Es ist ein Paukenschlag für die kreative Szene des Archipels: Das französische Studio STIM, bekannt für seine Arbeit an Blockbustern wie „The Wild Robot“ oder „The Garfield Movie“, wird noch in diesem Sommer seine Pforten auf Teneriffa öffnen. Die Ansiedlung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klaren Strategie der kanarischen Regierung, die Inseln als globalen Knotenpunkt für digitale Kreativwirtschaft zu positionieren.

STIM Teneriffa reiht sich ein in eine stetig wachsende Gemeinschaft von inzwischen mehr als 30 spezialisierten Firmen, die auf den Kanaren rund 2.000 Fachkräfte beschäftigen. Das Besondere an diesem Zuzug: Es geht nicht um einen kleinen Satelliten-Standort, sondern um ein vollwertiges Produktionszentrum, das aktiv an internationalen Kino- und Serienprojekten mitarbeiten wird. Die ersten Stellenausschreibungen für Character Modeler, Environment Artists und Supervisoren laufen bereits.

Von Lyon und Vancouver nach Teneriffa: Wer hinter STIM steckt

Gegründet wurde STIM im Jahr 2019 von Félix Ferrand und Jordan Soler, später stieß Benoît Gielly dazu. Was als kreative Vision begann, ist heute ein global agierendes Studio mit rund 100 Mitarbeitenden an Standorten in Lyon, Angoulême, Lüttich und Vancouver. Der Fokus liegt auf hochwertiger 3D-Animation und visuellen Effekten für Filme, Serien und Werbung.

Die Referenzliste kann sich sehen lassen: Neben dem gefeierten Animationsfilm „The Wild Robot“ war das Team auch an Großproduktionen wie „Coyote vs. Acme“ beteiligt. Diese tiefe Integration in die Lieferketten der großen Hollywood-Studios zeigt, dass STIM kein unbeschriebenes Blatt ist, sondern ein etablierter Player, der nun bewusst auf die Kanaren setzt.

Der Turbo für die Ansiedlung: 4 Prozent Körperschaftssteuer

Der Hauptgrund für den Umzug in den Atlantik ist so einfach wie verlockend: die Sonderzone Kanarische Inseln, kurz ZEC. Unternehmen, die sich unter diesem Regime ansiedeln, zahlen auf ihre Gewinne nur 4 Prozent Körperschaftssteuer. Zum Vergleich: Auf dem spanischen Festland sind es rund 25 Prozent. Kombiniert mit einer ermäßigten Mehrwertsteuer von 7 Prozent und Steuererleichterungen bei Dividenden entsteht ein Paket, das in Europa seinesgleichen sucht.

Für die Filmbranche wird dieses Fundament nochmals aufgestockt. Internationale Produktionen können auf Teneriffa mit einer Steuerrückerstattung von 50 Prozent auf die erste investierte Million Euro rechnen, für den Restbetrag sind es 45 Prozent. Bei bestimmten Schwellenwerten steigt der Satz auf bis zu 54 Prozent. Brancheninsider beschreiben das kanarische Modell daher als eines der großzügigsten der Welt – rund 80 Prozent attraktiver als die Anreize im restlichen Spanien.

Tipp Wer sich für die ZEC interessiert, sollte frühzeitig eine verbindliche Auskunft einholen, denn die Anforderungen an die wirtschaftliche Substanz und die Mindestarbeitsplätze sind klar definiert.

Vom Nichts zum Hotspot: Wie die Inseln zum Animations-Mekka wurden

Noch im Jahr 2015 gab es auf Teneriffa gerade einmal zwei Animationsstudios. Heute, gut ein Jahrzehnt später, spricht die Tenerife Film Commission von einer zweistelligen Zahl an Studios und mehr als 700 Fachkräften allein auf der Insel. Archipelweit sind es mittlerweile über 30 Unternehmen mit rund 2.000 hochqualifizierten Angestellten. Die Prognosen gehen von 3.000 bis 4.000 spezialisierten Jobs in den kommenden Jahren aus.

Dieser Wandel ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer konzertierten Aktion aus Politik, Ausbildung und Standortmarketing. Die Inselregierung hat gemeinsam mit den Film Commissions maßgeschneiderte Trainingspakete aufgelegt, um lokale Talente zu fördern und internationale Spezialisten anzulocken. Universitäre Studien belegen, dass das Zusammenspiel aus wachsendem Unternehmensnetzwerk, institutioneller Unterstützung und internationaler Sichtbarkeit durch Festivals einen echten, sich selbst verstärkenden Cluster-Effekt erzeugt hat.

Mehr als nur Tourismus: Ein neues wirtschaftliches Standbein

Die Kanarischen Inseln leben vom Tourismus – das ist kein Geheimnis. Rund 83 bis 87 Prozent der regionalen Wirtschaftsleistung entfallen auf den Dienstleistungssektor, wobei der Tourismus allein für etwa ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts und der Arbeitsplätze verantwortlich ist. Diese Abhängigkeit birgt Risiken, wie nicht zuletzt die Pandemie schmerzhaft gezeigt hat. Genau hier setzt die Strategie der Diversifizierung an.

Die Audiovisionsbranche hat sich in den letzten Jahren zum am schnellsten wachsenden Sektor entwickelt. Mit einem prognostizierten Anteil von rund 3 Prozent am kanarischen BIP und einem direkten wirtschaftlichen Impakt von über 430 Millionen Euro im Jahr 2025 wird sie zunehmend als strategischer Motor für hochqualifizierte Beschäftigung gesehen. Ministerpräsident Fernando Clavijo betonte mehrfach, dass die Film- und Animationsindustrie ein Schlüsselelement für eine widerstandsfähigere Wirtschaft sei. STIMs Ansiedlung ist ein lebendiger Beweis dafür, dass diese Vision Früchte trägt.

Gut zu wissen Die genannten Job-Prognosen sind realistisch, hängen aber von stabilen politischen Rahmenbedingungen und der globalen Nachfrage nach Inhalten ab – sie sind also keine Garantie.

Häufige Fragen

Was genau ist die ZEC?
Die Sonderzone Kanarische Inseln (ZEC) ist ein von der EU genehmigtes Steuerregime mit einem Körperschaftssteuersatz von nur 4 Prozent, das darauf abzielt, wirtschaftliche Diversifizierung zu fördern.
Welche Jobs entstehen bei STIM Teneriffa?
Gesucht werden hochspezialisierte Fachkräfte wie Character Modeler, Environment Artists, Look-Development Artists und Supervisoren für die 3D-Produktion.
Warum kommen so viele Animationsfirmen auf die Kanaren?
Die Kombination aus extrem niedrigen Unternehmenssteuern, hohen Filmförder-Rabatten von bis zu 54 Prozent und einer hohen Lebensqualität macht die Inseln extrem attraktiv.
Wird der Tourismus dadurch unwichtiger?
Nein, der Tourismus bleibt auf absehbare Zeit der wichtigste Wirtschaftszweig. Die Animationsbranche baut jedoch ein starkes zweites Standbein auf, das die Abhängigkeit reduziert.
Kann ich mich als Quereinsteiger bewerben?
Die ausgeschriebenen Stellen sind sehr spezialisiert und erfordern in der Regel eine fundierte Ausbildung und Berufserfahrung in 3D-Animation oder VFX.

Stand der Informationen: Juli 2026. Dieser Artikel basiert auf öffentlich zugänglichen Daten und offiziellen Ankündigungen. Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung sind mit Unsicherheiten behaftet.