KANAREN · GESUNDHEIT

Kanaren: 85 hitzebedingte Todesfälle in diesem Sommer geschätzt

Der Hitzesommer 2026 hat auf den Kanaren nach amtlichen Schätzungen viele Todesopfer gefordert. Dem Überwachungssystem MoMo (Sistema de Monitorización de la Mortalidad diaria) des Instituto de Salud Carlos III zufolge sind dem Hitzeüberschuss in diesem Sommer (Juli und August 2026) bislang 85 Todesfälle auf den Inseln zuzuschreiben. Darüber berichtete Canarias7 am 18. August 2026.

19. August 2026 · Von Lucía Medina Reyes · 5 Min.
Sommerhitze über den Kanaren

Foto: Hannes Grobe, CC BY-SA 4.0 (Symbolbild).

Es handelt sich um eine sensible Bilanz, die mit Sorgfalt einzuordnen ist. Die 85 Fälle verteilen sich laut den Daten auf die beiden Provinzen: 44 in Las Palmas und 41 in Santa Cruz de Tenerife. Besonders betroffen sind ältere Menschen. Fachleute betonen, dass sich viele dieser Todesfälle durch einfache Vorsorge vermeiden lassen.

Was das System MoMo meldet

Laut Canarias7 weist das System MoMo des Instituto de Salud Carlos III für die Kanaren in diesem Sommer 85 der Hitze zuzurechnende Todesfälle aus. Erfasst ist der Zeitraum von Anfang Juli bis zum 16. August 2026.

Nach Provinzen aufgeschlüsselt entfallen 44 Fälle auf Las Palmas und 41 auf Santa Cruz de Tenerife. Damit sind beide Provinzen des Archipels in ähnlichem Ausmaß betroffen. Die Zahlen stammen aus dem MoMo-System und wurden von Canarias7 wiedergegeben.

Eine Schätzung, keine bestätigten Einzelfälle

Wichtig für das Verständnis: Bei den 85 Fällen handelt es sich um eine statistische Schätzung der hitzebedingten Übersterblichkeit, nicht um individuell bestätigte Todesursachen. Das MoMo-System (Sistema de Monitorización de la Mortalidad diaria) vergleicht die tatsächlich beobachteten Sterbezahlen mit den für die Jahreszeit erwarteten Werten und schreibt die Differenz der Hitze zu.

Ein einzelner Todesfall trägt in einem Totenschein daher in der Regel nicht den Vermerk „Hitze". Die Methode misst vielmehr, wie stark die Sterblichkeit während der heißen Tage insgesamt über dem Normalniveau lag. Das erklärt, warum die Angaben als „zuzuschreibende" oder attributable Sterblichkeit bezeichnet werden.

Der Verlauf des Sommers

Der weitaus größte Teil der Fälle entfällt laut den Daten auf den August: 75 der 85 Todesfälle wurden bis zum 16. August erfasst. Im Juli waren es 10, überwiegend zwischen dem 8. und 19. Juli. Der Tag mit den meisten Fällen war der 9. August mit geschätzt neun Todesfällen.

Im Vorjahresvergleich fällt der Anstieg deutlich aus. Für den gleichen Zeitraum vom 1. Juli bis 16. August 2025 wies das MoMo-System 51 Fälle aus – der Sommer 2026 liegt damit rund 67 Prozent darüber. Zur Einordnung: Im August 2025 wurden 22 hitzebedingte Todesfälle gezählt, im August 2024 waren es 23.

Wer am stärksten betroffen ist

Die Altersverteilung zeigt, dass ältere Menschen am verletzlichsten sind. Von den 85 Fällen entfielen laut den Daten 44 auf über 85-Jährige, 19 auf die Gruppe der 75- bis 84-Jährigen und 10 auf die 65- bis 74-Jährigen. Fünf Fälle betrafen 45- bis 64-Jährige und zwei die Altersgruppe von 15 bis 44 Jahren. Nach Geschlecht waren 51 Frauen und 34 Männer betroffen.

