Wer in den letzten Tagen die Promenade vom Resort Cordial Santa Águeda Richtung Playa de Arguineguín spazieren wollte, fand stattdessen Absperrband und einen Polizeibescheid. Die Stadtverwaltung von San Bartolomé de Tirajana hat am 21. April die Versiegelung der hölzernen Solárium-Plattformen angeordnet — am 23. April kamen Beamte der Policía Local und vollzogen sie. Der Grund: Die Plattformen sind nach dem Sturm Therese Ende März einsturzgefährdet, die Mikropfähle untergraben, Lamellen lose, Geländer abgerissen.

Eine Woche zuvor hatte die Stadt den Eigentümer offiziell zur sofortigen Reparatur aufgefordert. Am 24. April kam dessen Antwort. Sie lautete im Kern: Wir können nicht.

Das Pingpong der Zuständigkeit

Die 384 Meter lange und 1.800 Quadratmeter grosse Promenade wurde 2020 gebaut — von der Privatfirma Propiedades Cordiales SL, mit einer Investition von über zwei Millionen Euro. Sie ist Teil des Resort-Komplexes mit 87 Luxus-Ferienwohnungen und dem grössten Familien-Beach-Club der Kanaren. Aber sie liegt nicht auf privatem Boden. Sie liegt auf öffentlichem Küstenboden im sogenannten dominio público marítimo-terrestre — und der gehört der Generaldirektion Costas der kanarischen Regierung.

2022 stellte die Firma einen Antrag auf Konzession des Bodens für 75 Jahre. Eine Antwort von Costas blieb aus. Bis heute. Die Promenade entstand und wurde betrieben in einer rechtlichen Grauzone, die niemanden störte, solange das Wetter mitspielte.

Am 7. April 2026 — gut eine Woche nach dem Sturm — wandte sich Propiedades Cordiales an Costas mit einem technischen Bericht. Der dokumentierte das Untergraben der Mikropfähle und mahnte zur dringenden Sanierung. Der Eigentümer argumentiert, dass nach dem geltenden Küstenrecht die Wartung und Reparatur in solchen Fällen bei der zuständigen Behörde liegen müsse — also bei Costas, nicht bei einem privaten Bauträger ohne Konzessionstitel.

Die Stadt sieht es anders. Im Versiegelungsbescheid vom 21. April steht der Eigentümer als Adressat. Er soll handeln. Er sagt: Ich darf nicht.

Costas schweigt weiter.

Was die Touristen verlieren

Die Promenade verbindet seit fünf Jahren die beiden Fischerorte El Pajar in San Bartolomé de Tirajana und La Playa de Arguineguín in Mogán. Sie ist mehr als ein Hotel-Anhängsel. Wer im Süden Gran Canarias lebt — ob als Resident oder als Langzeitgast — kennt sie als eine der wenigen kontinuierlichen Küstenwege im Westen der Insel. Wer zwischen Patalavaca und Arguineguín wohnt, hat sie als Lauf-, Spazier- und Sonnenuntergangsstrecke benutzt.

Touristen, die in einem der 87 Cordial-Apartments einchecken, hatten den direkten Zugang zum Beach Club über die Plattformen. Der Beach Club selbst bleibt offen, ebenso die Playa Santa Águeda — sieben Gehminuten entfernt. Aber der gehobene Holzweg, der das Erlebnis ausmachte, ist gesperrt. Bis auf Weiteres. Wann das Weitere kommt, kann derzeit niemand sagen.

Die zweite Geschichte, die kaum jemand erzählt

Was in der aktuellen Berichterstattung untergeht: Die Stadt plant für genau dieselbe Promenade seit Februar eine umfassende Modernisierung mit eigenem Geld. Im strategischen Subventionsplan von Turismo de Gran Canaria sind 862.660,58 Euro für die Sanierung vorgesehen. Im Stadthaushalt steht die Sanierung des paseo de Santa Águeda en El Pajar mit 907.375 Euro für 2026, angekündigt durch Bürgermeister Marco Aurelio Pérez im Dezember 2025.

