Manchmal beginnt große Geschichte in einer Schulbank. So war es bei Fernando León y Castillo und Benito Pérez Galdós, die sich als Kinder im Colegio de San Agustín in Las Palmas kennenlernten. Was als Jugendfreundschaft begann, wurde zu einer der prägendsten Beziehungen für die kanarische und spanische Geschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die Casa-Museo León y Castillo in Telde widmet dieser besonderen Verbindung nun eine eigene Ausstellung – und das bei freiem Eintritt.
Vom 23. Juli bis zum 18. Oktober haben Sie die Gelegenheit, in die Welt zweier außergewöhnlicher Männer einzutauchen. Der eine, León y Castillo, brachte es bis zum Minister und Botschafter. Der andere, Pérez Galdós, gilt als einer der größten Romanciers spanischer Sprache. Die Schau mit dem Titel „Amigos: Fernando de León y Castillo – Benito Pérez Galdós, 1842–1920“ zeigt, wie sehr sich ihre Lebenswege immer wieder kreuzten und gegenseitig befruchteten.
Zwei Kanaren erobern das Madrid der Restauration
Fernando León y Castillo, geboren in Telde, war nicht nur ein begnadeter Jurist, sondern auch ein politisches Schwergewicht. Er diente als Minister für Überseegebiete unter König Alfons XII. und später als Innenminister während der Regentschaft von María Cristina. Seine diplomatische Karriere krönte er 1887 mit der Ernennung zum spanischen Botschafter in Frankreich. In seiner Heimat gilt er als der wohl einflussreichste Kanarische Politiker seiner Epoche.
Benito Pérez Galdós, der große Chronist der spanischen Gesellschaft, schuf mit seinen „Episodios Nacionales“ ein literarisches Denkmal des 19. Jahrhunderts. Seine scharfe Beobachtungsgabe und sein tiefes Verständnis für die Menschen seiner Zeit machten ihn zu einem der bedeutendsten Schriftsteller des Landes. Die Ausstellung zeigt nun, dass Galdós‘ Werk ohne seinen Freund aus Telde vielleicht anders ausgesehen hätte.
Briefe, Fotos und eine vermittelte Königin
Kurator Jonathan Allen hat für die Ausstellung einen beeindruckenden Fundus zusammengetragen. Handgeschriebene Briefe, historische Fotografien und persönliche Dokumente zeichnen den Weg der beiden Freunde nach – vom Klassenzimmer in Gran Canaria bis in die Machtzentren Madrids und die Salons von Paris. Die Exponate belegen eine Beziehung, die weit über das Private hinausging und zu einem „fundamentalen Kapitel der Kultur- und Politikgeschichte der Kanaren“ wurde, wie es in der Ankündigung heißt.
Ein besonders schönes Beispiel für diese Symbiose: Galdós‘ Begegnung mit der im Exil lebenden Königin Isabel II. in Paris. Dieses für seine Romane so wichtige Treffen wurde erst durch die diplomatischen Kontakte von León y Castillo möglich. Der Botschafter öffnete dem Schriftsteller Türen, die sonst verschlossen geblieben wären, und lieferte ihm so Stoff für seine literarische Arbeit.
Ein Museum als lebendiger Ort der Erinnerung
Die Ausstellung findet in einem besonders passenden Rahmen statt. Die Casa-Museo León y Castillo ist das Geburtshaus des Diplomaten und gehört zum Netz der vom Cabildo de Gran Canaria betriebenen Museen. Schon das Gebäude in der Calle León y Castillo 43–45 ist eine Reise wert: Es beherbergt eine feine Sammlung spanischer Malerei vom 16. bis 20. Jahrhundert, edle Möbel, Porzellan und Skulpturen. Der Eintritt ist, wie in allen Häusern dieses Museumsnetzes, grundsätzlich kostenlos.
Geöffnet ist das Museum von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10:00 bis 18:00 Uhr. Montags bleibt es, wie bei den meisten Museen des Cabildo üblich, geschlossen. Sollten Sie eine Gruppe sein oder eine Führung wünschen, empfiehlt sich eine kurze Voranmeldung unter der Telefonnummer 928 691 377 oder per E-Mail an [email protected].
Warum diese Freundschaft heute noch fasziniert
Die Schau ist Teil eines größeren Programms, das sich schon seit einiger Zeit mit dem Umfeld von León y Castillo beschäftigt. Unter Titeln wie „Vivencias paralelas“ oder „Los amigos y amigas de Fernando León y Castillo“ gab es bereits Vorträge und Leseworkshops. Die aktuelle Ausstellung bündelt diese Forschung nun und macht sie für Besucher greifbar. Sie erzählt von zwei Menschen, die trotz aller Karrieresprünge nie ihre kanarischen Wurzeln vergaßen.
Es ist diese Mischung aus lokaler Verbundenheit und nationaler Bedeutung, die den Reiz ausmacht. Hier in Telde zu stehen, im Geburtshaus des einen, und gleichzeitig in die Gedankenwelt des anderen einzutauchen, schafft eine ganz eigene Atmosphäre. Man spürt fast, wie aus der anfänglichen Schulbank-Freundschaft ein lebenslanges Bündnis wurde, das auf gegenseitigem Respekt und dem gemeinsamen Wunsch beruhte, die Welt ein Stück weit zu verstehen und zu gestalten.
Häufige Fragen
- Ist der Eintritt zur Ausstellung wirklich kostenlos?
- Ja, der Eintritt in die Casa-Museo León y Castillo und damit auch in die Sonderausstellung ist generell kostenfrei.
- Kann ich das Museum mit dem Bus erreichen?
- Telde ist gut an das Busnetz von Global angebunden. Vom Busbahnhof San Gregorio sind es nur wenige Gehminuten bis zur Calle León y Castillo.
- Wie viel Zeit sollte ich für den Besuch einplanen?
- Für die Sonderausstellung und das sehenswerte Haupthaus sollten Sie etwa 60 bis 90 Minuten einplanen.
- Ist die Ausstellung für Kinder geeignet?
- Die Ausstellung ist historisch ausgerichtet. Für geschichtsinteressierte Jugendliche ist sie spannend, für kleinere Kinder gibt es im Museum selbst aber kein spezielles Kinderprogramm.
- Gibt es Führungen durch die Ausstellung?
- Führungen sind auf Anfrage möglich. Am besten kontaktieren Sie das Museum vorab telefonisch oder per E-Mail, um einen Termin zu vereinbaren.
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Stand der Informationen: Juli 2026. Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte informieren Sie sich bei der Casa-Museo León y Castillo über mögliche kurzfristige Änderungen.
