Es gibt Filme, die jeder Kritiker liebt — und die trotzdem aus den Kinos verschwinden, fast ohne dass jemand sie bemerkt. «Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums» ist so ein Fall. Eine zarte, langsam erzählte Liebesgeschichte zwischen zwei mexikanisch-amerikanischen Teenagern im Texas der 1980er-Jahre. Für eine Leserschaft, die mit Maspalomas eine der offensten und vielfältigsten Ecken Europas vor der Haustür hat, ist er der perfekte Tipp für einen ruhigen Abend zwischen Strand und Yumbo.

Warum Maspalomas?

Der Süden Gran Canarias ist nicht irgendein Urlaubsort. Maspalomas zählt neben Madrid, Barcelona, Sitges und Torremolinos zu den grossen queeren Destinationen Spaniens — und international zu den bekanntesten überhaupt. Das Herz schlägt im Centro Comercial Yumbo, das seit rund vier Jahrzehnten das Zentrum der Szene bildet. Während Nordeuropa fröstelt, lockt der Inselsüden mit Wärme und einer lebendigen Szene, die das ganze Jahr über internationale Gäste aus Deutschland, Grossbritannien, den Niederlanden und Skandinavien anzieht.

Gerade vor diesem Hintergrund lohnt der Blick auf einen Film, der genau die Themen verhandelt, die diesen Ort prägen: Identität, Akzeptanz, die Freiheit, man selbst zu sein.

Der Film

Worum es geht

Die Geschichte spielt 1987 in El Paso, einer Stadt an der texanisch-mexikanischen Grenze. Sie folgt Ari, einem verschlossenen, wütenden Fünfzehnjährigen, und Dante, einem offenen, künstlerischen Jungen, den er an einem Sommertag im Schwimmbad kennenlernt. Die beiden tragen ungewöhnliche Namen — nach einem berühmten Philosophen und einem berühmten Dichter — und bauen über ein zärtliches Jahr eine Freundschaft auf, die langsam, zögernd, zu etwas Grösserem wird.

Die Vorlage ist ein gefeierter Roman des US-Autors Benjamin Alire Sáenz, erschienen 2012. Sáenz ist kein Jugendbuch-Hobbyist, sondern eine ernstzunehmende literarische Stimme: Er gewann als erster Latino-Autor den renommierten PEN/Faulkner-Award. Sein Roman wurde später vom «Time»-Magazin zu einem der hundert besten Jugendbücher aller Zeiten gewählt; die Fortsetzung von 2021 stürmte direkt an die Spitze der «New York Times»-Bestsellerliste.

Eine Verfilmung aus Liebe

Die Verfilmung war ein Herzensprojekt. Regie und Drehbuch stammen von Aitch Alberto, für die es das Spielfilmdebüt war — sie hatte Sáenz Jahre zuvor unaufgefordert angeschrieben und sein Vertrauen gewonnen. Hinter ihr standen zwei der bekanntesten Namen der Latino-Unterhaltung: Lin-Manuel Miranda, Schöpfer des Musicals «Hamilton», und der mexikanische Komödienstar Eugenio Derbez, beide als Produzenten; Derbez spielt zudem Aris Vater. Die aus «Desperate Housewives» weltbekannte Eva Longoria übernahm eine Nebenrolle als Dantes Mutter. Die beiden Hauptdarsteller, Max Pelayo und Reese Gonzales, waren Newcomer.

Als die Kritiken erschienen, waren sie auffallend warm. Auf Rotten Tomatoes, der Plattform, die professionelle Kritiken bündelt, hielt der Film in der ersten Phase eine perfekte Wertung; bis heute liegt der Publikums-Score bei rund 95 Prozent, dazu kam eine Nominierung für einen GLAAD Media Award. Fachblätter lobten die Bildsprache, die 1980er-Atmosphäre und den Mut der jungen Darsteller; das US-Magazin «Variety» nannte ihn einen der rundesten Teenagerfilme überhaupt. Nicht jede Stimme war ein Jubel — der «Hollywood Reporter» fand, der Film erkläre sich zu sehr, statt zu zeigen —, aber der Grundton war Zuneigung.

