Das Wetter: Vergessen Sie die Insel — die Himmelsrichtung entscheidet

Beide Inseln tragen den Werbetitel „ewiger Frühling" zu Recht: Unter 20 Grad rutschen die Temperaturen selbst im Winter kaum, im Sommer wird es selten unangenehm heiss. Doch der eigentliche Wetter-Trick steckt nicht im Inselnamen, sondern in der Himmelsrichtung. Auf beiden gilt dieselbe Faustregel — Süden trocken, sonnig, warm; Norden grüner, kühler, wolkenverhangener. Wer im falschen Norden bucht und Dauersonne erwartet, erlebt eine Überraschung, ganz gleich, auf welcher Insel.

Teneriffa treibt das Spiel auf die Spitze. Der 3.715 Meter hohe Teide steht wie ein Türsteher zwischen den Klimazonen: Während über dem grünen Norden um Puerto de la Cruz gern die Wolken hängen, brutzelt der Süden um Costa Adeje in der Sonne. Das kuriose Resultat: An manchen Wintertagen liegen Sie morgens am Strand und sehen nachmittags Schnee auf dem Gipfel glitzern. Gran Canaria ist kleiner, niedriger, insgesamt ausgeglichener — und der trockene Süden um Maspalomas zählt zu den verlässlichsten Überwinterungsadressen ganz Europas.

Die Strände: goldene Wüste gegen schwarze Lava

Hier scheiden sich die Geister am sichtbarsten. Gran Canarias Trumpf sind die Dünen von Maspalomas — ein wanderndes Sandmeer, das eher nach Sahara aussieht als nach Atlantikinsel, flankiert von kilometerlangen hellen Stränden im Süden. Das ist der Postkarten-Badeurlaub, wie ihn viele im Kopf haben. Teneriffa antwortet mit Drama statt Postkarte: Viele Strände schimmern vulkanisch dunkel, mancherorts wurde heller Sand eigens herbeigeschafft, etwa am goldgelben Playa de las Teresitas bei Santa Cruz. Kurz gesagt: Wollen Sie breiten hellen Sand ohne Suche, sind Sie auf Gran Canaria schneller glücklich. Lieben Sie die raue, schwarz glänzende Vulkankulisse, gewinnt Teneriffa.

Natur: Der Teide ist die Trumpfkarte, die Gran Canaria fehlt

Wenn man Teneriffa mit einem einzigen Wort verteidigen müsste, hiesse es: Teide. Der höchste Berg Spaniens, UNESCO-Welterbe und dritthöchster Inselvulkan der Erde, ist ein Naturschauspiel, das Gran Canaria schlicht nicht in petto hat. Eine Seilbahn schiebt Sie bequem auf 3.555 Meter; für den letzten Schritt auf den Gipfel brauchen Sie allerdings eine Genehmigung, die Sie Wochen vorher online sichern sollten — täglich gibt es nur 200 Stück. Wer zu spät kommt, schaut von unten zu.

Gran Canaria kontert mit einem Spitznamen, der Programm ist: „Miniaturkontinent". Auf kürzester Strecke wechseln Dünen, grüne Schluchten, Pinienwälder und das trotzige Felsmassiv Roque Nublo. Heisst übersetzt: Teneriffa ist spektakulärer in die Höhe, Gran Canaria abwechslungsreicher auf kleinem Raum — Sie fahren weniger und sehen schneller mehr Verschiedenes. Und die Freizeitparks? Da hat Teneriffa die Nase vorn, mit dem mehrfach zum besten der Welt gekürten Siam Park und dem Loro Parque. Gran Canaria spielt seine Stärke dafür bei kurzen Wegen und familienfreundlichen Badeorten aus.

KategorieGran CanariaTeneriffa
Charakter„Miniaturkontinent", kompaktInsel der Kontraste, gross
Strändehelle Dünen (Maspalomas)oft vulkanisch dunkel, Buchten
Natur-HighlightRoque Nublo (1.813 m)Teide (3.715 m, UNESCO)
Freizeitparksfamilienfreundlich, kompaktSiam Park, Loro Parque
Beste Zeit Strandganzjährig (Süden)ganzjährig (Süden)
Beste Zeit WandernWinter, FrühlingFrühling, Herbst

Anreise und Kosten: Hier trennt sie fast nichts

Bei der Anreise schenken sich die beiden nichts: Von den meisten deutschsprachigen Flughäfen sind beide in vier bis fünf Stunden direkt erreichbar, beide haben grosse internationale Airports — Teneriffa sogar zwei (Süd und Nord). Auch beim Geld liegt selten ein Blatt dazwischen: Unterkunft, Mietwagen und Restaurants bewegen sich auf ähnlichem Niveau, mit den üblichen Aufschlägen in den südlichen Touristenhochburgen. Die ehrlichste Spartipp-Wahrheit gilt für beide Inseln gleich: Wer abseits der Zentren bucht, zahlt spürbar weniger.

Die Kurzformel zur Entscheidung Nehmen Sie Gran Canaria, wenn Sie helle Sandstrände, kurze Wege und ein kompaktes „Alles-in-einem" wollen — der Klassiker für Familien und Überwinterer. Nehmen Sie Teneriffa, wenn der Teide, grosse Naturkulissen und die berühmten Freizeitparks ganz oben stehen — und Sie für ein Highlight auch mal länger im Mietwagen sitzen.
Vorsicht bei „der schöneren Insel" Viele Inselvergleiche im Netz sind von Reiseanbietern bezahlt und neigen entsprechend zu Superlativen. Verlassen Sie sich weniger auf das grosse Urteil als auf die konkrete Region: Ein Hotel im wolkigen Norden ist ein völlig anderer Urlaub als eines im sonnigen Süden — und dieser Unterschied wiegt oft schwerer als der zwischen den beiden Inseln überhaupt.