Die Kanaren haben im ersten Quartal 2026 nach den Daten der Encuesta de Población Activa (EPA) des spanischen Statistikamts INE (elDiario.es) 17.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Arbeitslosenzahl sank um 14.400 auf 136.500 Personen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 11,4 Prozent — der niedrigste Wert seit dem vierten Quartal 2007, als sie 10,9 Prozent betrug.

Die Kanaren waren im ersten Quartal 2026 zugleich die spanische Autonome Region mit dem stärksten Beschäftigungszuwachs und dem grössten Rückgang der Arbeitslosigkeit. Auf nationaler Ebene zeigt der Kontrast: Spanien insgesamt verlor 170.300 Arbeitsplätze, die Arbeitslosigkeit stieg um 231.500 Personen oder 9,34 Prozent. Eine Studie der Cátedra Juan Miguel Sanjuán an der Universidad de La Laguna ordnet die Lage strukturell ein: das Insel-Wachstum ist demografisch nicht von der Bevölkerung selbst getragen.

Welche Zahlen liefert die EPA für das erste Quartal 2026?

Die Kanaren erreichen mit 1.060.600 Beschäftigten den höchsten Wert in einem ersten Quartal seit Beginn der Statistik. Im Jahresvergleich sind 36.500 Beschäftigte hinzugekommen, ein Plus von 3,6 Prozent. Die aktive Bevölkerung wuchs in den letzten zwölf Monaten um 12.800 Personen auf 1.197.100.

Im Sektor-Detail zeigt sich ein doppeltes Bild. Der Privatsektor schuf 18.300 neue Arbeitsplätze, der öffentliche Sektor verlor 1.300. Vollzeitstellen wuchsen um 8.600, Teilzeitstellen um 8.400 — ein deutlicher relativer Anstieg von 8,01 Prozent bei Teilzeit. Bei den Vertragsformen wurden 12.000 unbefristete Verträge zusätzlich abgeschlossen, 3.500 befristete kamen hinzu. Der Anteil unbefristeter Verträge erreicht damit 82,66 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit sank bei Frauen stärker als bei Männern: minus 9.800 arbeitslose Frauen gegenüber minus 4.600 arbeitslosen Männern. Die Jugendarbeitslosigkeit unter 25 Jahren liegt nun bei 17,36 Prozent, 1.900 weniger als im Vorquartal.

Wie weit sind die Kanaren von der nationalen Quote entfernt?

Die nationale Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 10,83 Prozent. Die Kanaren sind mit 11,4 Prozent nur 0,57 Prozentpunkte entfernt. So nah waren die Inseln dem nationalen Schnitt zuletzt im Dezember 2004, als die Differenz 0,22 Prozentpunkte betrug.

Der Vorsprung der Kanaren gegenüber den anderen Tourismusregionen ist deutlicher. Die Balearen — die andere grosse spanische Tourismusregion — verzeichneten im ersten Quartal 2026 einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 76,55 Prozent. Katalonien verlor 46.300 Arbeitsplätze. Die Verbindung zur Tourismus-Hochsaison wird in der EPA-Auswertung explizit hergestellt: das Q1-Wachstum ist «eng mit dem akkumulierten Tourismus-Boom auf den Inseln verbunden», schreibt elDiario.es.

Im Hochrechnungs-Vergleich zur nationalen Lage ist der jährliche Rückgang der Arbeitslosigkeit auf den Kanaren um 14,8 Prozent fast das Fünffache des nationalen Schnitts von 2,89 Prozent.

Was sagt die Cátedra Juan Miguel Sanjuán?

Die Cátedra Juan Miguel Sanjuán, eine Forschungseinrichtung an den beiden öffentlichen Universitäten der Kanaren, hat im Januar 2026 die Studie Participación de la inmigración en el mercado de trabajo en Canarias (Cátedra UGC) veröffentlicht. Die Kernaussage: «Der Generationenwechsel im Arbeitsmarkt der Kanaren ist mathematisch unmöglich ohne exogene Zuführung.»

