Was bedeutet der Streik für Urlauber und Residenten auf Teneriffa?
Beim Ärztestreik im kanarischen Gesundheitsdienst SCS liegt die Beteiligung am Dienstag, 3. November 2026, laut der Meldung der Regierung der Kanaren bei 4,9 Prozent. Das ist der niedrigste Wert in der offiziellen Reihe seit Oktober 2025.
Wer dringend Hilfe braucht, wird weiter versorgt, dafür sorgen die Mindestdienste. Am 19. Oktober waren dafür 1.392 Beschäftigte eingeteilt, und die Gesundheitsbehörde meldete keine nennenswerten Zwischenfälle.
Routinetermine und planbare Operationen können trotzdem verschoben oder gestrichen werden. Betroffene Patienten sollen vom jeweiligen Zentrum kontaktiert werden.
Wer in den nächsten Tagen einen Termin hat, ruft vorab im Zentrum an und fragt nach. Das gilt auch für Besucher mit Reiseversicherung, bevor sie in eine Klinik fahren.
Neue Regeln oder Fristen für Residenten, Zugezogene oder Urlauber hat die Recherche nicht ergeben. Auch offizielle Hinweise für Patienten aus dem Oktober fand sie nicht.
Wer streikt und was fordern die Ärzte?
Zwei Gewerkschaften tragen den Streik: Sindicato Médico Canario (CESM Canarias) und Sindicato de Empleados Médicos de Canarias (SEMCA). Sie riefen einen unbefristeten Ausstand aus, der Mitte Oktober 2026 begann.
Wann genau es losging, ist unklar, denn die Quellen nennen den 16. und den 17. Oktober. Laut Streikkomitee gilt der Streik nur an Werktagen, nicht an Wochenenden und Feiertagen.
Im Kern geht es den Ärzten um mehr Geld, vor allem für Bereitschaftsdienste (guardias). Dazu verlangen sie garantierte Ruhezeiten nach Nachtdiensten, einen eigenen Verhandlungsrahmen für Ärzte und Bedingungen, die sie im öffentlichen System halten.
Die Dienstlänge soll laut Diario de Avisos von 24 auf 17 Stunden sinken. Ausserdem fordern die Gewerkschaften eine unabhängige Vertretung in den Personalausschüssen.
Der «Plan Estratégico» der Gewerkschaften umfasst drei Säulen und 18 Massnahmen. Sie werfen der Regierung vor, die Punkte als Einzelwünsche zu behandeln statt als Korrektur alter Defizite.
Was bietet die Regierung an, und warum lehnen die Gewerkschaften ab?
Rund 50 Millionen Euro ist das Angebot der Gesundheitsbehörde wert, verteilt auf 14 Punkte. Die Ärzte fordern insgesamt etwa 150 Millionen Euro, das Angebot deckt also ungefähr ein Drittel.
Der Stundensatz für Bereitschaftsdienste würde laut Recherche um rund 47 Prozent steigen. Gesundheitsrätin Esther Monzón drängte auf Annahme, bevor der Haushalt zum Jahresende schliesst.
CESM und SEMCA lehnten ab, weil sie unklare Formulierungen sehen und versteckte Mehrarbeit fürchten. Gewerkschaftspräsident Eric Álvarez sagt, die Ärzte seien erschöpft und könnten in den Privatsektor, in andere Regionen oder ins Ausland gehen.
Die Gewerkschaft UGT hat dagegen eine Vorvereinbarung mit der Gesundheitsbehörde unterzeichnet. CESM und SEMCA erklärten, diese beantworte ihre Forderungen nicht.
Die Gewerkschaften baten Regierungspräsident Fernando Clavijo, selbst in die Gespräche einzugreifen. SCS-Direktor Adasat Goya sprechen sie die Verhandlungsfähigkeit ab.
Wie verlässlich ist die Zahl von 4,9 Prozent?
Die 4,9 Prozent stammen aus einer Meldung der Regierung der Kanaren, die Beteiligung in den SCS-Gerencias (Verwaltungseinheiten der Gesundheitsversorgung) nennt. Unklar ist, ob die Zahl nur Ärzte oder alle Beschäftigten erfasst und wer gezählt hat.
Wie weit die Zählungen auseinanderliegen, zeigen frühere Zahlen. Am 22. Juni 2026 meldete das Gesundheitsministerium 7,8 Prozent, der Ärzteverband CESM sprach von 39 Prozent.
Im Oktober sah es ähnlich aus: Der SCS nannte um den 17. und 18. Oktober 9,1 Prozent, die Gewerkschaften 58 Prozent. Am 3. Oktober 2025 standen 22,7 Prozent der offiziellen Zählung 75 Prozent der Gewerkschaft gegenüber.
Auf Gran Canaria lag die Beteiligung am 19. Oktober laut Gesundheitsbehörde bei 18,23 Prozent (270 von 1.481). Auf Lanzarote waren es 3,6, auf La Palma 2,41 und auf Fuerteventura 0,67 Prozent, auf La Gomera und El Hierro streikte niemand.
Für Teneriffa meldete die Regierung am 3. November 2,17 Prozent Beteiligung, 44 von 2.030 Ärzten. Am 19. Oktober meldete die Behörde dort 4,65 Prozent, das sind 86 von 1.848 Ärzten.
Was kostet der Streik, und wie ist es in Spanien?
45.000 abgesagte Termine und rund 1.200 verschobene oder gestrichene Operationen: Das bilanziert der SCS-Direktor für 25 Streiktage im Frühjahr 2026. Damals ging es um die staatliche Reform des Estatuto Marco, des Rahmenstatuts für Gesundheitspersonal.
Die direkten Kosten gab er mit 200 Millionen Euro an. Eine andere Schätzung nennt für April bis Juni mehr als 57.000 abgesagte Termine und rund 400 Millionen Euro, ihr Urheber blieb offen.
Im Rest Spaniens lag die Beteiligung bei den nationalen Streiks laut Euronews je nach Region bei 10 bis 25 Prozent. Andalusien und das Baskenland haben demnach bereits Teilvereinbarungen zu Bereitschaftsdiensten und Gehältern erreicht.
Spanische Ärztegewerkschaften riefen zudem einen unbefristeten nationalen Streik ab dem 28. Oktober 2026 aus. Wie dieser sich mit dem kanarischen Streik überschneidet, ist nicht bestätigt.
Wie geht es weiter?
Verhandlungstermine für November oder einen neuen Streiktermin hat die Recherche nicht bestätigt. Klar ist nur Monzóns Warnung, dass das Angebot nach Abschluss des Haushalts zum Jahresende kaum zu bekommen sei.
Eine Überschrift im Regionalfernsehen deutet an, die Gewerkschaften hätten den Streik nach der Ausrufung von Wahlen verschoben. Wann das war und ob es noch gilt, liess sich nicht klären.
Auf nationaler Ebene berät das Parlament den Estatuto Marco, er soll die Regeln von 2003 ersetzen. Gesundheitsministerin Mónica García bot eine parteiübergreifende Arbeitsgruppe an und will ein eigenes Ärztestatut nur auf dem gemeinsamen Rahmen aufbauen.