SÜD-GRAN-CANARIA · TOURISMUS

Kanaren zahlen für den Moratoriums-Frieden: 36 Parzellen im Süden werden frei

Die kanarische Regierung von Fernando Clavijo hat den jahrelangen Rechtsstreit um die sogenannte moratoria turística durch einen außergerichtlichen Vergleich mit Hotelketten beendet. Nach Berichten der Zeitung Canarias7 (18.–22. August 2026) und der Zeitung La Provincia (18. und 22. August 2026) zahlt die Regierung dabei an die Unternehmen hinter 36 umstrittenen Grundstücken – im Gegenzug werden diese Parzellen von der Rückstufung zu suelo rústico befreit.

25. August 2026 · Von Martin Kosinski · 6 Min.
Hotelbau an der Küste (Symbolbild)

Foto: John Baker, CC BY-SA 2.0 (Symbolbild).

Der Tribunal Superior de Justicia de Canarias (TSJC) hat dem Vergleich sein "visto bueno", also seine Zustimmung, gegeben. Die Regierung stellt die Einigung als Ersparnis dar; Kritiker sprechen von einem "fraude", einem Betrug. Dieser Beitrag gibt beide Seiten wieder.

Worum es bei der Einigung geht

Laut Canarias7 und La Provincia beendet die Regierung Clavijo mit dem Vergleich das Verfahren um die 36 strittigen Akten (expedientes). Statt vor Gericht weiterzustreiten, zahlt die Regierung die betroffenen Hotelketten aus – und die Grundstücke entgehen dadurch der geplanten Umwandlung in Landschaftsschutzflächen (suelo rústico).

Onán Cruz, Generaldirektor für Raumordnung und territorialen Zusammenhalt (Ordenación del Territorio y Cohesión Territorial) in der Consejería de Política Territorial, erläuterte die Einigung und die Zahlen. Entscheidend für die rechtliche Absicherung ist die Zustimmung des TSJC, der dem Vergleich sein Plazet gab.

Rund 485 oder 500 Millionen Euro?

Zur Summe kursieren zwei Zahlen. Die technisch ausgehandelte Größe beziffert Onán Cruz laut Canarias7 vom 19. August auf einen Betrag, der "ronda los 485 millones" – also rund 485 Millionen Euro. Die gerundete, politisch verwendete Zahl lautet dagegen "cerca de 500 millones" bzw. "la friolera de 500 millones" (Canarias7, 21. August; La Provincia).

Laut den Berichten sanken die Forderungen im Lauf der Verhandlungen: Zunächst verlangten die Ketten fast 1 Milliarde Euro, dann 650 Millionen, schließlich rund 485 Millionen. Die Regierung wertet dies als Ersparnis: Sie zahle etwa die Hälfte des ursprünglich geforderten Betrags, was für die öffentlichen Kassen rund 500 Millionen Euro spare (La Provincia, 18. August).

36 Parzellen auf drei Inseln

Die 36 Akten verteilen sich nach den vorliegenden Berichten auf drei Inseln: 30 liegen auf Gran Canaria, in den Gemeinden San Bartolomé de Tirajana und Mogán; 5 auf Fuerteventura, in der Gemeinde Pájara; und 1 auf Lanzarote, in der Gemeinde Yaiza.

Mit dem Vergleich entgehen diese Flächen der Rückstufung zu suelo rústico. Sie kehren stattdessen in das kommunale Planungsrecht (planeamiento urbanístico) zurück – womit nicht die Regierung, sondern die jeweilige Gemeinde über die künftige Nutzung entscheidet.

Was das für den Bau im Süden bedeutet

Nach Darstellung der Berichte genehmigt die Einigung selbst noch keinen einzigen Hotelbau. Die betroffenen Parzellen kehren in das kommunale planeamiento urbanístico zurück; über ihre Zukunft entscheidet jede Gemeinde gemeinsam mit den Eigentümern. Neue Bauten sind damit nicht automatisch.

Allerdings öffnet der Vergleich den Weg für rund 30 neue touristische Projekte im Süden von Gran Canaria – in Gebieten, in denen neue Bettenkapazität rund 25 Jahre lang faktisch eingefroren war. Genau darin sehen die einen einen Aufbruch und die anderen ein Risiko.

