KANAREN · TOURISMUS

Kanarische Inseln: mehr Umsatz, weniger Übernachtungen

Die Kanarischen Inseln beenden den Sommer 2026 mit soliden Zahlen — aber der Aufschwung sieht anders aus als in den Jahren nach der Pandemie. Nach den Daten des Statistikinstituts ISTAC kamen im Juli rund 1,3 Millionen Reisende in Hotels und Apartments unter, ein Plus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der Übernachtungen ging dagegen leicht zurück: um 0,3 Prozent auf etwa 8,9 Millionen.

31. August 2026 · Von Martin Kosinski · 5 Min.
Hotelanlage mit Liegen (Symbolbild)

Foto: Joe Mabel, CC BY-SA 3.0 (Symbolbild).

Gleichzeitig stieg der Umsatz deutlich. Die interessante Spannung dieses Sommers liegt genau hier: Die Inseln verdienen mehr Geld mit ungefähr gleich vielen oder sogar etwas weniger verkauften Nächten. Der Sender Cadena SER (SER Las Palmas) fasste das am 30. August so zusammen, dass der Archipel einen soliden Tourismussommer halte, der „Champagner-Effekt“ nach Covid-19 aber allmählich auslaufe.

Was die Juli-Zahlen des ISTAC zeigen

Die Beherbergungsstatistik des ISTAC erfasst Hotels und den außerhotellerischen Bereich, also vor allem Apartmentanlagen. Für Juli 2026 weist sie rund 1,3 Millionen untergebrachte Reisende aus (+0,7 Prozent) und etwa 8,9 Millionen Übernachtungen (−0,3 Prozent).

Die Auslastung nach Zimmern und Apartments lag den Angaben zufolge bei 78,6 Prozent für den gesamten Archipel. Lanzarote war laut ISTAC die Insel mit der höchsten Belegung. Auf Zielgebietsebene lagen einzelne Zonen deutlich höher: Für Lanzarote werden je nach Kennzahl rund 81 bis 83 Prozent berichtet, für den Süden Gran Canarias rund 83 bis 86 Prozent. Eine archipelweite Auslastung von „80 bis 85 Prozent“ geben die vorliegenden Quellen jedoch nicht her — der offizielle Mittelwert liegt darunter.

Ertrag statt Volumen: die Geldseite

Die Umsatzzahlen fallen deutlich freundlicher aus als die Mengenzahlen. Hotels und Apartments auf den Kanaren fakturierten im Juli laut ISTAC 507 Millionen Euro, ein Zuwachs von 5,8 Prozent gegenüber 2025. Der durchschnittliche Preis je belegtem Zimmer lag bei 131,9 Euro, der Erlös je verfügbarem Zimmer bei 103,7 Euro.

Auch die Ausgaben der Gäste ziehen an. Für das zweite Quartal 2026 nennen mehrere Medien unter Berufung auf die Tourismus-Ausgabenerhebung des ISTAC 4,851 Milliarden Euro Gesamtausgaben, ein Plus von 10,2 Prozent, sowie einen durchschnittlichen Tagesausgabenwert von 181 Euro pro Person nach 157,9 Euro ein Jahr zuvor. Andere Veröffentlichungen führen für dasselbe Quartal abweichende Werte an, weshalb die Zahlen mit Vorsicht zu lesen sind.

Wo die fehlenden Nächte herkommen

Ein Detail erklärt viel: Verschiedene Statistiken messen unterschiedliche Grundgesamtheiten. Das nationale Institut INE erfasst nur Hotels und meldet für die Kanaren im Juli rund 1,06 Millionen Reisende und 6,78 Millionen Hotelübernachtungen; nach Berichten von EFE und eldiario.es legten die reinen Hotelübernachtungen dabei zu.

Das ISTAC dagegen zählt Hotels und Apartments zusammen — und kommt insgesamt auf ein leichtes Minus. Der Rückgang dürfte damit weniger die Hotellerie betreffen als das außerhotellerische Segment. Passend dazu berichten kanarische Medien über einen deutlichen Rückgang der registrierten Ferienwohnungen im Jahresvergleich. Ein zwingender Beweis ist das nicht, aber die Richtung ist plausibel.

Flugverkehr: Spanien zieht, Ausland stagniert

Die Luftverkehrszahlen zeichnen dasselbe Bild eines gebremsten Wachstums. Die kanarischen Flughäfen zählten im Juli 4.698.056 Passagiere, ein Plus von 1,3 Prozent. Der Inlandsverkehr wuchs mit 2.224.719 Passagieren um 4,3 Prozent, der internationale Verkehr lag mit 2.461.080 Passagieren bei −0,1 Prozent und damit praktisch unverändert.

Zwischen den Inseln gehen die Zahlen auseinander. Gran Canaria war mit 1.349.122 Passagieren der stärkste Flughafen und legte um 4,9 Prozent zu, während Teneriffa Süd um 5,0 Prozent und Fuerteventura um 1,2 Prozent nachgaben. Der Sommer verläuft also nicht überall gleich.

