Kapitel 1

Das spanische Schulsystem in drei Minuten

Spanien hat Schulpflicht von 6 bis 16. Die Stufen:

  • Educación Infantil — Kindergarten, 0–6 Jahre, freiwillig aber meistens ab 3 Jahren besucht
  • Educación Primaria — Grundschule, 6–12 Jahre, sechs Jahrgangsstufen
  • Educación Secundaria (ESO) — Sekundarstufe I, 12–16 Jahre, vier Jahrgangsstufen, verpflichtend
  • Bachillerato — Sekundarstufe II, 16–18 Jahre, zwei Jahre, optional, Voraussetzung für die Uni
  • Formación Profesional (FP) — Berufsausbildung, Alternative zum Bachillerato

Auf Gran Canaria, wie überall in Spanien, gibt es drei Arten von Schulen:

Öffentlich (público) — staatlich finanziert, kostenlos. Anmeldung über das Bildungsministerium der Kanaren. Unterricht auf Spanisch. Grosse Streuung in der Qualität — es gibt exzellente öffentliche Schulen und schwächere.

Konzertiert (concertado) — halb-privat. Staatlich subventioniert, aber mit eigener Trägerschaft (oft religiös). Die Unterrichtsgebühren selbst sind kostenlos, aber es kommen freiwillige Beiträge, Materialien, Aktivitäten dazu — meist 50 bis 200 Euro pro Monat. Anmeldung ähnlich wie bei öffentlichen.

Privat (privado) — voll privat, keine staatliche Subvention. Meistens internationale Schulen mit eigenen Lehrplänen (British, German, American, IB). Preise zwischen 4.000 und 15.000 Euro Jahresgebühr. Direkte Anmeldung bei der Schule.

Kapitel 2

Öffentliche Schulen: was dich erwartet

Gran Canaria hat Hunderte öffentliche Schulen, verteilt über die ganze Insel. Das System funktioniert nach Schulbezirken — dein Wohnort bestimmt, in welchem Einzugsgebiet du bevorzugt einen Platz bekommst.

Was gut funktioniert:

  • Kostenlos. Wirklich. Kein Schulgeld, keine Anmeldegebühr
  • Überall verfügbar. Auch in kleinen Gemeinden
  • Mittagessen meist für 2–4 Euro pro Tag subventioniert
  • Komplette spanische Integration — wenn du willst, dass dein Kind fliessend Spanisch lernt, ist das der direkte Weg

Was weniger gut funktioniert:

  • Klassengrössen — oft 25 Kinder pro Klasse, in beliebten Schulen mehr
  • Sprachsupport für Nicht-Spanisch-Sprecher ist vorhanden, aber unterschiedlich stark je Schule
  • Englisch-Unterricht auf sehr unterschiedlichem Niveau

Schulen mit bilingualem Programm (Spanisch-Englisch) sind in den letzten Jahren auch im öffentlichen System stärker geworden. Die Kanaren haben ein offizielles Programm namens AICLE/CLIL, mit dem immer mehr öffentliche Schulen bilingual werden.

*Tipp: Das Portal der kanarischen Regierung gobiernodecanarias.org/educacion listet alle öffentlichen Schulen auf, mit Sprachprogrammen und Öffnungszeiten.*

Kapitel 3

Konzertierte Schulen: der Mittelweg

Colegios concertados sind der spanische Sonderweg: privat geführt, staatlich finanziert. In der Regel mit religiöser Trägerschaft (katholisch, zum Teil aber auch laizistisch).

Vorteile:

  • Pro Monat meist 50 bis 200 Euro, oft weniger als eine Privatschule
  • Kleinere Klassen als im öffentlichen System in manchen Fällen
  • Stabileres Lehrerkollegium
  • Extracurriculare Angebote, Ganztagsbetreuung

Nachteile:

  • Teilweise religiös geprägt. Wer das nicht will, muss gezielt laizistische Optionen suchen (einige bieten Religion als Wahlfach an)
  • Warte­listen für beliebte Schulen
  • Die "freiwilligen" Beiträge sind oft faktisch obligatorisch

Bekannte Colegios concertados auf Gran Canaria: Colegio San Ignacio de Loyola (Jesuiten) und Colegio Los Ángeles in Las Palmas, Colegio Norte in Guanarteme — alle seit Jahrzehnten etabliert.

Kapitel 4

Internationale Privatschulen: wenn dein Kind kein Spanisch sprechen soll

Hier kommen die Schulen, die Expat-Familien am häufigsten wählen — mit Lehrplänen aus UK, Deutschland, USA, oder International Baccalaureate.

Deutsche Schule Las Palmas (DSLPA)

In Tafira, nördlich von Las Palmas. Deutscher Lehrplan, Unterricht auf Deutsch, akkreditiert von der deutschen Zentralstelle für das Auslandsschulwesen. Kinder von 3 bis 18 Jahren. Abschluss: deutsches Abitur.

Gebühren 2025/2026: 4.560 bis 5.980 Euro pro Jahr je nach Stufe. Plus Einschreibegebühren, Material, Mittagessen.