Diese Investition stammt aus einem grösseren Paket von 11,8 Millionen Euro für die Küstenverbesserung 2026 — Cabildo und Stadt zusammen, durchgeführt durch das Consorcio Maspalomas Gran Canaria. Das Geld ist da. Die Ausschreibung läuft. Die Zuständigkeit für genau diesen Streckenabschnitt ist im Februar geklärt worden.

Und doch: zwischen der Versiegelung am 23. April und dem Ausschreibungsbeginn liegt ein zeitliches Vakuum, das keiner überbrückt. Nicht der private Eigentümer, der nicht darf. Nicht Costas, das schweigt. Nicht die Stadt, die ausschreibt, aber nicht die Notreparatur durchführt. Nicht das Consorcio, dessen Zeitplan eine sechsmonatige Bauausführung nach Vertragsunterzeichnung vorsieht — der Vertrag ist noch nicht unterzeichnet.

Ein Muster mit Folgen

Was am Perchel sichtbar wird, ist kein Einzelfall. Es ist ein Muster, das im touristischen Süden immer wieder auftaucht: Eine Privatfirma baut auf öffentlichem Grund mit unklarer Konzessionslage. Solange nichts kaputt geht, fragt niemand nach Papieren. Geht etwas kaputt, beginnt das Pingpong. Die Behörden verweisen aufeinander. Der Eigentümer auf die Behörden. Die Behörden auf den Eigentümer. Das Bauwerk verfällt weiter, weil niemand handeln darf — oder will.

Am Maspalomas-Aussichtspunkt, ebenfalls nach Therese, mussten zehn Bungalows versiegelt werden. Auch dort gehört der Boden Costas, auch dort hängt die Reparatur in der Schwebe. Das Muster wiederholt sich.

Der Süden Gran Canarias lebt vom Tourismus. Promenaden, Strände, Aussichtspunkte sind die Visitenkarte einer Region, die im Wettbewerb mit anderen Mittelmeer- und Atlantik-Destinationen steht. Wenn nach jedem Sturm Wochen oder Monate vergehen, bis eine 384 Meter lange Promenade repariert ist, kostet das nicht nur den Eigentümer Reputation. Es kostet die ganze Region.

Was jetzt nötig wäre

Drei klare Schritte:

Erstens: Costas muss antworten. Auf den Konzessionsantrag von 2022 und auf das technische Schreiben vom 7. April 2026. Schweigen ist keine Verwaltungshandlung.

Zweitens: Die Stadt sollte klarstellen, ob die Versiegelung als reine Sicherheitsmassnahme gemeint ist oder als Druckmittel gegenüber dem Eigentümer. Beides ist legitim, aber es gehört kommuniziert.

Drittens: Das Consorcio Maspalomas sollte prüfen, ob eine Notreparatur des betroffenen Abschnitts vor der ausgeschriebenen Vollsanierung möglich ist. Die 907.375 Euro im Stadtetat sind für die Modernisierung gedacht, nicht für die Schadensbehebung. Hier braucht es eine Übergangslösung.

Sonst bleibt am Ende, was am Perchel jetzt schon sichtbar ist: Absperrband zwischen zwei Fischerorten, ein Polizeisiegel auf einer Holzplattform, und das stille Eingeständnis, dass im Süden Gran Canarias gebaut, aber nicht immer gepflegt wird.

Julia Roca Bethencourt schreibt für CITA News über Politik, Recht und Eigentümergemeinschaften. Mehr über die Autorin

Quellen: Berichterstattung Canarias7 vom 23. und 24. April 2026 zur Versiegelung und zur Stellungnahme von Propiedades Cordiales SL; Pressemitteilung Consorcio Maspalomas Gran Canaria vom Februar 2026 zur Ausschreibung der Sanierung des Paseo de Santa Águeda; Etatankündigung des Bürgermeisters von San Bartolomé de Tirajana, Marco Aurelio Pérez, vom Dezember 2025; Berichterstattung Canarias7 vom 10. April 2026 zur ersten Absperrung. Stand der Recherche: 25. April 2026.