Der Film auf einen Blick Titel: Aristoteles und Dante entdecken die Geheimnisse des Universums
Regie & Drehbuch: Aitch Alberto (Spielfilmdebüt), nach dem Roman von Benjamin Alire Sáenz (2012)
Produktion: u. a. Lin-Manuel Miranda und Eugenio Derbez
Hauptdarsteller: Max Pelayo, Reese Gonzales; dazu Eva Longoria, Eugenio Derbez
Premiere: Toronto, 9. September 2022 · US-Kinostart: 8. September 2023
Wertung: nahezu einhelliges Kritikerlob (anfangs 100 % auf Rotten Tomatoes), GLAAD-Nominierung
Einspielergebnis: nur rund 408.000 US-Dollar weltweit

Warum ihn fast niemand im Kino sah

Und hier wird der Film zur lehrreichen Geschichte. Trotz aller Kritikerliebe spielte er weltweit nur rund 408.000 Dollar ein — eine winzige Summe, die ein grosser Studiofilm an einem Nachmittag macht. Er feierte 2022 in Toronto Premiere, kam aber erst im September 2023 in die US-Kinos. Dazwischen lag der grosse Hollywood-Streik der Autoren und Schauspieler (WGA und SAG-AFTRA), der die Bewerbung vieler Filme lahmlegte — auch dieser. Ein kleiner Verleih, wenig Marketing, kaum Leinwände: Das Ergebnis war ein Film, den die wenigen, die ihn sahen, ins Herz schlossen.

Sein eigentliches Leben begann danach — im Streaming und bei Gemeinschaftsvorführungen. Pride-Zentren und Kulturgruppen programmierten ihn für ihre Aktionsmonate, und zu Hause fand er ein Publikum, das weit grösser ist als sein Kinostart je war.

Wo zu sehen Der Film ist über diverse Streaming- und Video-on-Demand-Dienste verfügbar; das Angebot variiert je nach Land und Anbieter. Wer ihn im englischen Original schaut, hört die Darsteller in Originalstimme — für viele der Reiz dieses leisen Films.

Warum sich der Tipp lohnt

Für eine Leserschaft am Inselsüden ist die Lehre grösser als ein einzelner Film. Es ist ein klares Beispiel dafür, wie eine Geschichte zugleich von der Kritik geliebt und kommerziell unsichtbar sein kann — und wie das Streaming zum Ort geworden ist, an dem kleine, spezifische Filme wie dieser endlich ihr Publikum finden. Wer am Inselsüden einen Abend mit einer leisen, klugen Liebesgeschichte verbringen möchte, liegt hier richtig. Manchmal sind es genau die Filme, die durchs Raster fielen, die am längsten nachklingen.

Häufige Fragen

Worum geht es in «Aristoteles und Dante»?
Um eine Coming-of-Age-Liebesgeschichte zweier mexikanisch-amerikanischer Teenager, Ari und Dante, die sich 1987 an einem Schwimmbad in El Paso (Texas) begegnen. Über einen Sommer und das folgende Jahr vertieft sich ihre Freundschaft zur ersten Liebe.
Wer hat den Film gemacht?
Regie und Drehbuch stammen von Aitch Alberto, produziert wurde er u. a. von Lin-Manuel Miranda und Eugenio Derbez. Die Newcomer Max Pelayo und Reese Gonzales spielen die Hauptrollen, Eva Longoria und Derbez Nebenrollen.
Warum spielte ein so gut besprochener Film so wenig ein?
Er kam über einen kleinen Verleih mit wenig Marketing und wenigen Leinwänden in die Kinos und fiel zudem in den Hollywood-Streik 2023. Sein Publikum fand er später über Streaming und Gemeinschaftsvorführungen.
In welcher Sprache ist der Film?
Im Original Englisch (mit spanischen Passagen). Synchron- und Untertitel-Verfügbarkeit variiert je nach Streaming-Anbieter und Land.

Stand 14.06.2026. Angaben zum Film u. a. nach Wikipedia, Rotten Tomatoes und IMDb. Das eingebettete Video wird über YouTube bereitgestellt und von dort gestreamt; die Rechte liegen beim jeweiligen YouTube-Kanal. Streaming-Verfügbarkeit kann sich je nach Land und Anbieter ändern. Dies ist eine redaktionelle Empfehlung; cita.news steht in keiner geschäftlichen Verbindung zu den genannten Produktions- oder Vertriebsfirmen.