Ideal für: Deutschsprachige Familien, die nur ein paar Jahre bleiben und den Anschluss an das deutsche Schulsystem halten wollen.

British School of Gran Canaria (BSGC)

In Tafira. UK-Lehrplan, Unterricht auf Englisch, COBIS-akkreditiert. Kinder von 3 bis 18. Abschluss: A-Levels, Anschluss an britische und internationale Unis.

Gebühren werden nicht öffentlich veröffentlicht — Interessierte müssen direkt anfragen. Erwarte 7.000 bis 12.000 Euro pro Jahr je nach Stufe.

Oakley College

Ebenfalls britisches Curriculum, Las Palmas. Kleinere Klassen, familiäres Umfeld. Internationale Lehrer, Unterricht hauptsächlich auf Englisch. Mehrfach als Top-Schule Spaniens ausgezeichnet.

The American School of Las Palmas

Privat, amerikanisches Curriculum, bilingual Spanisch-Englisch. Vom US-Bildungsministerium akkreditiert. Kinder von 3 bis 18 Jahren.

Colegio Heidelberg

Trilingual — Spanisch, Deutsch, Englisch. International Baccalaureate ab der Sekundarstufe. Kinder von 2 bis 18. Interessant für Familien, die ihre Kinder in mehreren Sprachen parallel fördern wollen.

Canterbury School

In Maspalomas-San Agustín (Süden) und zweiter Campus in Las Palmas. British Curriculum, Unterricht auf Englisch mit starkem Spanisch-Anteil. Für Familien im Süden der Insel besonders relevant — einer der wenigen internationalen Schulstandorte südlich von Las Palmas.

San Antonio International School

Bilingual Spanisch-Englisch, mit UK-Einflüssen im Curriculum. Moderner Campus, Fokus auf ganzheitliche Bildung.

*Hinweis: Die Gebührenangaben gelten für das Schuljahr 2025/2026 und können sich ändern. Einschreibegebühren (matrícula), Uniform, Schulbus, Materialien und Mittagessen kommen meistens zusätzlich dazu — rechne mit 20–40% on top.*

Kapitel 5

Einschulung: der bürokratische Pfad

Öffentlich und konzertiert

Anmeldezeitraum für das nächste Schuljahr ist typischerweise März bis April. Du musst:

  1. Empadronamiento haben — die Meldebestätigung vom Rathaus. Ohne geht nichts.
  2. NIE für Eltern und Kinder
  3. Kopien der Pässe
  4. Impfbuch (cartilla de vacunación) oder Nachweis der Impfungen
  5. Geburtsurkunde der Kinder (übersetzt und apostilliert, wenn aus dem Ausland)
  6. Bisherige Schulzeugnisse (für Quereinsteiger)
  7. Anmeldeformular der kanarischen Bildungsbehörde

Die Anmeldung läuft online über das Portal der kanarischen Regierung oder direkt an der Wunschschule. Du gibst meistens drei Wünsche an. Das System verteilt nach Punktesystem: Einzugsgebiet, Geschwister an der Schule, Einkommen, Behinderungen.

Wichtig: Kinder, die mitten im Schuljahr ankommen, können auch ausserhalb des regulären Anmeldezeitraums aufgenommen werden. Die Bildungsbehörde weist dann einen Platz zu — nicht immer an der Wunschschule.

Privatschulen

Direkter Kontakt mit der Schule. Oft mit Aufnahmeprüfung, Interview, Wartelisten. Für deutsche und britische Schulen fängt der Anmeldeprozess oft ein Jahr im Voraus an. Wer mitten im Jahr anreist, hat trotzdem Chancen — aber beliebte Stufen (Primaria, Secundaria) sind meist voll.

Kapitel 6

Die wichtigste Frage: Wo sollst du wohnen?

Der Schulstandort entscheidet mit über den Wohnort:

  • Las Palmas (Tafira, Siete Palmas, Guanarteme) — hier sind fast alle internationalen Schulen. Wer sein Kind auf die Deutsche Schule, BSGC, Oakley oder Heidelberg schickt, sollte im Einzugsgebiet wohnen. Schulbus gibt es meistens, aber die Fahrten sind lang.
  • San Agustín / Maspalomas (Süden) — Canterbury School ist der Hauptanker für Expat-Kinder im Süden. Ansonsten öffentliche und konzertierte Schulen.
  • Telde — Brains International School und mehrere öffentliche Optionen. Günstiger zu wohnen als Las Palmas, gute Busanbindung.
  • Gáldar, Arucas, Norden — überwiegend öffentliche Schulen, meist auf Spanisch. Wer nach oben in die Berge will, sollte akzeptieren, dass die Kinder in den spanischen Schulalltag eintauchen.
Kapitel 7

Was du in den ersten Wochen machen musst

Checkliste für Familien, die gerade ankommen:

  1. Empadronamiento beantragen. Rathaus (ayuntamiento) deiner Gemeinde. Braucht NIE oder Pass, Mietvertrag oder Eigentumsnachweis
  2. Beim NIE Kinder mit eintragen — geht zusammen mit dem Elternantrag
  3. Schulen besichtigen — auch wenn es noch kein Anmeldezeitraum ist, die meisten Schulen nehmen Termine. Öffentlich, konzertiert, international — alle drei Optionen anschauen, bevor du dich festlegst
  4. Gesundheitskarte (Tarjeta Sanitaria) für Kinder beantragen — wichtig für Schulmedizin, Impfungen
  5. Impfbuch prüfen lassen — spanische Schulen verlangen bestimmte Impfungen. Hepatitis B, Meningokokken, HPV, Masern. Fehlende Impfungen müssen nachgeholt werden
  6. Dokumente übersetzen und apostillieren — Geburtsurkunden, Zeugnisse. Geht über Notar oder offizielle Übersetzer
  7. Extracurriculares recherchieren — Sportclubs, Musikschulen, Sprachschulen. Die richtigen Aktivitäten machen die Integration leichter
Kapitel 8

Integrationsrealität: was wirklich passiert

Die meisten Expat-Kinder, die auf öffentliche oder konzertierte Schulen gehen, sprechen nach sechs bis zwölf Monaten fliessend Spanisch. Kinder unter zehn Jahren integrieren sich fast spielerisch. Jugendliche zwischen 12 und 16 haben es schwerer — sowohl sprachlich als auch sozial.

Kinder in internationalen Schulen lernen Spanisch als Fach, aber ihr Alltag bleibt Englisch- oder Deutsch-dominiert. Wer später lokal im Arbeitsmarkt bleiben will, profitiert vom öffentlichen System. Wer die Inseln nur für ein paar Jahre besucht und den Anschluss an sein Herkunftsland halten will, ist auf einer internationalen Schule besser aufgehoben.

Mischmodell: Manche Familien starten an einer internationalen Schule (Orientierungsphase, Sprache lernen, Freundschaften aufbauen) und wechseln später ins öffentliche System, sobald die Kinder genug Spanisch können. Das funktioniert, braucht aber Planung.

Kapitel 9

Besondere Förderung und Inklusion

Kinder mit besonderen Bedürfnissen haben in Spanien ein gesetzliches Recht auf Unterstützung. Öffentliche Schulen bieten:

  • Apoyo escolar — pädagogische Extra-Unterstützung
  • Logopäden, Psychologen in den grossen Bezirken
  • Aulas Enclave — Klassen für Kinder mit schwerer Behinderung
  • Programme für Hochbegabte (alta capacidad)

Internationale Schulen haben eigene Learning-Support-Programme, aber nicht alle akzeptieren Kinder mit starken Lernbedürfnissen. Vorab klären.

Kapitel 10

Einordnung: was die Inseln besonders macht

Die Kanaren haben Besonderheiten, die du vom Festland so nicht kennst:

  • Schuljahr startet Anfang bis Mitte September, endet Mitte Juni. Sommerferien sind lang
  • Weihnachtsferien fast drei Wochen
  • Semana Santa (Osterwoche) ganze Woche Pause
  • Kanarische Feiertage — Día de Canarias (30. Mai), Insel-spezifische Tage
  • Wetter erlaubt viel Outdoor-Lernen — Schwimmen ab April im Pool, ganzjährig Pausen draussen

Die Ferien haben Vorteile: lange Sommerpausen sind ideal für Grosseltern-Besuche oder Reisen ins Herkunftsland. Nachteile: Kinderbetreuung über den Sommer ist teuer und muss früh gebucht werden — Sommercamps (campamentos de verano) auf Gran Canaria gibt es viele, aber die guten sind früh voll.

Kapitel 11

Fazit

Gran Canaria bietet Expat-Familien drei echte Optionen: ein solides öffentliches System für vollständige spanische Integration, einen konzertierten Mittelweg, und mehrere hervorragende internationale Schulen für Familien, die den Anschluss an ihr Herkunftsland halten wollen.

Der wichtigste Rat: fang früh an. Sowohl mit den Papieren (Empadronamiento, NIE, Apostillen) als auch mit der Schulsuche. Wer im August mit zwei Kindern und keinem Platz anreist, hat einen schwierigen September vor sich.

Die zweite wichtige Empfehlung: besuch die Schulen persönlich. Websites erzählen wenig, und der Eindruck vor Ort entscheidet. Rede mit Lehrern, anderen Eltern, wenn möglich mit älteren Schülern. Das entscheidet mehr als Gebührentabellen.

Dein Kind wird sich einleben. Das passiert auf Gran Canaria erfahrungsgemäss schneller als in vielen grossen Städten — Schulen sind kleiner, Gemeinschaften enger, und die Kinder-Kultur der Insel ist warm und integrativ.

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*Stand: April 2026. Gebühren, Anmeldeprozesse und Schulangebote können sich ändern. Konkrete aktuelle Informationen auf den Schul-Websites oder beim Bildungsministerium der Kanaren (gobiernodecanarias.org/educacion).*

*Dieser Artikel ist Teil der CITA News Relocate-Serie. Vorherige Teile: [Internet und Co-Working](/de/internet-coworking-gran-canaria-relocation-guide.html) · [Auto kaufen oder mieten](/de/auto-kaufen-mieten-gran-canaria-relocation-guide.html). Nächster Teil: Gesundheit und Versicherung.*