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KANAREN · GESELLSCHAFT

45 Ertrunkene auf den Kanaren bis Ende August 2026

Auf den Kanarischen Inseln sind zwischen Januar und August 2026 nach Angaben der Präventionsvereinigung "Canarias, 1.500 km de Costa" 45 Menschen ertrunken. Die Zahl ist ein kumulierter Wert für acht Monate, nicht das Ergebnis eines einzelnen Vorfalls. Europa Press und der öffentliche Sender RTVC verbreiteten die Bilanz am 1. September 2026; in den Tagen danach wurde sie von weiteren Medien aufgegriffen.

6. September 2026 · Von Lucía Medina Reyes · 5 Min.
Rettungsschwimmer-Turm an einem leeren Strand (Symbolbild)

Foto: Rjcastillo, CC BY-SA 4.0 (Symbolbild).

Unter den Todesfällen sind laut der Auswertung sechs Minderjährige. 18 der Verstorbenen hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit aus zehn Ländern, darunter drei Deutsche und zwei Briten. Die Vereinigung stützt sich nach eigenen Angaben zu rund 90 Prozent auf offizielle Notfallquellen. Amtliche Statistiken anderer Stellen kommen für die Kanaren auf abweichende Werte – dazu unten mehr.

Was die Bilanz aussagt

Die Vereinigung zählt für Januar bis August 2026 insgesamt 45 Todesfälle durch Ertrinken auf dem Archipel. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es demnach 39, also sechs weniger. Das entspricht einem Anstieg von rund 15 Prozent gegenüber 2025.

Neben den Todesfällen erfasst die Auswertung insgesamt 156 Betroffene bei Unfällen im Wasser: 45 Verstorbene, 13 Personen in kritischem Zustand, 26 Schwerverletzte, 22 mit mittelschweren und 23 mit leichten Folgen sowie 27 unverletzt Gerettete. Auf den Monat August allein entfallen laut der Bilanz 27 Betroffene, darunter sechs Todesfälle.

Wo die Fälle auftraten

Nach der Aufschlüsselung der Vereinigung entfallen 62 Prozent der tödlichen Fälle auf Strände, 22 Prozent auf Häfen und andere Küstenabschnitte sowie jeweils acht Prozent auf Schwimmbecken und natürliche Meerwasserbecken. Die Kategorien beziehen sich auf den Ort des Vorfalls, nicht auf dessen Ursache.

Nach Inseln verteilt nennt die Auswertung Teneriffa mit 18 Fällen, Fuerteventura mit zehn und Gran Canaria mit acht. Für die übrigen Inseln liegen in den veröffentlichten Zusammenfassungen keine Einzelwerte vor. Ein weiterer Befund der Vereinigung: 47 Prozent der Verstorbenen befanden sich in Risikosituationen an der Küste, während eine Vorwarnstufe oder Warnstufe wegen Küstenphänomenen in Kraft war.

Wer zählt – und wie

Wichtig für die Einordnung ist die Herkunft der Daten. "Canarias, 1.500 km de Costa" ist eine zivilgesellschaftliche Präventionsvereinigung, deren Vorsitzender Chano Quintana ist. Sie gibt an, ihre Statistik zu etwa 90 Prozent aus offiziellen Notfallquellen zu speisen: dem Notruf 112 Canarias, Guardia Civil, Policía Nacional, Salvamento Marítimo, Ortspolizeien, Feuerwehren und dem Zivilschutz. Es handelt sich also um eine Zusammenstellung, nicht um ein amtliches Register.

Parallel dazu führt die Real Federación Española de Salvamento y Socorrismo (RFESS) eine nationale Zählung. In deren Bilanz zum 31. Juli 2026 lagen Andalusien mit 39 und Galicien mit 32 Fällen vor den Kanaren mit 30. Die Werte sind wegen unterschiedlicher Stichtage und Methoden nicht direkt mit den 45 Fällen bis Ende August vergleichbar. Für ganz Spanien nannte die RFESS 308 Todesfälle bis Ende Juli und rund 333 in einem Ende August verbreiteten Zwischenstand.

Bewachung, Flaggen und Warnstufen

Die Flaggen an den Stränden folgen dem in ganz Spanien üblichen Code: Grün bedeutet Baden erlaubt, Gelb Baden mit erhöhter Vorsicht, Rot Badeverbot. Eine schwarze Flagge steht für einen gesperrten Strand. Über die jeweils gültige Flagge entscheidet der Rettungsdienst des einzelnen Strandes nach den aktuellen Bedingungen; sie geht orientierenden Vorhersagen vor.

Zur Bewachung nennt Vereinigungspräsident Quintana in einem Interview mit La Provincia mehr als 750 Badestellen auf den Inseln, von denen nur rund 135 entsprechend ausgestattet seien; er beziffert den zusätzlichen Bedarf auf mehr als 1.000 Rettungsschwimmer. Er weist zudem darauf hin, dass viele Rettungsschwimmerverträge am 15. September auslaufen. Anfang September galt zeitweise eine Vorwarnstufe wegen Küstenphänomenen für La Gomera, Teneriffa und Gran Canaria, begleitet von einer gelben AEMET-Warnung und Dünung von ein bis zwei Metern.