Zu den Opfern zählt den Angaben zufolge auch ein Säugling, der am 4. August auf Fuerteventura starb. Der Fall unterstreicht, dass neben Hochbetagten auch die Jüngsten zu den gefährdeten Gruppen gehören. Ältere und allein lebende Menschen sind besonders zu schützen, weil ihr Körper Hitze schlechter reguliert und Warnzeichen oft spät bemerkt werden.

Wie man sich und andere schützen kann

Vieles lässt sich mit einfachen Mitteln abfedern. Fachleute des öffentlichen Gesundheitswesens raten, über den Tag verteilt regelmäßig zu trinken, auch ohne Durstgefühl, und die Mittagssonne der heißesten Stunden (etwa 12 bis 17 Uhr) zu meiden. Körperliche Anstrengung im Freien sollte in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegt werden.

In der Wohnung helfen abgedunkelte, gut gelüftete Räume, leichte und helle Kleidung sowie kühle Duschen. Besonders wichtig ist die Nachbarschaftshilfe: Wer ältere Angehörige, allein lebende oder pflegebedürftige Menschen kennt, sollte in Hitzephasen regelmäßig nach ihnen sehen und darauf achten, dass sie genug trinken und einen kühlen Raum aufsuchen.

Hitzeschutz im Alltag: Über den Tag verteilt regelmäßig Wasser trinken, auch ohne Durst.
Die pralle Mittagssonne meiden und sich im Schatten oder in kühlen, abgedunkelten Räumen aufhalten.
Leichte, helle Kleidung tragen und Anstrengung in die kühleren Tagesrandzeiten legen.
Ältere, allein lebende oder kranke Nachbarn und Angehörige in Hitzephasen regelmäßig kontaktieren.
Bitte einordnen: Die 85 Fälle sind eine statistische Schätzung der hitzebedingten Übersterblichkeit des MoMo-Systems, keine einzeln bestätigten Todesursachen.
Warnzeichen ernst nehmen: Bei Anzeichen eines Hitzschlags – hohe Körpertemperatur, Verwirrtheit, Schwindel, Übelkeit, ausbleibendes Schwitzen – die betroffene Person kühlen und im Notfall den Notruf 112 wählen.

Zahlen und Fakten

  • 85 der Hitze zuzuschreibende Todesfälle auf den Kanaren im Sommer 2026 (System MoMo, Instituto de Salud Carlos III, via Canarias7)
  • Nach Provinzen: 44 in Las Palmas, 41 in Santa Cruz de Tenerife
  • August: 75 Fälle bis zum 16. August; Juli: 10 Fälle; meiste Fälle am 9. August (geschätzt 9)
  • Rund 67% mehr als im gleichen Zeitraum 2025 (51 Fälle); August 2025: 22, August 2024: 23
  • Nach Alter: über 85: 44, 75–84: 19, 65–74: 10, 45–64: 5, 15–44: 2; nach Geschlecht: 51 Frauen, 34 Männer
  • Statistische Schätzung der Übersterblichkeit, keine individuell bestätigten Todesursachen

FAQ

Wie viele hitzebedingte Todesfälle wurden gemeldet?
Laut Canarias7 weist das System MoMo des Instituto de Salud Carlos III für die Kanaren in diesem Sommer (Juli und August 2026) 85 der Hitze zuzuschreibende Todesfälle aus, 44 in Las Palmas und 41 in Santa Cruz de Tenerife.
Sind das bestätigte Todesursachen?
Nein. Es handelt sich um eine statistische Schätzung der hitzebedingten Übersterblichkeit des MoMo-Systems, nicht um individuell bestätigte Todesursachen.
Wie ist der Vergleich zum Vorjahr?
Für den Zeitraum 1. Juli bis 16. August 2025 wurden 51 Fälle gezählt. Der Sommer 2026 liegt mit 85 Fällen rund 67 Prozent darüber.
Wer ist am stärksten gefährdet?
Vor allem ältere Menschen: 44 der Fälle betrafen über 85-Jährige. Nach den Daten starb am 4. August zudem ein Säugling auf Fuerteventura.
Wie kann ich mich schützen?
Regelmäßig trinken, die Mittagssonne meiden, kühle und abgedunkelte Räume nutzen, leichte Kleidung tragen und in Hitzephasen nach älteren oder allein lebenden Menschen sehen.