Der Sommer auf den Kanaren ist lang, warm und voller kleiner Inseln der Ruhe – perfekt, um endlich wieder in ein gutes Buch einzutauchen. Während die einen am Strand von Corralejo liegen und die anderen im Schatten einer alten Dorfkirche auf La Gomera dösen, stellt sich jedes Jahr aufs Neue die Frage: Was lese ich eigentlich?

Die Kulturredaktion von Canarias Ahora hat kürzlich eine Liste mit zwölf Büchern kanarischer Autoren veröffentlicht, die man in diesem Sommer unbedingt gelesen haben sollte. Wir haben die Empfehlungen für euch geprüft und stellen hier die neun Titel vor, deren Autoren und Inhalte sich eindeutig verifizieren lassen. Von frechen Debüts über poetische Inselerkundungen bis hin zu Erzählbänden voller kanarischer Magie – hier ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Familiengeschichten mit Biss: Lana Corujo und Óscar Liam

Den Auftakt macht „Han cantado bingo“ von Lana Corujo. Dieser zeitgenössische Roman gräbt sich mit schwarzem Humor und einer gehörigen Portion Tempo durch Familiengeheimnisse und Erinnerungen. Corujo schreibt so agil, dass man das Buch gut an einem einzigen Strandtag verschlingen kann. Wer Familiengeschichten mag, die zwischen Lachen und Melancholie pendeln, wird hier fündig.

Ebenfalls um Erinnerung, aber mit einem ganz anderen Ton, dreht sich „Las Galletas“ von Óscar Liam. Der Roman verwebt Vergangenheit und Gegenwart zu einem melancholisch-leuchtenden Inselporträt. Liams Sprache hat etwas Sanftes, fast Meditatives – ideal für laue Abende auf der Terrasse, wenn das Licht langsam weicher wird und die Gedanken wandern dürfen.

Mut zur Absurdität: Marcos Dosantos und Meryem El Mehdati

Wer es gerne etwas schräger mag, sollte zu „El príncipe lagarto“ von Marcos Dosantos greifen. Der Roman gilt als eine der irreverentesten und originellsten Neuerscheinungen des Jahres. Dosantos mischt zeitgenössische Fiktion mit schier grenzenloser Fantasie – ein Buch für alle, die sich überraschen lassen wollen und keine Lust auf vorhersehbare Handlungsbögen haben.

Für frischen Wind sorgt auch „Supersaurio“ von Meryem El Mehdati. Das Debüt erzählt klug und mit leichter Hand von einer 25-jährigen Frau auf Gran Canaria, die ihren ersten Job in einem großen Supermarktunternehmen des Archipels antritt. El Mehdati fängt den Alltag, die Träume und die kleinen Absurditäten des Erwachsenwerdens so präzise ein, dass man das Buch nur ungern aus der Hand legt.

Tipp Viele unabhängige Buchhandlungen in Las Palmas und Santa Cruz bestellen vergriffene kanarische Titel innerhalb weniger Tage – einfach an der Theke fragen.

Inseln in Versen und Erzählungen: Poesie und Kurzgeschichten

Für Lyrikliebhaber ist „A mar abierto“ eine echte Entdeckung. Die Anthologie versammelt drei Jahrzehnte Poesie aus den Jahren 1973 bis 2003. Liebe, Verlust, Erinnerung und die allgegenwärtige Inselkulisse verweben sich zu intimen, emotional kraftvollen Versen. Der Autor wird in der Quelle nicht eindeutig genannt, das Werk selbst aber ausführlich und mit großer Wertschätzung beschrieben – ein kleiner Schatz für stille Lesestunden.

Deutlich konkreter wird es bei „Niñas sucias“ von Elena Correa. Der Band vereint zwölf Erzählungen, die auf den Kanaren spielen und sich mit Gewalt, Ängsten und Begierden im Leben von Frauen und Mädchen auseinandersetzen. Correa webt ein feines fantastisches Element in ihre Geschichten ein und lässt die kanarische Kultur als ständigen Hintergrund mitschwingen. Nichts für zarte Gemüter, aber literarisch eindrucksvoll.

Phänomene und Entdeckungen: Andrea Abreu und Eduardo Santana

Man kann über aktuelle kanarische Literatur nicht sprechen, ohne „Panza de burro“ von Andrea Abreu zu erwähnen. Der Roman wurde zum veritablen Verlagsphänomen, noch bevor der gegenwärtige Boom kanarischer Literatur so richtig Fahrt aufnahm. Abreu erzählt mit einer kraftvollen, stark mündlich geprägten Inselstimme von Jugend, Freundschaft und dem Leben in einem Dorf auf Teneriffa. Wer die kanarische Seele verstehen will, kommt an diesem Buch kaum vorbei.

Eine ganz andere Herangehensweise wählt „Aislados“ von Eduardo Santana. Sein Debüt versammelt dreißig Erzählungen, die zwischen Realität und Fiktion oszillieren. Santana erzählt die Kanaren durch die Augen derer, die sie bewohnten, veränderten oder von ihr geprägt wurden. Dabei begegnen dem Leser so unterschiedliche Figuren wie Agatha Christie, The Beatles oder Celia Cruz – Insularität wird hier zum kreativen Begegnungsraum.

Gut zu wissen Die meisten Titel erscheinen in kleinen bis mittleren spanischen Verlagen und sind nicht immer sofort auf deutschsprachigen Plattformen gelistet – etwas Geduld bei der Suche lohnt sich.

Häufige Fragen

Gibt es diese Bücher auch auf Deutsch?
Die meisten Titel liegen bislang nur in spanischer Originalausgabe vor. Einige, wie „Panza de burro“ von Andrea Abreu, wurden in mehrere Sprachen übersetzt – am besten in der Buchhandlung nachfragen.
Wo kann ich die Bücher auf den Kanaren kaufen?
In nahezu jeder größeren Buchhandlung auf Gran Canaria, Teneriffa, Lanzarote und Fuerteventura. Auch kleinere Läden in Orten wie La Laguna oder Puerto de la Cruz führen oft eine gute Auswahl kanarischer Autoren.
Sind die Bücher auch als E-Book erhältlich?
Einige Titel gibt es als E-Book, insbesondere die bei größeren Verlagen erschienenen Werke. Ein Blick in den jeweiligen Online-Shop der Buchhandlung oder auf Plattformen wie Casa del Libro hilft weiter.
Welches Buch eignet sich für Leser mit mittleren Spanischkenntnissen?
„Supersaurio“ von Meryem El Mehdati ist sprachlich zugänglich und spielt im vertrauten Alltag – gut geeignet, um das eigene Spanisch zu trainieren.
Gibt es eine vollständige Liste aller zwölf Titel?
Die komplette Auswahl mit allen zwölf Empfehlungen findet sich im Originalartikel von Canarias Ahora auf eldiario.es. Wir haben hier die neun eindeutig verifizierbaren Werke vorgestellt.

Stand Juli 2026. Die vorgestellten Titel basieren auf der Empfehlungsliste von Canarias Ahora / eldiario.es. Nicht alle zwölf Werke konnten zweifelsfrei verifiziert werden; wir haben uns auf die gesicherten Angaben beschränkt. Preise und Verfügbarkeit können variieren.