Was Behörden und Fachleute raten

Der Notdienst 1-1-2 Canarias veröffentlicht bei Küstenwarnungen einen festen Katalog von Empfehlungen: Abstand zur Uferlinie halten, sich nicht auf Wellenbrecher, Molen oder Buhnen begeben, dort keine Fotos oder Videos aufnehmen und auf Angeln, Wassersport und Küstenaktivitäten in den betroffenen Bereichen verzichten. Auch wenn sich das Meer kurzzeitig zu beruhigen scheint, soll der Abstand gewahrt bleiben.

Fällt jemand ins Wasser, lautet der Rat: Hilfe rufen, 1-1-2 wählen, sich von der Brandungszone fernhalten und, sofern gefahrlos möglich, einen schwimmfähigen Gegenstand zuwerfen, statt selbst hinterherzuspringen. Auf der Präventionsseite hat "Canarias, 1.500 km de Costa" Anfang September die Anmeldung für ihre Aufklärungsvorträge im Schuljahr 2026/27 geöffnet; Schulen, Vereine, Sportclubs und soziale Einrichtungen können sie anfordern.

Vor dem Baden: An bewachten Stränden schwimmen und die Flagge beachten – grün: Baden erlaubt, gelb: erhöhte Vorsicht, rot: Badeverbot, schwarz: Strand gesperrt. Die Entscheidung des Rettungsdienstes vor Ort geht jeder App und jeder Vorhersage vor.
An den Nordküsten und bei Dünung ("mar de fondo") kann das Meer auch bei scheinbar ruhiger Oberfläche in Wellenschüben zuschlagen. Empfehlung von 1-1-2 Canarias: Abstand zu Wellenbrechern, Molen und felsigen Ein- und Ausstiegen halten, bei Vorwarn- oder Warnstufe nicht baden.
Nie allein schwimmen, Kinder im Wasser durchgehend und in Griffnähe beaufsichtigen, im Notfall 1-1-2 rufen und nicht ungesichert hinterherspringen.
Zahlen mit Vorbehalt: Die 45 Todesfälle stammen aus der Auswertung einer Präventionsvereinigung, nicht aus einem amtlichen Register; sie umfassen Januar bis August 2026 und sind vorläufig. Zwischenstände schwankten (21. August: 44). Die nationale Zählung der RFESS führte für die Kanaren zum 31. Juli 30 Fälle, weil Stichtag und Methode abweichen. Das Jahr ist zudem nicht abgeschlossen. Vergleiche zwischen den Zählungen sind daher nur eingeschränkt möglich.

Wichtige Zahlen

  • Bestätigt (Quelle benannt): 45 Todesfälle durch Ertrinken auf den Kanaren von Januar bis August 2026, laut "Canarias, 1.500 km de Costa" (verbreitet über Europa Press und RTVC am 1. September 2026)
  • Bestätigt: sechs verstorbene Minderjährige in diesem Zeitraum; nach Angaben der Vereinigung der höchste Wert seit mindestens elf Jahren
  • Bestätigt: 156 Betroffene insgesamt – 45 Todesfälle, 13 kritisch, 26 schwer, 22 mittelschwer, 23 leicht, 27 unverletzt gerettet
  • Bestätigt: 18 Verstorbene mit ausländischer Staatsangehörigkeit aus zehn Ländern, darunter drei Deutsche und zwei Briten; bei 24 Fällen ist keine Staatsangehörigkeit erfasst
  • Vorläufig: Orte laut Aufschlüsselung – 62 Prozent Strände, 22 Prozent Häfen und übrige Küste, je acht Prozent Schwimmbecken und natürliche Meerwasserbecken; Inseln: Teneriffa 18, Fuerteventura 10, Gran Canaria 8
  • Abweichende Zählung: RFESS zum 31. Juli 2026 – Kanaren 30 Fälle hinter Andalusien (39) und Galicien (32); spanienweit 308 bis Ende Juli

FAQ

Worauf bezieht sich die Zahl 45?
Auf Todesfälle durch Ertrinken auf den Kanarischen Inseln von Januar bis August 2026, kumuliert über acht Monate. Es geht nicht um ein einzelnes Ereignis.
Wer hat die Zahl erhoben?
Die Präventionsvereinigung "Canarias, 1.500 km de Costa". Sie speist ihre Statistik nach eigenen Angaben zu rund 90 Prozent aus offiziellen Notfallquellen wie 112 Canarias, Guardia Civil, Salvamento Marítimo und Zivilschutz.
Warum nennt die RFESS eine andere Zahl?
Die nationale Zählung der RFESS hat einen anderen Stichtag (31. Juli 2026) und eine eigene Methode; für die Kanaren führte sie 30 Fälle. Beide Werte lassen sich nicht direkt gegenüberstellen.
Was bedeuten die Strandflaggen?
Grün: Baden erlaubt. Gelb: Baden mit erhöhter Vorsicht. Rot: Badeverbot. Schwarz: Strand gesperrt. Über die Flagge entscheidet der Rettungsdienst des jeweiligen Strandes.
Was raten die Behörden bei Küstenwarnungen?
1-1-2 Canarias empfiehlt, Abstand zur Uferlinie zu halten, Wellenbrecher und Molen zu meiden, dort nicht zu fotografieren, auf Angeln und Wassersport zu verzichten und im Notfall 1-1-2 zu rufen, statt ungesichert ins Wasser zu springen.