Wie viel Geld weist Madrid den Kanaren zu?
Madrid weist den Kanaren 371 Millionen Euro über fünf Jahre zu — 272 Millionen mehr als im vorherigen Plan 2022–2025. Der gesamte Plan Estatal de Vivienda 2026–2030 hat ein Volumen von 7 Milliarden Euro und richtet sich an alle 17 Autonomen Gemeinschaften plus die zwei nordafrikanischen Exklaven Ceuta und Melilla.
Die Verteilung folgt einem Kofinanzierungsmodell: 60 Prozent zahlt der Zentralstaat, 40 Prozent die Autonome Gemeinschaft. Pablo Rodríguez, Consejero de Vivienda im Gobierno de Canarias, hat die Verteilkriterien öffentlich kritisiert (AtlánticoHoy). Sein Argument: die zugrundegelegten Bevölkerungs- und Sozialdaten seien veraltet. Auf der Grundlage aktueller Indikatoren stünden den Inseln 500 Millionen zu, nicht 371. Die Differenz beträgt 129 Millionen Euro.
Die Kritik ist schriftlich an das spanische Ministerium gegangen. Eine Aktualisierung der Verteilkriterien ist bislang nicht erfolgt. Mit den 371 Millionen kann der Gobierno de Canarias jährlich rund 25 Millionen aus diesem Topf einsetzen — ein Bruchteil der knapp 200 Millionen Euro, die der Bereich Wohnen im laufenden Haushalt 2026 insgesamt vorsieht.
Was hat Pablo Rodríguez angekündigt?
Pablo Rodríguez, Consejero de Vivienda im Gobierno de Canarias, hat das Ziel von 10.000 Wohnungen pro Jahr ausgegeben. In 2024 wurden auf den Kanaren etwas mehr als 4.000 Wohnungen produziert, gegenüber durchschnittlich 1.100 in den zehn Jahren davor. Auf dem Höhepunkt des letzten Baubooms 2008 waren es 35.000 Wohnungen. Der Branchenverband beziffert die heutige Nachfrage auf 13.000 Wohnungen pro Jahr.
Der erste Hebel: die Reserva de Inversiones de Canarias (RIC) (Gobierno de Canarias) — ein Steuermechanismus, der inseleigenen Unternehmen erlaubt, reinvestiert Gewinne steuerlich freizustellen. Die geschätzten 2 Milliarden Euro RIC-Volumen sollen für den Mietwohnungsbau geöffnet werden.
Der zweite Hebel: eine neue Gesetzesreform beschleunigt die Erteilung von Baulizenzen, die in einigen Gemeinden bislang bis zu drei Jahre dauern. Parallel baut der Gobierno de Canarias 2.171 öffentliche Sozialwohnungen, davon 157 fertig, mehr als 1.000 in Bau, mehr als 1.000 in Planung.
Pablo Rodríguez sagte im September gegenüber Canarias7: „Das geht nicht von 0 auf 100."
Was hat der PP angekündigt?
Manuel Domínguez, Präsident des PP Canarias und Vizepräsident des Gobierno de Canarias, hat 4.734 Wohnungen in zwei Jahren angekündigt. Sie sollen in den 34 Gemeinden entstehen, in denen der PP regiert oder mitregiert. Vorgestellt wurde der Plan am 24. April 2026 in San Bartolomé de Tirajana, unter dem Namen II Plan Municipios Activos.
Das Modell: die Rathäuser identifizieren verfügbare Grundstücke, widmen sie um falls nötig, vergeben sie an private Bauträger im Konzessionsmodell und beschleunigen die Lizenzen. Die Wohnungen kommen über das Modell der vivienda asequible incentivada auf den Markt — bezahlbare Wohnungen mit gesetzlich festgelegten Einkommensgrenzen, eingeführt mit der Reform 2024.
Zielgruppe: die Mittelschicht. Manuel Domínguez nannte als Beispiel ein junges Paar mit zwei Bruttogehältern von 1.700 Euro pro Monat — bisher fielen solche Haushalte aus den Sozialwohnungs-Programmen heraus. Domínguez sagte zur Vorstellung: „Die Gemeinden stellen den Boden, die privaten Unternehmen bauen."
Warum hat der PP im Senat gegen ein Inseln-Programm gestimmt?
Drei Wochen vor seiner eigenen Initiative hat derselbe PP eine bundesweite Wohnungsbau-Initiative für die Inseln blockiert. Anfang April hat der spanische Senat (Idealista) eine Initiative der Agrupación Socialista Gomera abgelehnt, die für Kanaren und Balearen einen Sonderwohnungsbauplan mit 44.000 bzw. 30.000 öffentlichen Wohnungen forderte.
Der PP, der im Senat die absolute Mehrheit hat, stimmte dagegen. Die Begründung des PP: die Initiative biete keine wirksamen Lösungen und greife in autonome Kompetenzen ein. Die richtige Lösung liege in „Bauanreizen, administrativer Vereinfachung und Mobilisierung von verfügbarem Boden" — genau das, was Manuel Domínguez nun in den eigenen Rathäusern umsetzen will.
Pablo Rodríguez (Coalición Canaria) und Manuel Domínguez (PP) sitzen am gleichen Regierungstisch in der kanarischen Koalition. Im spanischen Senat in Madrid waren es PP-Senatoren, die das bundesweite Inseln-Programm verhindert haben. Die kanarische Regierung hat in Madrid keinen Einfluss auf die Senats-Mehrheit ihres eigenen Koalitionspartners.
Wo liegt die Lücke zwischen Versprechen und Markt?
Der Gobierno de Canarias räumt ein, dass das spanische Statistikamt INE über 211.000 leerstehende Wohnungen auf den Inseln registriert. Die vivienda asequible incentivada, von der jetzt alle reden, gibt es seit 18 Monaten — die Bilanz seit der Reform 2024 fällt deutlich kleiner aus als die Versprechen. Konkrete Zahlen zu produzierten Einheiten unter diesem Modell hat die Regierung bislang nicht veröffentlicht.
Drei Förderinstrumente laufen aktuell parallel:
Bono Alquiler Joven: 300 Euro monatlich für unter 35-Jährige zur Mietförderung.
Sanierungsförderung: bis zu 30.000 Euro für die Wiederherstellung leerstehender Wohnungen.
Sozialer Wohnungsbau: 2.171 öffentliche Wohnungen in der Pipeline, 157 fertig.
Keiner der drei Akteure mit Zahlen — Pablo Rodríguez, Manuel Domínguez, Madrid — nennt einen Termin, ab dem konkret mehr Wohnungen am Markt sind. Die Anfechtungs- und Umsetzungsfristen liegen mehrheitlich nach 2027.