Operación Hermit: 700 Pflanzen und eine Verwandlungsfabrik

Die Ermittlungen begannen im November 2025, koordiniert von der Antidrogenstaatsanwaltschaft Santa Cruz de Tenerife. Am 9. April 2026 schlug die Guardia Civil zu. Beamte der UDAIFF (Unidad de Análisis e Información Fiscal y Fronteras) und des Zolldienstes Vigilancia Aduanera stürmten eine Finca im Süden der Insel, die als Anbau-, Verarbeitungs- und Vertriebszentrale fungierte.

Die Bilanz der Razzia: 696 Marihuana-Pflanzen, ein Kilo getrocknete Blüten, 606 Gramm Pflanzenmaterial, 1,4 Kilogramm Haschisch, 211 fertig gedrehte Joints, 9 Gramm Rosin, 7 Flaschen Cannabis-Sirup sowie 1.500 Euro Bargeld. Ein Mann wurde als mutmaßlicher Täter festgenommen — er war den Behörden bereits wegen früherer Drogendelikte bekannt.

Was ist Cannabis-Rosin?

  • Herstellung: Ein Konzentrat, das durch Hitze und Druck aus Cannabis-Blüten oder Haschisch gepresst wird — ohne chemische Lösungsmittel
  • THC-Gehalt: Kann das Dreifache von normalem Marihuana erreichen und weit über 60% THC enthalten
  • Konsumform: Wird verdampft, geraucht oder in Lebensmittel gemischt
  • Gefahr: Die lösungsmittelfreie Herstellung vermittelt einen falschen Eindruck von „Reinheit" — das eigentliche Risiko liegt in der extremen Potenz

Warum Rosin Gesundheitsexperten alarmiert

Cannabis-Rosin ist kein neues Phänomen — aber sein Auftauchen in einer lokalen Produktionsanlage auf Teneriffa signalisiert laut Ermittlern eine Professionalisierung des Drogenhandels auf den Kanaren. Die Finca war nicht nur Anbaufläche, sondern ein regelrechtes Verarbeitungslabor, in dem Rohmaterial zu hochpreisigen Konzentratprodukten transformiert wurde.

Mediziner warnen vor den Risiken dieser Substanzen. Die extrem hohe THC-Konzentration kann bei Konsumenten akute psychotische Episoden auslösen — besonders bei Personen, die genetisch anfällig für Erkrankungen wie Schizophrenie sind. Zu den berichteten Wirkungen gehören starke Euphorie, massive kognitive Beeinträchtigung, räumliche Desorientierung sowie Angst- und Panikzustände. Bei regelmäßigem Konsum steigt das Risiko einer Abhängigkeit erheblich.

Cannabis-Sirup: Die zweite Gefahr aus der Finca

Neben Rosin fanden die Ermittler auch sieben Flaschen Cannabis-Sirup — eine Substanz, die bislang kaum auf den Kanaren aufgetaucht war. Dabei handelt es sich um eine flüssige Zubereitung, in der Cannabis-Extrakte mit Zucker oder Glukosesirup gemischt werden. Die Konsistenz ähnelt einem gewöhnlichen Getränkesirup, was den Konsum besonders tückisch macht: Dosierung ist praktisch unmöglich, das Risiko einer versehentlichen Überdosierung extrem hoch.

Im Gegensatz zu Keksen oder Brownies, bei denen die Dosierung einigermaßen kontrollierbar ist, ermöglicht ein flüssiges Format keine präzise Messung. Die Folge können extreme Sedierung, Tachykardie, Panikattacken und tiefe Bewusstseinsveränderungen sein.

Teneriffa: Nicht nur Durchgangsstation, sondern Produktionsstandort

Die Operación Hermit zeigt nach Einschätzung der Guardia Civil eine Entwicklung, die über den klassischen Cannabis-Anbau hinausgeht. Teneriffa werde zunehmend nicht nur als Transitpunkt, sondern als Verarbeitungsstandort für Cannabis-Premiumprodukte genutzt. Die Zielgruppe seien vor allem junge Konsumenten, die stärkere und schnellere Wirkungen suchen.

Das sichergestellte Material — von der spezialisierten Presse für die Rosin-Herstellung bis zum fertig abgepackten Sirup — deutet auf einen professionellen Betrieb hin, der auf Gewinnmaximierung ausgelegt war. Die Blüten wurden vor Ort zu Produkten mit höherem Straßenwert transformiert, anstatt einfach als Rohmaterial verkauft zu werden.

Die beschlagnahmten elektronischen Geräte werden derzeit von Spezialisten für Cyberkriminalität ausgewertet. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Vertrieb über digitale Kanäle organisiert wurde.

Kein Einzelfall: Das Rosin-Labor von Arona 2024

Die Operación Hermit ist nicht der erste Fall dieser Art auf Teneriffa. Bereits 2024 hatte die Policía Nacional in Arona — ebenfalls im Süden der Insel — das erste Rosin-Labor Spaniens ausgehoben. Fünf Personen wurden damals festgenommen, darunter der Hauptverdächtige, der beim Kochen der Droge überrascht wurde, sowie Betreiber mehrerer Cannabisclubs auf der Insel. Das Arona-Labor nutzte die Bubble-Hash-Methode zur Extraktion. Der erneute Fund in der Operación Hermit zeigt, dass Teneriffa sich trotz des Schlags von 2024 als Produktionsstandort für hochpotente Cannabis-Konzentrate etabliert hat.

Sicherstellungen der Operación Hermit

  • 696 Marihuana-Pflanzen
  • 1 kg getrocknete Blüten + 606 g Pflanzenmaterial
  • 1,4 kg Haschisch
  • 9 g Cannabis-Rosin
  • 7 Flaschen Cannabis-Sirup
  • 211 vorgedrehte Joints
  • 1.500 € Bargeld
  • Elektronische Geräte (in Auswertung)