Rekordbeschäftigung — und steigende Kosten

Beim Personal steht ein Höchstwert: Nach ISTAC-Daten, die die Tageszeitung La Provincia zitiert, waren im Juli 236.330 Beschäftigungsverhältnisse auf den Kanaren dem Tourismus zuzurechnen — der höchste je für einen Juli gemessene Wert. Landesweit erreichte die tourismusnahe Beschäftigung in Spanien laut Regierungsangaben rund 3,1 Millionen Menschen.

Doch mehr Umsatz bedeutet nicht automatisch mehr Gewinn. Fernando Estany, Vizepräsident des Unternehmerverbands FEHT in Las Palmas, wird von Cadena SER und dem Portal Demócrata mit den Worten zitiert, man halte zwar die Einnahmen, doch die Kosten seien stark gestiegen; die Rentabilität dürfte in diesem Jahr „deutlich niedriger“ ausfallen. Genannt werden Energie, Löhne, Lebensmittel und Betriebsbedarf.

Für Reisende: Wenn Übernachtungen leicht zurückgehen, die Preise aber steigen, verschiebt sich der Vorteil in die Nebensaison.
Wer flexibel ist, findet zwischen Ende Oktober und Anfang Dezember auf den Kanaren häufig spürbar niedrigere Zimmerpreise als im Hochsommer — bei sehr ähnlichem Wetter.
Für Betriebe: Der Durchschnittspreis je belegtem Zimmer (131,9 Euro im Juli) sagt mehr über den Geschäftsverlauf aus als die reine Gästezahl.
Vorsicht bei Vergleichen. ISTAC und INE messen nicht dasselbe: Das INE erfasst nur Hotels, das ISTAC zusätzlich Apartments. Wer beide Reihen mischt, erhält scheinbare Widersprüche.
Für die Ausgaben im zweiten Quartal kursieren zudem unterschiedliche Werte (4,851 Milliarden Euro und 181 Euro pro Tag gegenüber abweichenden Angaben anderer Medien).
Und ein einzelner Monat ist noch kein Trend — ob der „Champagner-Effekt“ tatsächlich endet, lässt sich erst über mehrere Quartale beurteilen.

Die wichtigsten Zahlen

  • Juli 2026: rund 1,3 Mio. Reisende in Hotels und Apartments, +0,7 % (ISTAC).
  • Übernachtungen: etwa 8,9 Mio., −0,3 % gegenüber Vorjahr (ISTAC).
  • Auslastung nach Zimmern und Apartments: 78,6 %; höchste Belegung auf Lanzarote (ISTAC).
  • Umsatz Hotels und Apartments: 507 Mio. Euro, +5,8 %; Preis je belegtem Zimmer 131,9 Euro (ISTAC).
  • Zweites Quartal: Tourismusausgaben 4,851 Milliarden. Euro, +10,2 %; Tagesausgabe 181 Euro pro Person nach 157,9 Euro (ISTAC, laut Medienberichten).
  • Flughäfen im Juli: 4.698.056 Passagiere, +1,3 %; Inland +4,3 %, international −0,1 %.

FAQ

Waren im Juli 2026 mehr oder weniger Gäste auf den Kanaren?
Mehr Gäste, aber weniger Nächte. Das ISTAC zählte rund 1,3 Millionen Reisende (+0,7 Prozent) bei etwa 8,9 Millionen Übernachtungen (−0,3 Prozent). Die Aufenthalte fielen also im Schnitt etwas kürzer aus.
Wie kann der Umsatz steigen, wenn die Übernachtungen sinken?
Weil pro verkaufter Nacht mehr eingenommen wird. Der Durchschnittspreis je belegtem Zimmer lag laut ISTAC bei 131,9 Euro, der Umsatz stieg um 5,8 Prozent auf 507 Millionen Euro. Fachleute sprechen von Ertrag statt Volumen.
Ist das für die Inseln eine gute Nachricht?
Das lässt sich nicht eindeutig beantworten. Höhere Erlöse je Gast entlasten überfüllte Ziele und stützen die Steuereinnahmen. Zugleich warnt der Verband FEHT laut Cadena SER, dass gestiegene Kosten die Gewinnmargen aufzehren könnten. Auch Beschäftigte und Zulieferer profitieren nicht automatisch von höheren Zimmerpreisen.
Was ist mit dem „Champagner-Effekt“ gemeint?
Gemeint ist der außergewöhnliche Nachholschub nach der Pandemie, der die Kanaren jahrelang mit zweistelligen Zuwächsen versorgte. Cadena SER und Demócrata berichten übereinstimmend, dass dieser Sondereffekt ausläuft und das Wachstum sich normalisiert.
Warum weichen die Zahlen verschiedener Quellen voneinander ab?
Weil unterschiedliche Grundgesamtheiten gemessen werden. Das nationale INE erfasst ausschließlich Hotels, das kanarische ISTAC zusätzlich Apartments und andere außerhotellerische Angebote. Deshalb kann dieselbe Periode je nach Quelle ein Plus oder ein Minus zeigen.