Was bedeutet die Räumung für Urlauber auf Teneriffa?

Für Urlauber im Süden Teneriffas bleibt alles, wie es ist. Die Puerta del Sol ist ein Platz in Madrid und liegt nicht auf den Kanaren.

Weder im BOC (Amtsblatt der Kanaren) noch im BOE (spanisches Staatsamtsblatt) fand die Recherche eine Regel zum Thema. Auch eine Sperrung oder eine Frist, die mit der Räumung zusammenhängt, ist nicht bekannt.

Offizielle Hinweise für Reisende an der Puerta del Sol fand die Recherche ebenfalls nicht. Wer nach Madrid weiterreist, fragt Lage und Zugang zum Platz besser kurzfristig bei den örtlichen Behörden nach.

Was ist an der Puerta del Sol passiert?

La Provincia stellte am 3. November eine Bildergalerie online, Titel: «Räumung des Wohnungscamps an der Puerta del Sol». Bildunterschriften und Aufnahmedatum konnte die Recherche nicht einsehen, weil die Seite nicht abrufbar war.

Ob die Räumung am 2. oder 3. November stattfand, ist nicht bestätigt. Wer sie anordnete, wie viele Menschen betroffen waren und ob es Festnahmen gab, steht in den geprüften Quellen nicht.

Das Camp entstand Ende September nach einer Grossdemonstration, zu der das Sindicato de Inquilinas e Inquilinos de Madrid (Mietergewerkschaft) aufgerufen hatte. Auslöser war laut Euronews die Zwangsräumung der 87-jährigen Maricarmen Abascal im Madrider Viertel Retiro.

Am 28. September wurde eine Einigung erzielt, die ihre Rückkehr in die Wohnung ermöglichen sollte, wie Euronews meldete. Das Camp blieb trotzdem bestehen, dabei hatte sie dort 70 Jahre gelebt.

Wie gross war das Camp und wer wollte es räumen lassen?

Das Camp wuchs rasch: Das Mallorca Magazin zählte am 26. und 27. September rund 150 Zelte. Bis zum 30. September stieg die Zahl laut RTVC auf über 1.000 Menschen und rund 500 Zelte.

Mitte Oktober gab es nach Euronews eine Küche, eine Krankenstation, Rechtsberatung, eine Bibliothek und ein Reinigungskomitee. Geldspenden nahm das Camp nicht an, nur Sachspenden.

Am 29. September setzte die Comunidad de Madrid (Regionalregierung) unter Isabel Díaz Ayuso der Delegación del Gobierno (Vertretung der Zentralregierung) 48 Stunden, um das Camp zu räumen. Am 1. Oktober zog Ayuso laut RTVC vor Gericht.

Die Comunidad kann nicht selbst räumen, denn die Polizei untersteht dem Delegado Francisco Martín. Die Delegación verteidigt laut Artículo14 das Versammlungsrecht und fordert Respekt für den Protest.

Was entschied das Gericht, und was ist offen?

Am 5. Oktober lehnte das Tribunal Superior de Justicia de Madrid die sofortige Räumung ab. Die Auflösung von Versammlungen sei nur das letzte Mittel, nannte es laut Diario de León.

Zuerst wollte das Gericht die Abogacía del Estado hören, weil eine Räumung «physischen Zwang durch die Sicherheitskräfte» bedeuten könnte. Die Abogacía hatte bis zum 7. Oktober, 9.00 Uhr, Zeit, danach lief das Verfahren als ordentliche Eilmassnahme weiter.

Gegen den Beschluss vom 5. Oktober ist laut Diario de León kein Rechtsmittel möglich. Euronews berichtet, die Regionalregierung prüfe weiter alle rechtlichen Wege, auch den Obersten Gerichtshof.

Die Polizeigewerkschaft Jupol warf dem Delegado politische Nutzung der Polizei vor, wie ESdiario berichtet, eine Quelle mit parteiischer Färbung. Am 12. Oktober wurden laut RTVC bei Zusammenstössen zwischen Campern und rechten Gegendemonstranten ein Polizist verletzt und zwei Menschen festgenommen.

Gab es auch auf Teneriffa ein Camp?

Ja, in Santa Cruz de Tenerife campierte das Sindicato de Inquilinas en Tenerife (SIT, Mietergewerkschaft) auf der Plaza de La Candelaria, inspiriert vom Madrider Vorbild. Laut RTVC dauerte das Camp fünf Tage und ging am 5. Oktober 2026 freiwillig zu Ende.

Einen verlässlichen Beginn nennt die Recherche nicht, weil sich die gefundenen Daten widersprechen. Auch das Camp in Santa Cruz hat mit der Räumung in Madrid keinen bestätigten Zusammenhang.

Diario de Avisos berichtete von rund 60 Menschen, die auf der Plaza de España schliefen. Die Stadtverwaltung hatte ihnen 24 Stunden Frist gesetzt, der Protest zog daraufhin auf diesen Platz.

Nach RTVC zählte das SIT mehr als 200 Teilnehmende und rund 3.000 Besucher, die sich informieren wollten. Zum Ende sagte die Gewerkschaft, der Kampf sei nun stärker; Sprecher ist David González.

Auch die Wohnlage beziffert RTVC: 560.000 Kanarier leben in unzureichenden Wohnungen, das sind 25 Prozent der Bevölkerung. Dazu kommen mehr als 200.000 leere Immobilien auf den Inseln und Mietsteigerungen von über 120 Prozent in vielen Gemeinden.

Wann endet das Camp, und wie geht es weiter?

Das Sindicato de Inquilinas treibt seit dem 2. Oktober einen Generalstreik voran, der zusammen mit den grossen Gewerkschaften für den 11. November angesetzt ist. Laut Diario de León nennt es diesen Tag als letzten Tag des Camps, die Angabe stammt aus einem Suchausschnitt.

Ob das nationale Wohnungsdekret, das die Camper fordern, beschlossen ist, konnte die Recherche nicht klären. Diario de León berichtete laut Überschrift, frühere Wohnungsdekrete seien im Kongress gescheitert.

Einen Bezug der Madrider Räumung zu Teneriffa fand die Recherche nicht. Warum La Provincia die Galerie der Insel zuordnete, bleibt offen.