Konkrete Zahlen aus der Studie: Auf den Kanaren sind 140.956 Personen ausländischer Herkunft in der Sozialversicherung gemeldet. Davon arbeiten 53.325 in der Hostelería — also Hotels und Gastronomie. Die ausländische Erwerbsbevölkerung umfasst zwei klar getrennte Profile: nicht-EU-Bürger arbeiten überwiegend in den traditionellen Wirtschaftsmotoren — Hostelería, Bauwesen, Landwirtschaft, Hausarbeit. EU-Bürger sind stärker in qualifizierten Tätigkeiten vertreten, wie wissenschaftlichen Berufen.

Die Studie räumt mit der Behauptung auf, Zuwanderer würden Einheimischen Arbeit wegnehmen. Sie konzentrieren sich nach Cátedra-Befund «auf spezifische Nischen, ergänzen die lokale Belegschaft oder ersetzen sie in jenen Berufen, die Einheimische ablehnen». Aktuell stellen extracomunitarios — also Nicht-EU-Bürger — 58,8 Prozent der ausländischen Erwerbsbevölkerung. Die wichtigsten Herkunftsländer der nicht-EU-Bürger sind Marokko, Kolumbien und Venezuela.

Wo ist der demografische Engpass?

Die Kanaren erreichten 2025 nach INE-Daten ihren historischen Höchststand der Alterung: knapp 150 Personen über 64 Jahre kommen auf 100 Personen unter 16 Jahre. Diese Konstellation bedeutet, dass die heimische Bevölkerung allein die Arbeitsplätze nicht mehr besetzen kann, die durch Renteneintritt frei werden. Hinzu kommt das natürliche Bevölkerungswachstum, das negativ ist — es sterben mehr Menschen als geboren werden.

Die Cátedra spricht von einer «absoluten Abhängigkeit vom Migrationssaldo, um das demografische Volumen zu halten, das für die Aufrechterhaltung der internen Nachfrage und des Arbeitsangebots notwendig ist». Der Tourismus hat die Lage zugespitzt: «Die ausserordentliche Tourismus-Erholung 2023 und 2024 mit Rekord-Besucherzahlen hat die Personalstärken von Hotels und Restaurants an die Grenze gebracht. Als Antwort hat der Arbeitsmarkt deutlich auf die Anstellung von Arbeitskräften aus dem Ausland zurückgegriffen.»

Eine ergänzende Studie der Cátedra projiziert die Lage bis 2050: weltweit werden bis dahin nach Modellrechnungen 360 Millionen Menschen pro Jahr ihren Wohnort wechseln. Die Kanaren werden in dieser Projektion als bevorzugtes Ziel internationaler Migration eingestuft, «weil sie von Arbeitsmärkten gefordert werden, die knapp, bedürftig und gealtert sind».

Warum wird die Wohnungsfrage zum Flaschenhals?

Eine zentrale Beobachtung der Cátedra-Studie: der Arbeitsmarkt steht zunehmend in Konflikt mit dem Wohnungsmarkt. Der Consejo Económico y Social (CES) der Kanaren hat den Zugang zur Wohnung als einen der Hauptkonditionierer der Wirtschaft identifiziert. Die Vivienda Vacacional — Ferienwohnungen — und der Mangel an residentiellem Mietangebot in Tourismusgebieten haben die Preise so weit gedrückt, dass Servicekräfte sich keine Wohnung in der Nähe ihrer Arbeitsplätze mehr leisten können.

Die Folge: Hoteliers im Süden Teneriffas und Gran Canarias melden Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung — «nicht weil Arbeitskräfte auf der Insel fehlen, sondern weil Arbeitskräfte keine machbare Unterkunft finden», so die Cátedra. Die heutige Wohnungspolitik der kanarischen Regierung — 10.000 Wohnungen pro Jahr als Ziel, der Plan Estatal de Vivienda 2026–2030 (CITA) — adressiert genau diesen Flaschenhals.

Der Cátedra-Befund verbindet damit zwei aktuelle Politik-Fronten: die Wohnungspolitik und die Migrationspolitik. Beide hängen voneinander ab, beide werden in der nächsten Legislaturperiode entscheiden, ob die heutige Beschäftigungsdynamik trägt.