Es ist ein Paukenschlag für den Norden Fuerteventuras: In den beiden Küstenorten Corralejo und El Cotillo werden in den kommenden Jahren Hunderte Wohnungen grundlegend saniert. Das Programm mit dem sperrigen Namen „Entornos Residenciales de Rehabilitación Programada“ (ERRP) zielt vor allem auf eines ab: die Energieeffizienz der Gebäude deutlich zu verbessern. Doch es geht um mehr als nur neue Fenster und bessere Dämmung. Das Wohnumfeld selbst – die kleinen Gassen, die Plätze, die Zugänge – soll aufgewertet werden. Insgesamt profitieren mehr als 500 Familien direkt von dieser Maßnahme, die das Cabildo de Fuerteventura, die Gemeinde La Oliva, die Kanarische Regierung und das spanische Wohnungsbauministerium gemeinsam stemmen.
Das Geld dafür kommt aus Brüssel: Der Topf „NextGenerationEU“ macht es möglich, dass im Rahmen des spanischen Wiederaufbauplans Millionensummen in die Verbesserung von Wohnraum fließen. Für Corralejo und El Cotillo ist das eine historische Chance. Gerade die Altstadt von Corralejo, der sogenannte „Casco Viejo“, und der ursprüngliche Ortskern des Fischerdorfs El Cotillo haben in den letzten Jahrzehnten zwar vom Tourismusboom profitiert, aber baulich oft nicht Schritt halten können. Jetzt wird investiert – und das in einer Größenordnung, die man auf der Insel selten sieht.
Was genau wird gemacht? Energieeffizienz und mehr
Die offiziellen Verlautbarungen sprechen eine klare Sprache: Im Mittelpunkt steht die „Verbesserung der Energieeffizienz“. Das bedeutet in der Praxis, dass die Gebäudehüllen ertüchtigt werden. Denkbar sind hier neue Fassadendämmungen, der Austausch alter Fenster und Türen sowie die Modernisierung von Dächern, um den Wärmeschutz zu verbessern. Auch die haustechnischen Anlagen könnten auf den neuesten Stand gebracht werden. Ziel ist es, den Energieverbrauch der Wohnungen spürbar zu senken – ein Gewinn für den Geldbeutel der Bewohner und fürs Klima.
Doch das ERRP-Programm greift weiter. Es geht explizit um die „Rehabilitierung von Wohnumfeldern“. Das ist mehr als nur eine Schönheitskur. In El Cotillo spricht die Gemeinde offen von einer „Umgestaltung des Ortskerns“. Das lässt auf eine Aufwertung des öffentlichen Raums schließen: bessere Beleuchtung, barrierefreie Wege, vielleicht neue Pflasterungen oder mehr Grün. Die genaue Aufteilung, wie viel Geld in die privaten vier Wände und wie viel in die angrenzenden Straßen und Plätze fließt, ist zwar nicht im Detail veröffentlicht. Klar ist aber: Am Ende sollen nicht nur die Wohnungen besser dastehen, sondern das ganze Viertel.
Die Aufteilung: 369 Wohnungen in Corralejo, 138 in El Cotillo
Die 507 Wohnungen verteilen sich auf zwei Schwerpunktgebiete. Der Löwenanteil entfällt auf Corralejo. Hier wird der historische Altstadtkern, der Casco Viejo, in mehreren Phasen angepackt. In einer ersten und zweiten Phase sind 262 Wohnungen vorgesehen, in einer dritten Phase kommen weitere 107 hinzu. Macht summa summarum 369 Wohneinheiten in Corralejos altem Herzen, das sich rund um die belebten Gassen nahe der Uferpromenade erstreckt. Ein Gebiet, das bei Einheimischen und Touristen gleichermaßen beliebt ist, aber an vielen Ecken sichtbar in die Jahre gekommen ist.
In El Cotillo, dem verträumten Fischerdorf an der Westküste, sind es 138 Wohnungen, die vom ERRP profitieren. Hier liegt der Fokus klar auf dem ursprünglichen Dorfkern. Die Gemeinde La Oliva betont, dass es um eine umfassende Neugestaltung dieses Nukleus geht. El Cotillo hat sich in den letzten Jahren zu einem Hotspot für Individualtouristen und digitale Nomaden entwickelt, ohne seinen Charme ganz zu verlieren. Diese Gratwanderung zwischen Authentizität und Moderne soll mit dem Sanierungsprogramm unterstützt werden. Die maritimen Wurzeln des Ortes sollen erhalten bleiben, während die Bausubstanz fit für die Zukunft gemacht wird.
Wer zahlt? Ein Finanzierungsmix mit einem großen Versprechen
Das Gesamtbudget für die Sanierung der 507 Wohnungen in Corralejo und El Cotillo beziffert das Cabildo auf „fast 14 Millionen Euro“. Das ist eine gewaltige Summe, die sich aus verschiedenen Töpfen speist. Den Rahmen bilden die europäischen NextGenerationEU-Mittel, die über den spanischen Plan für Wiederaufbau, Transformation und Resilienz (PRTR) kanalisiert werden. Konkret beteiligen sich das spanische Wohnungsbauministerium, die Kanarische Regierung, das Cabildo de Fuerteventura und die Gemeinde La Oliva an den Kosten.
