad" der Wiederaufbau-Auszahlungen gesteckt — vermutlich aus wahltaktischen Gründen, weil Torres als Kandidat zum kanarischen Regierungspräsidenten zurückkehren wolle.
Der Tonwechsel zwischen März und 23. April ist bemerkenswert. Was im April auf Cabildo-Foto wie ein versöhnliches Treffen aussah, hat einen Hintergrund: Bis zur Renten-Erklärungsfrist Ende Juni musste die Bonifikation für 2026 öffentlich bestätigt sein. Sonst hätten Tausende palmische Haushalte ihre Erklärung 2025 mit Unsicherheit über das Folgejahr abgeben müssen.
Was die Massnahme konkret bedeutet
Die Bonifikation des 60 Prozent IRPF ist eine Steuerermässigung, die alle natürlichen Personen mit gewöhnlichem Wohnsitz auf La Palma in Anspruch nehmen können. Auf die ermittelte Einkommensteuerschuld wird ein Abschlag von 60 Prozent gewährt.
Je nach Einkommen kann das mehrere tausend Euro pro Haushalt und Jahr ausmachen. Eingeführt wurde die Massnahme als Teil der "Agenda Canaria" — dem Investitur-Pakt zwischen PSOE und Coalición Canaria von 2023. Vorgesehen war sie für 2024 bis 2027.
Was Resident-Auswanderer auf La Palma jetzt wissen müssen
Wer auf La Palma als Resident lebt — das gilt auch für die kleine, aber stabile deutschsprachige Community vor Ort — sollte vor allem die formalen Voraussetzungen kennen.
Die Bonifikation gilt für Personen mit Hauptwohnsitz auf La Palma; wer zwischen Inseln pendelt oder die Hälfte des Jahres in Deutschland lebt, fällt nicht automatisch unter die Regelung. Die Steuer-Residenz muss klar nachweisbar sein — Empadronamiento, faktischer Aufenthalt überwiegend auf der Insel, gegebenenfalls Spanish Tax ID auf La Palma-Adresse.
Wichtig dabei: Die Befreiung wird nicht automatisch angewendet. Sie muss in der Renta-Erklärung explizit beantragt werden. Für die Erklärung 2025, die jetzt läuft, ist die Bonifikation bereits verfügbar. Wer einen Gestor beauftragt, sollte ausdrücklich nachfragen, ob die Bonifikation berücksichtigt wurde; wer selbst erklärt, sollte das entsprechende Feld in der digitalen Renta-Maske kontrollieren.
Wer langfristig kalkuliert — Hauskauf, Investition — sollte die Steuerersparnis nicht für die nächsten zehn Jahre fest einplanen. Die Verlängerung bis 2027 ist politisch zugesagt, der konkrete Rechtsakt folgt typischerweise im Halbjahres-Rhythmus per Real Decreto-ley ómnibus. Die politische Lage in Madrid ist unbeständig, und der Pakt zwischen PSOE und CC kann kippen.
Was im Hintergrund nicht gut läuft
Vier Jahre nach dem Cumbre-Vieja-Ausbruch sind tausend Häuser noch nicht wiederaufgebaut, Hunderte Familien leben in provisorischen Unterkünften oder bei Verwandten. Die 1,1 Milliarden Euro Bundesgelder stehen auf dem Papier, aber das Tempo der Auszahlung ist seit Anfang 2025 spürbar gedrosselt — was Rodríguez Anfang April öffentlich gemacht hat.
Die hydraulischen Infrastrukturen, die früher die Bananen-Plantagen im Süden der Lava-Zone bewässerten, sind nicht wiederhergestellt. Ein zweites Konvenio dafür ist seit Monaten in Verhandlung.
Die Steuerbefreiung für 2026/2027 ist ein wichtiger Stützpfeiler — symbolisch wie materiell. Aber sie ersetzt nicht den Wiederaufbau, den die Insel braucht. Rodríguez hat das mit dem Satz "estamos ahogados" — wir ersticken — auf den Punkt gebracht. Wer in Los Llanos de Aridane lebt und auf einen Bauplatz wartet, kennt die Bedeutung dieses Worts.
Martin Kosinski schreibt für CITA News über Wirtschaft, Tourismus und Service-Themen. Mehr über den Autor