Was bedeutet der Streik jetzt für Patienten und Urlauber auf Teneriffa?
Der Streik der Ärzte im kanarischen Gesundheitsdienst SCS (Servicio Canario de la Salud) läuft bis mindestens 10. November. Die Streikleitung hat ihn am 27. Oktober verlängert, wie Canarias7 berichtet.
Termine, Untersuchungen und Operationen ohne Dringlichkeit können ausfallen oder sich verschieben. Notaufnahmen und dringende Behandlungen bleiben über Mindestdienste (vorgeschriebene Besetzung während des Streiks) abgedeckt.
Auf Teneriffa fiel die Beteiligung am 23. Oktober gering aus: 3,87 Prozent, auf Gran Canaria dagegen 14,89 Prozent, so die SCS-Zahlen in der Moncloa-Meldung. Wie viele Termine auf Teneriffa konkret ausfielen, hat bisher niemand veröffentlicht.
Zahlen für einzelne Kliniken wie das Hospital Universitario de Canarias oder Nuestra Señora de Candelaria fehlen. Auch für den Süden der Insel liegt keine eigene Auswertung vor.
Wer einen Arzttermin hat, fragt vorab telefonisch nach oder schaut auf der SCS-Website, ob er stattfindet. Offizielle Hinweise für Patienten fand die Recherche bisher nicht.
Wer streikt und was fordern die Ärzte?
Zwei Gewerkschaften führen den Ausstand: CESM Canarias (Sindicato Médico Canario) und SEMCA (Sindicato de Empleados Médicos de Canarias). Sie bilden ein gemeinsames Streikkomitee und riefen den unbefristeten Streik ab Freitag, 16. Oktober 2026, aus.
Bis zu 8.000 Ärzte könnten laut Redacción Médica betroffen sein. Die Gewerkschaften verlangen bessere Bezahlung für Bereitschaftsdienste (guardias), Ruhezeit nach diesen Diensten und eine eigene Vertretung, damit nicht mehr alle Gesundheitsberufe gemeinsam verhandeln.
RTVC schreibt, die kanarischen Sätze für Bereitschaftsdienste gehörten zu den niedrigsten Spaniens. Der Konflikt dauert nach den Berichten rund 18 Monate.
Der Strategieplan der Gewerkschaften umfasst drei Säulen und 18 Massnahmen. Im Juli 2026 entstand ein Verhandlungsrahmen, und der SCS-Direktor traf die Gewerkschaften im August und im September.
Was bietet der Gesundheitsdienst an, und wie viele streiken wirklich?
Der SCS legte ein Angebot mit 14 Punkten vor, das RTVC auf rund 50 Millionen Euro beziffert. Die Gewerkschaften wollen laut RTVC etwa 150 Millionen Euro und halten das Angebot für unzureichend.
Consejera de Sanidad (Gesundheitsministerin der Kanaren) Esther Monzón nennt ein Plus von rund 47 Prozent bei den Stundensätzen für Bereitschaft. Laut Diario de Avisos sagte sie, die Dienste sänken von 24 auf 17 Stunden bei fast doppelter Bezahlung, und das Angebot solle vor Haushaltsschluss angenommen werden.
Bei der Beteiligung liegen die Seiten weit auseinander: Am 17. Oktober meldete der SCS 9,1 Prozent, die Gewerkschaften 58 Prozent, so Diario de Avisos. Für den 23. Oktober nannte der SCS 8,1 bis 8,17 Prozent, also 318 von 3.892 aufgerufenen Ärzten, berichtet Moncloa.
Die Gewerkschaften nennen die Mindestdienste missbräuchlich, Prozentsätze dazu fand die Recherche nicht. Welche Beteiligungszahl stimmt, lässt sich damit nicht prüfen.
Warum streiken die Ärzte, und wer entscheidet?
Hinter dem Streik steht ein nationaler Streit um den Entwurf des Estatuto Marco, des spanischen Rahmenstatuts für Gesundheitspersonal, das seit 2003 gilt. Die Gewerkschaften sagen laut RTVC und Euronews, es ignoriere die Besonderheiten ärztlicher Arbeit, und fordern ein eigenes Ärztestatut.
Darüber entscheiden das Gesundheitsministerium unter Mónica García und der Congreso (spanisches Abgeordnetenhaus). Laut Euronews kürzt der Entwurf die Pflichtbereitschaft von 24 auf 17 Stunden, was die Ärzte als unzureichend bezeichnen; ihre Hauptforderung ist eine Höchstwoche von 35 Stunden.
SEMCA sagt laut RTVC, das eigene Statut sei Sache des Ministeriums, zwölf weitere Ziele lägen bei der Kanarenregierung. Die Gewerkschaft UGT erklärt laut eldiario.es, Bereitschaftsregeln, Ruhezeiten und Bezahlung hingen von der regionalen Verwaltung ab.
Landesweit riefen acht Organisationen, darunter CESM, laut Euronews einen unbefristeten Streik ab 28. Oktober 2026 aus. Auf den Kanaren zählte der SCS am 3. Oktober 2025 eine Beteiligung von 22,7 Prozent, die Gewerkschaften nannten damals 75 Prozent.
Was haben die bisherigen Streiks gekostet?
Bis Ende März fielen laut La Voz de Lanzarote vom 28. Mai 2026 rund 45.000 Termine aus, etwa 1.200 Operationen wurden verschoben. Mehr als 1.000 Untersuchungen waren betroffen, das Blatt zählt 25 Streiktage.
Bis Juni nennt Redacción Médica über 57.000 Termine, rund 1.500 Operationen und mehr als 2.900 Untersuchungen. Die Kostenschätzung stieg von 200 Millionen Euro im Mai auf 400 Millionen Euro im Oktober.
SCS-Direktor Adasat Goya beziffert die direkten Kosten auf 6.000 Euro pro Streiktag, dazu kämen indirekte Kosten. Die Zahlen stammen vom SCS und von der Gewerkschaftsseite und sind nicht unabhängig geprüft.
Ende Juni 2026 standen laut RTVC vom 1. September 34.382 Patienten auf der Warteliste für Operationen, 7,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die durchschnittliche Wartezeit lag bei 107 Tagen, der spanische Schnitt bei 121 Tagen.
Wie geht der Streik weiter?
SEMCA-Präsident Javier Luño kündigte einen Brief an Regionalpräsident Fernando Clavijo an. Darin verlangt er, Adasat Goya aus den Verhandlungen zu nehmen und dass Clavijo vermittelt, berichten Canarias7 und Libertad Digital.
CESM-Präsident Éric Álvarez lehnte es ab, den Streik vor neuen Gesprächen auszusetzen. Einen Verhandlungstermin fand die Recherche nicht.
Moncloa berichtet, Nutzer warfen dem SCS «Misshandlung der Bevölkerung» vor. Wer sich äussert und in welchem Wortlaut, liess sich nicht klären.
Was nach dem 10. November folgt, Verlängerung oder Einigung, ist offen. Am 27. Oktober zogen rund 300 Menschen über die Avenida Mesa y López in Las Palmas.