Für El Cotillo gibt es eine detaillierte Aufstellung, die zeigt, wie der Mix funktioniert. Das Budget für die 138 Wohnungen liegt bei über 4,1 Millionen Euro. Die Gemeinde La Oliva steuert mehr als 1,2 Millionen bei, das Cabildo denselben Betrag. Vom spanischen Staat kommen rund 1,8 Millionen Euro. Und jetzt kommt das große Versprechen, das dieses Programm so besonders macht: Für die Eigentümer in El Cotillo entstehen keinerlei Kosten. „Coste 0 para los propietarios“, heißt es offiziell. Eine solch umfassende Sanierung ohne Eigenbeteiligung ist eine seltene und wertvolle Gelegenheit, den eigenen Wohnraum aufzuwerten. Für die Corralejo-Phasen ist eine solche explizite Null-Kosten-Garantie nicht einzeln ausgewiesen, aber das Fördermodell ist dasselbe.
Wann geht es los? Der Zeitplan für die Bauarbeiten
Bei einem so großen Vorhaben ist Geduld gefragt, aber die Räder drehen sich bereits. Für El Cotillo ist der Finanzierungsrahmen mehrjährig für den Zeitraum 2024 bis 2026 bewilligt. Das bedeutet, dass die Arbeiten in diesem Fenster schwerpunktmäßig ausgeführt werden sollen. Die Bewilligung der Gelder durch das Cabildo ist der Startschuss, dem nun die konkrete Umsetzung folgt. Man kann also davon ausgehen, dass sich im Ortskern von El Cotillo bald die ersten Bautrupps zeigen werden.
Für Corralejo ist die Sprache der Behörden etwas allgemeiner, aber nicht weniger positiv. Das Cabildo teilt mit, dass die Sanierung „voranschreitet“ („avanza la rehabilitación“). Das deutet darauf hin, dass die ersten Phasen bereits angelaufen sind oder kurz vor dem Beginn stehen. Genaue Daten, wann welche Phase abgeschlossen sein wird, sind nicht publiziert. Angesichts der schieren Zahl von 369 Wohnungen, verteilt auf drei Phasen, ist aber mit einer mehrjährigen Bauzeit zu rechnen. Das gesamte Programm ist ein Marathon, kein Sprint. Für Anwohner und Besucher bedeutet das: Es wird phasenweise zu Baustellenverkehr und Einschränkungen kommen, aber das Ergebnis wird die Unannehmlichkeiten wert sein.
Häufige Fragen
- Muss ich als Eigentümer in El Cotillo wirklich nichts zahlen?
- Ja, für die 138 Wohnungen im ERRP El Cotillo ist offiziell ein „coste 0 para los propietarios“ bestätigt. Die Kosten tragen EU, Staat, Cabildo und Gemeinde.
- Werden nur die Wohnungen saniert oder auch die Straßen?
- Das Programm umfasst beides: die energetische Sanierung der Gebäude und die Aufwertung des Wohnumfelds, also auch öffentliche Räume und Wege.
- Wann sind alle 507 Wohnungen fertig saniert?
- Ein genaues Enddatum ist nicht veröffentlicht. Für El Cotillo gilt der Finanzierungszeitraum 2024–2026, in Corralejo laufen die Arbeiten bereits. Es wird mit mehreren Jahren Bauzeit gerechnet.
- Kann ich mich als Eigentümer noch für das Programm bewerben?
- Das ERRP ist ein flächendeckendes Programm für festgelegte Gebiete. Ob Ihr Haus dazu gehört, erfahren Sie bei der Gemeindeverwaltung von La Oliva.
- Was bringt die Sanierung den Bewohnern konkret?
- Vor allem niedrigere Energiekosten, ein besseres Raumklima und eine deutliche Aufwertung der Immobilie. Zudem wird das gesamte Viertel attraktiver und lebenswerter.
Weiterlesen
- 108 Millionen Euro vom Staat für Kanaren-Firmen: Tourismus und eine Tabakfabrik vornKanaren · 13. August
- SCS steckt fast neun Millionen Euro in die Gesundheitszentren der KanarenKanaren · 11. August
- HiperDino investiert 9 Millionen Euro in seine Express-Läden auf den KanarenKanaren · 29. Juli
- Fuerteventura: Astola-Konzert am 21.11. kostet 18 EuroFuerteventura · 28. Oktober
- Fuerteventura: Vier Festnahmen nach Überfall in CaletaFuerteventura · 28. Oktober
- Guide Corralejo: Essen, Ausgehen, Tipps und Events
- Alle Events auf Fuerteventura →
Stand der Informationen: Juli 2026. Dieser Artikel basiert auf offiziellen Mitteilungen des Cabildo de Fuerteventura, der Gemeinde La Oliva und der Kanarischen Regierung. Einzelne Details zur Bauausführung sind nicht amtlich bestätigt.