Kritik und Verteidigung der Regierung

Die Plattform "Canarias tiene un límite" / "¡Basta Ya!" bezeichnet die Einigung als "fraude", als Betrug (Canarias7, 21. August). Ein Meinungsbeitrag in La Provincia (22. August) fasste den Streit unter der Formel "transparencia frente a bofetada" – Transparenz gegen Ohrfeige. Und Román Rodríguez (Nueva Canarias) kritisiert die Regierung: Die Ursprünge der Moratorien hätten überhaupt erst zu diesen Entschädigungen geführt, und der Regierung um Clavijo wirft er vor, den "desarrollismo turístico", die touristische Bebauung, herunterzuspielen.

Die Regierung hält dem ihre Ersparnis-Lesart entgegen: Sie zahle nur etwa die Hälfte des ursprünglich Geforderten, sichere sich mit der Zustimmung des TSJC ab und gebe die Bauentscheidung an die Gemeinden zurück. Ein Neubau, so das Argument, sei damit gerade nicht garantiert.

Praktischer Hinweis: Der Vergleich genehmigt selbst keinen Bau – die endgültige Nutzung entscheidet das kommunale planeamiento urbanístico gemeinsam mit den Eigentümern.
Wer betroffen ist oder in der Nähe wohnt, sollte die Planung der jeweiligen Gemeinde (San Bartolomé de Tirajana, Mogán, Pájara, Yaiza) im Blick behalten.
Vorsicht bei den Zahlen: Die Beträge sind ungefähr und werden je nach Quelle unterschiedlich angegeben – rund 485 Millionen (Onán Cruz) bzw. "cerca de 500 millones" politisch.
Ein Neubau folgt nicht automatisch aus dem Vergleich; die Entscheidung liegt bei den Gemeinden. Regierung und Kritiker deuten den Fall unterschiedlich.

Zahlen und Fakten

  • Außergerichtlicher Vergleich der Regierung Clavijo mit Hotelketten beendet den Streit um die moratoria turística (Canarias7, 18.–22. August 2026; La Provincia, 18. und 22. August 2026).
  • Kosten: Onán Cruz (Ordenación del Territorio) nennt rund 485 Millionen Euro (Canarias7, 19. August); politisch ist von "cerca de 500 millones" die Rede (Canarias7, 21. August; La Provincia).
  • Die Forderungen sanken von fast 1.000 auf 650 und schließlich rund 485 Millionen Euro.
  • 36 Parzellen entgehen der Rückstufung zu suelo rústico: 30 auf Gran Canaria (San Bartolomé de Tirajana, Mogán), 5 auf Fuerteventura (Pájara), 1 auf Lanzarote (Yaiza).
  • Der TSJC gab dem Vergleich sein "visto bueno" (Zustimmung).
  • Kritik: Die Plattform "Canarias tiene un límite" / "¡Basta Ya!" spricht von "fraude" (Canarias7, 21. August).

FAQ

Was hat die Regierung Clavijo beschlossen?
Sie hat den Streit um die moratoria turística durch einen außergerichtlichen Vergleich mit Hotelketten beendet; die 36 Parzellen entgehen der Rückstufung zu suelo rústico, so Canarias7 und La Provincia.
Wie viel kostet die Einigung?
Onán Cruz nennt rund 485 Millionen Euro (Canarias7, 19. August); politisch ist von "cerca de 500 millones" die Rede. Die Regierung deutet dies als Ersparnis, weil ursprünglich fast 1 Milliarde gefordert waren.
Wo liegen die 36 Parzellen?
30 auf Gran Canaria (San Bartolomé de Tirajana, Mogán), 5 auf Fuerteventura (Pájara) und 1 auf Lanzarote (Yaiza).
Darf jetzt gebaut werden?
Nicht automatisch. Die Flächen kehren in das kommunale planeamiento urbanístico zurück; jede Gemeinde entscheidet gemeinsam mit den Eigentümern über die Nutzung. Der Weg für rund 30 Projekte im Süden von Gran Canaria ist aber wieder offen.
Was sagen die Kritiker?
Die Plattform "Canarias tiene un límite" / "¡Basta Ya!" spricht von "fraude"; Román Rodríguez (NC) wirft der Regierung vor, den "desarrollismo turístico" herunterzuspielen. Die Regierung verweist auf ihre Ersparnis und das "visto bueno" des TSJC.