Was gilt jetzt für Patienten in Costa Adeje und im Süden?

Wer in Costa Adeje zu Vivanta wollte, findet die Tür verschlossen. Die Klinik ist wie fünf weitere auf Teneriffa seit dem 27. Oktober zu, so Diario de Avisos.

An der Tür hängt nur ein Zettel: Der Standort setze seine Tätigkeit vorübergehend aus. Ein QR-Code darauf führt zur Website der Firma, die dort ihre Insolvenz erklärt.

Sie hoffe, die Kliniken «in den nächsten Wochen» zu verkaufen, und bittet Patienten um Kontaktdaten für eine mögliche Wiedereröffnung. Einen Termin dafür nennt die Quelle nicht.

Für Urlauber und Zugezogene liegen keine eigenen Angaben vor. Die allgemeinen Hinweise der Verbraucherorganisation OCU zu Behandlungen mit Kredit gelten aber für alle Patienten.

Welche Kliniken sind betroffen, und warum haben sie geschlossen?

Sechs Standorte sind dicht: Tres de Mayo in Santa Cruz, El Médano, San Cristóbal de La Laguna, El Sobradillo, Puerto de la Cruz und Costa Adeje. Atlántico Hoy führt sie unter Vivanta Canarias, S.L. und schreibt, früher hätten dort rund 50 Zahnärzte gearbeitet.

Am Anfang stand ein geplatzter Verkauf. Das Angebot der Donte Group für 61 der 124 Kliniken verfiel laut Diario de Avisos kurz vor den Schliessungen.

Es hätte 656 der 1.335 Arbeitsverträge und rund 30.000 offene Behandlungen übernommen. Knackpunkt war eine Rettungshilfe von 40 Millionen Euro, die die staatliche Industrieholding SEPI Vivanta 2022 gewährt hatte.

Das Angebot sah keine Rückzahlung vor. SEPI widersprach, ein Eigentümerwechsel «löscht die Schuld beim Staat nicht», und Brüssel müsste einen Erlass genehmigen.

Die Richterin fragte die Europäische Kommission, doch die Antwort blieb aus. Die Insolvenzverwalter wählten darauf eine geordnete Abwicklung, um die letzte Kasse zu schonen.

Für die letzte Oktoberwoche rechneten sie mit einem Loch von rund drei Millionen Euro, weil Löhne und Sozialabgaben fällig waren. Das schreibt Diario de Avisos mit Verweis auf deren eigene Prognosen.

Was haben Patienten schon bezahlt?

Anabel Vera Díaz zahlte 3.800 Euro im Voraus und nahm dafür einen Bankkredit auf. Am 27. Oktober um 16.00 Uhr wollte sie ihre nächsten Zahnschienen abholen und fand ein Schild an der Tür, berichtet Diario de Avisos.

Die Firma habe sich nie gemeldet, sagt sie. Ihre Krankenakte habe sie angefordert, doch die Antwort laute, das Unternehmen habe die Tätigkeit eingestellt und sie solle sich an Consumo (die Verbraucherstelle) wenden.

Eine Rentnerin, die anonym bleiben will, nahm ein Angebot über 1.400 Euro an und zahlte alles im Voraus, ebenfalls mit Kredit. Sie bekam zwei Füllungen und einen Abdruck, danach hörte sie mehr als einen Monat nichts mehr.

Den Kredit muss sie nach eigenen Angaben bis 2028 abzahlen. Vera kennt nach eigener Aussage mindestens zehn weitere Fälle derselben Klinik, mit Behandlungen von 5.000 bis 7.000 Euro.

Was können Betroffene jetzt tun?

Zuerst sollten Sie Beweise sammeln, rät die OCU: Verträge, Kostenvoranschläge, Rechnungen, Zahlungsbelege, E-Mails und Werbung. Danach schicken Sie der Klinik eine schriftliche Reklamation an ihre Adresse.

Als Nächstes gehört die Beschwerde zur regionalen Verbraucherbehörde. Bei Verdacht auf Behandlungsfehler melden Sie sich bei der Gesundheitsbehörde.

Atlántico Hoy nennt für die Kanaren die Verbrauchernummer 900 908 985. Sie liess sich auf keiner offiziellen Seite prüfen.

Wer über einen Kredit bezahlt hat, soll laut OCU die Bank anschreiben und verlangen, das Darlehen aufzulösen, weil die Leistung ausblieb. Bleibt das einen Monat ohne Lösung, kann man sich beim Banco de España beschweren.

Auch die Krankenakte und die Röntgenbilder dürfen Patienten verlangen, denn sie belegen, was erledigt und was offen ist. Das Colegio de Dentistas de Santa Cruz de Tenerife betont, die Akte stehe innerhalb von 30 Tagen zu.

Was ist noch offen?

Ganz abgeschlossen ist das Insolvenzverfahren laut Diario de Avisos nicht. Genehmigt die Europäische Kommission den Verkauf doch noch, könnten neue Angebote kommen, auch von der Donte Group.

Die Quellen widersprechen sich allerdings: Atlántico Hoy nennt als zurückgetretenen Bieter vom 22. Oktober «Orion Bidco». Laut Atlántico Hoy gehört Vivanta Canarias zudem zu einer Massenentlassung von 670 Beschäftigten in sechs Konzerngesellschaften.

Wie viele Patienten auf Teneriffa betroffen sind, ist nicht veröffentlicht. Dasselbe gilt für eine Stellungnahme des Gobierno de Canarias und für eine Frist für Gläubigerforderungen.

Ob sich Patienten dort als Gläubiger anmelden müssen, ist offen. Sie zählen laut OCU zu den einfachen Gläubigern, die Organisation fordert Vorrang für Verbraucherkredite.

Eine staatliche Entschädigung hat die Recherche nicht gefunden. Mehr lässt sich derzeit nicht sagen.

Ist Teneriffa ein Einzelfall?

Nein, ähnliche Fälle gab es schon anderswo. Die OCU meldete am 11. September mindestens sieben abrupte Schliessungen: vier im Baskenland, zwei in Zaragoza und eine in A Coruña.

Auf Ibiza berichteten Patienten von offenen Behandlungen bis zu 11.000 Euro. Der Consejo General de Dentistas vergleicht den Fall mit dem Zusammenbruch von iDental und Dentix, so Diario Estrategia.

Sein Präsident Óscar Castro verlangt Garantien für Betroffene, Rechtsschutz für Vorauszahlungen und ein Gesetz gegen aggressive Gesundheitswerbung. Das Colegio sieht darin offenbar den nötigen Schutz für Patienten.