Was sollen Urlauber und Einwohner bei einem Fund tun?
Der Cabildo bittet jeden, der einen Sturmtaucher auf Strasse, Gasse oder Strand findet, sofort die 112 anzurufen. Das gilt auch für tote Tiere, damit der Kadaver abgeholt wird und sich Unfallschwerpunkte erkennen lassen.
Der Cabildo rät, den Vogel mit einem Handtuch oder Pullover aufzunehmen. Er gehört in einen geschlossenen Karton mit Luftlöchern, an einen ruhigen, kühlen und schattigen Ort.
Der Cabildo warnt ausdrücklich davor, dem Tier Futter oder Wasser zu geben. Finder notieren den genauen Fundort und warten auf die Anweisungen des Abholdienstes.
Der Cabildo lehnt auch ab, dass Finder den Vogel selbst freilassen. Er braucht zuerst eine tierärztliche Kontrolle.
Zusätzlich bittet der Cabildo Bürger, Verwaltungen und Hotels, unnötiges Licht draussen auszuschalten oder zu dimmen. Besonders gilt das an der Küste, bis die Kampagne endet.
Warum landen junge Sturmtaucher auf Strassen und Plätzen?
Junge Sturmtaucher verlassen im Oktober und November erstmals nachts ihr Nest. Künstliches Licht von Strassen, Dörfern, Hotels und Küste verwirrt sie, wie der Cabildo erklärt.
Am Boden kommen die Tiere kaum wieder in die Luft, weil ihre Beine weit hinten sitzen und die Flügel lang sind. Dann drohen Verkehr, Raubtiere und Verhungern.
Die Kampagne läuft im Oktober und November und ist auf die ersten Nachtflüge der Jungvögel abgestimmt. Ihr Start wurde am 9. Oktober 2026 gemeldet.
Gerettete Vögel kommen ins Centro de Recuperación de Fauna Silvestre (Wildtierauffangstation) in der Estación Biológica de La Oliva. Gesunde Tiere werden beringt und freigelassen, dehydrierte oder verletzte erhalten tierärztliche Pflege.
Was geschah bei der Freilassung in Puerto Lajas?
Mehr als 30 Menschen sahen zu, wie der Cabildo acht Pardelas cenicientas atlánticas und einen Paíño boreal ins Meer zurückbrachte. Der Ort war die Gegend um die alte Windmühle (molina) von Puerto Lajas.
Dabei waren Mitglieder der Grupo Ornitológico Alcaidón de Canarias und Beamte der Policía Local von Puerto del Rosario, die am Abholdienst für Sturmtaucher mitarbeiten. Am Anfang stand ein Vortrag über Lebensraum, Nahrung, Lebenszyklus und die Ursachen der Orientierungslosigkeit bei Jungvögeln.
Der Paíño boreal ist laut Bericht eine Hochseeart, die in kanarischen Gewässern selten vorkommt. Der Vogel tauchte am Vortag auf und kam kurzfristig in die Freilassung.
Die Art brütet auf Inseln im Nordatlantik und zieht nur gelegentlich im Herbst und Winter an den Kanaren vorbei, auf dem Weg nach Südafrika. Das genaue Datum der Freilassung nennt der Bericht vom 6. November 2026 nicht.
Die Aktion gehört zum Projekt «De vuelta a casa» im Programm «Conocer para Proteger» der Consejería de Medio Ambiente (Umweltressort des Cabildo). Umweltrat Carlos Rodríguez sagte, die Teilnahme am Wiederaussetzen helfe, den Wert der Artenvielfalt zu verstehen.
Wie viele Vögel wurden gerettet, und wo?
Rund 150 Vögel sind nach den Angaben zur Freilassung bisher auf Fuerteventura gerettet worden. Eine offizielle Gesamtzahl für 2026 liegt der Recherche nicht vor.
In der Kampagne 2025 sammelte der Cabildo 146 Vögel ein, 89,04 Prozent davon wurden gerettet und freigelassen. Die beiden Zahlen stammen aus unterschiedlichen Quellen und die 150 sind ungefähr, ein klarer Vergleich ist deshalb nicht möglich.
La Oliva stand 2026 für 61,6 Prozent der eingesammelten Vögel, Puerto del Rosario für 18,5 Prozent der Meldungen. Ob sich die Prozentwerte jeweils auf Vögel oder auf Meldungen beziehen, ist in den Berichten nicht eindeutig.
Über das ganze Jahr 2025 rückte der Wildtierdienst des Cabildo 647 Mal aus, 454 Tiere lebten, 193 waren tot. Sturmtaucher waren mit 183 Einsätzen die häufigste Art, und 244 der 647 Einsätze fielen in Oktober und November.
Nach Gemeinden entfielen 2025 laut Cabildo 33 Prozent der Einsätze auf La Oliva, 31 Prozent auf Pájara und 20 Prozent auf Puerto del Rosario. Das gilt für alle Tierarten, nicht nur für Sturmtaucher.
Was gilt rechtlich, und wer zahlt?
Der Sturmtaucher (Calonectris borealis) steht auf der spanischen Liste der Wildarten mit besonderem Schutzstatus und im Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie. Er fällt ausserdem unter die Berner Konvention.
Das Gericht in Puerto del Rosario verurteilte Ende Februar 2026 zwei Männer, die sieben Sturmtaucher im Naturpark Jandía getötet hatten. Jeder erhielt eine Geldstrafe von mehr als 3.200 Euro und drei Jahre Jagdverbot, die Guardia Civil hatte sie in einem September erwischt, ein Jahr nannte der Bericht nicht.
Der Cabildo setzt beim Licht bisher auf freiwilliges Dimmen. Eine neue Vorschrift oder Bussgelder für Beleuchtung sind in den vorliegenden Berichten nicht belegt.
Den Notruf betreibt die Consejería de Medio Ambiente über ihren Servicio de Gestión Integral. Ein Budget oder Kosten pro Vogel hat der Cabildo in den vorliegenden Berichten nicht genannt.
Wie geht es mit der Kampagne weiter?
Der Cabildo plant die Kampagne bis Mitte oder Ende November, ein festes Enddatum nannte er nicht. Weitere Freilassungen sind bisher nicht angekündigt.
Teneriffa barg in seiner Kampagne 2025 nach Angaben des dortigen Cabildo 2.637 Vögel, etwa 23,5 Prozent weniger als 2024. Der Cabildo führt den Rückgang auf das Wetter zurück, nicht auf weniger Vögel.
Solange die Kampagne läuft, gilt auf Fuerteventura dieselbe Regel für alle: Vogel am Boden melden, nicht selbst freilassen, Licht draussen sparen. Ob die Zahl der Einsätze 2026 über dem Vorjahr liegt, zeigt erst die Schlussbilanz des Cabildo.