Worum geht es bei dem Vortrag in Maspalomas?
Die Partei Drago Canarias hat in einem Social-Media-Video einen Vortrag für Zuzügler beim Winter Pride angegriffen. Im Festivalprogramm läuft er unter dem englischen Titel Everything you need to know about living on Gran Canaria.
Angesetzt war die Sitzung für Donnerstag, 5. November 2026, von 11.00 bis 13.00 Uhr, der Eintritt ist frei. Wer teilnehmen wollte, musste sich vorher online anmelden, mit Name und E-Mail-Adresse.
Veranstalter sind laut Programm Pride Properties und Follow the Sun. Auf die Präsentation der Follow-the-Sun-Fachleute folgt eine Fragerunde.
Auf der Tagesordnung standen Kauf und Miete von Immobilien, Steuern, Papiere für den Start auf den Kanaren, Firmengründung und Ferienvermietung. Gerade der letzte Punkt, verbunden mit dem Immobilienverkauf, löste nach Darstellung von Drago die Kritik aus.
Was bedeutet das für Urlauber und Residenten im Süden?
Rechtlich ändert der Vortrag nichts, denn es handelt sich um eine Informationsveranstaltung. Der Termin am Vormittag des 5. November ist vorbei, und ohne Anmeldung kam niemand hinein.
Auf der Festivalseite stand der Ort zunächst als noch zu bestätigen. Die genaue Adresse sollte nach der Anmeldung per E-Mail kommen.
Eine Regel, die ausländische Käufer anders behandelt, nennt keine der ausgewerteten Quellen. Für Ferienwohnungen gilt das kanarische Gesetz 6/2025, dazu mehr weiter unten.
Wer im Süden kaufen oder vermieten will, lässt sich Lizenzfragen besser schriftlich von der Gemeinde oder einem Fachanwalt bestätigen. Ein Vortrag ersetzt diese Prüfung nicht.
Was wirft Drago Canarias den Veranstaltern vor?
Drago fragt im Video, was eine Immobilienfirma auf dem Festival verloren habe, wenn sie den Hauskauf für Ausländer und die Ferienvermietung bewirbt. Die Partei schliesst mit dem Satz: «Hört auf, mit unseren Rechten und Freiheiten Geschäfte zu machen.»
Als Beleg zeigt das Video Anzeigen aus dem Süden von Gran Canaria: eine Wohnung von etwa 50 Quadratmetern für rund 1.400 Euro im Monat und Apartments für mehrere hunderttausend Euro. Das sind Angaben von Drago, nachgeprüft sind die Preise nicht.
Wer im Süden arbeite, müsse immer weiter weg wohnen, sagt die Partei. Ihre Kritik gelte nicht dem Pride, betont sie: «Der Pride wird gefeiert und verteidigt.»
Drago verlangt von den Behörden, ihre Unterstützung an den Rückzug des Vortrags zu knüpfen. Das Video endet mit dem Aufruf, Héctor Morán zu unterstützen, den Spitzenkandidaten der Partei für den Congreso (Abgeordnetenhaus) in der Provinz Las Palmas.
Wie viel öffentliches Geld steckt im Festival?
Drago behauptet, die Gemeindeverwaltung von San Bartolomé de Tirajana habe 130.000 Euro für das Sponsoring ausgegeben. Der Betrag deckt sich mit dem Vertrag 55/2026-Servicios über das institutionelle Sponsoring des Winter Pride 2026, inklusive Steuern, vergeben an die Firma Isla Mundial S. L.
Dieser Vertrag gilt für das allgemeine Sponsoring des Festivals vom 2. bis 8. November. Er belegt nicht, dass Geld speziell in den Vortrag floss.
Drago nennt ausserdem den Cabildo de Gran Canaria (Inselregierung), die Kanarenregierung und die Hotelgruppe Lopesan als Geldgeber. Reaktionen dieser Stellen sind nicht bekannt.
Das Festival gibt für die Ausgabe 2025 in seinem Evaluationsbericht eine wirtschaftliche Wirkung von knapp 73 Millionen Euro an. Als Unterstützer nennt es dort die Kanarenregierung, die Gemeinde und den Cabildo.
Welche Regeln gelten für Ferienwohnungen auf Gran Canaria?
Die Kanaren haben die Ferienvermietung mit dem Gesetz 6/2025 zur nachhaltigen Ordnung der touristischen Wohnnutzung neu geregelt. Es trägt das Datum 10. Dezember 2025 und erschien am 23. Dezember 2025 im BOE (spanisches Staatsamtsblatt) unter BOE-A-2025-26358.
Den Gesetzestext konnten die ausgewerteten Quellen nicht lesen. Ratgeberseiten widersprechen sich zu Obergrenzen und zur Lizenz bei Verkauf oder Erbschaft, deshalb lassen sich diese Details nicht belegen.
Laut ISTAC (kanarisches Statistikamt) gab es im Januar 2025 auf den Kanaren 47.716 Ferienwohnungen, 12 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Auf Teneriffa lagen 41 Prozent, auf Gran Canaria 22 Prozent.
Für San Bartolomé de Tirajana nannte der Cabildo 3.280 Ferienwohnungen, veröffentlicht am 4. Juni 2025. Zum Vergleich führt dieselbe Veröffentlichung Palma de Mallorca mit 1.006 und Formentera mit 717 auf, zusammen 1.723.
Was ist offen und was kommt als Nächstes?
Das Tribunal Supremo (Oberstes Gericht Spaniens) nahm am 17. Dezember 2025 die Berufung eines Eigentümers gegen die Regel zur einheitlichen Verwaltung touristischer Einheiten an. Die Regel des Cabildo erlaubt nur einen Betreiber, ein Urteil steht aus.
Berichte vom September 2025 nennen deutsche, britische, niederländische und nordische Eigentümer im Süden, die von rückwirkenden Regeln sprechen und Klagen erwägen. Ein Urteil dazu liegt nicht vor.
Unbekannt sind der Ort des Vortrags, die Teilnehmerzahl und die Frage, ob das Programm nach der Kritik geändert wurde. Auch ob öffentliches Geld in den Vortrag floss, ist nicht belegt.
Gemeinde, Cabildo, Kanarenregierung, Pride Properties und Follow the Sun haben sich in den vorliegenden Berichten nicht geäussert. Das Festival läuft bis 8. November, am 29. November wird gewählt, und Drago verknüpft seinen Wahlkampf mit dem Thema.