Kapitel 1

Drei Inseln in einer: Süden, Mitte, Norden

Bevor du losziehst, hilft ein einfaches Bild: Gran Canaria ist kreisrund und wie ein Kuchen in drei Stücke geteilt. Der Süden ist sonnig, trocken und voller Strände. Die Mitte ist gebirgig, grün und kühl — hier thront der Roque Nublo. Der Norden ist fruchtbar, lebendig und echt, mit der Hauptstadt Las Palmas und weissen Dörfern.

Das Schöne: Alles ist nah. Vom Strand im Süden bis zum Gipfel in der Mitte ist es nur eine knappe Autostunde. An einem einzigen Tag kannst du morgens am Meer liegen und nachmittags im Pinienwald wandern.

Für die Küstenorte reichen Bus und Taxi (siehe unseren Fortbewegungs-Guide). Aber für die Berge und Dörfer im Inneren lohnt sich ein Mietwagen — die schönsten Ecken liegen abseits der Buslinien.

Kapitel 2

Roque Nublo: das Wahrzeichen im Wolkenmeer

Wenn ein Bild für Gran Canaria steht, dann dieses: der Roque Nublo, ein 80 Meter hoher Felszacken auf 1.813 Metern Höhe, der wie ein versteinerter Finger in den Himmel zeigt. Oben stehst du oft über den Wolken — ein „mar de nubes", ein Wolkenmeer, aus dem an klaren Tagen sogar der Teide auf Teneriffa herausragt.

Die gute Nachricht: Du musst kein Bergsteiger sein. Vom Parkplatz an der Strasse (La Goleta) führt ein gut begehbarer Weg in etwa 30 bis 45 Minuten hinauf zum Fuss des Felsens. Festes Schuhwerk, Wasser und eine Jacke (oben ist es kühler und windiger) genügen.

Ein ehrlicher Tipp: Der Parkplatz ist klein und früh voll. Komm am besten vormittags — dann hast du Platz, gutes Licht und oft die klarste Sicht. Prüfe vor dem Besuch kurz, ob für den Weg gerade eine Reservierung nötig ist, das kann sich ändern.

Kapitel 3

Die Dünen von Maspalomas & der sonnige Süden

Im Süden wartet das zweite grosse Wahrzeichen: die Dünen von Maspalomas, ein kleines Stück Sahara direkt am Atlantik. Das Naturschutzgebiet aus goldenem Wandersand ist besonders bei Sonnenauf- und -untergang magisch, wenn die Hügel rosa-golden leuchten. Drumherum: der historische Leuchtturm, kilometerlange Strände und Playa del Inglés.

Hier ist auch das Reich der Familien-Highlights — der Palmitos Park (Tierpark mit Papageien- und Delfinshow) und mehrere Wasserparks liegen gleich um die Ecke. Wer es ruhiger mag, läuft einfach am Wasser entlang in die Dünen hinein.

💡 TippDie Dünen sind Naturschutzgebiet — wunderschön, aber bitte auf den markierten Wegen bleiben und nichts hinterlassen.
Kapitel 4

Puerto de Mogán & die Westküste

Fährst du von Maspalomas die Westküste entlang, wird es bergiger und stiller — und du erreichst den wohl hübschesten Ort der Insel: Puerto de Mogán. Wegen seiner kleinen Kanäle und Brücken nennen es alle „Klein-Venedig": weiss getünchte Häuser, bunte Blumen, ein entspannter Fischerhafen und der schönste Sonnenuntergang weit und breit.

Unterwegs lohnt ein Stopp in den geschützten Badebuchten von Puerto Rico, Amadores und Anfi del Mar mit ruhigem, türkisem Wasser. Vom Hafen in Mogán starten ausserdem Bootsausflüge und Delfin-Touren.

Ein Erlebnis für sich ist die Anfahrt von oben: Die Bergstrasse GC-605 von Pico de las Nieves hinunter nach Mogán gilt als eine der spektakulärsten Strecken der Insel — kurvig, einsam, atemberaubend.

Kapitel 5

Las Palmas: Altstadt, Kathedrale & Stadtstrand

Die Hauptstadt Las Palmas im Norden ist ein Tag für sich. Das Herz ist die Altstadt Vegueta, ein Labyrinth aus Kopfsteinpflaster, Herrenhäusern und Plätzen aus dem 15. Jahrhundert. Hier steht die Kathedrale Santa Ana (deren Turm du für einen tollen Ausblick besteigen kannst) und das Casa de Colón — ein Museum im Haus, in dem Christoph Kolumbus auf dem Weg nach Amerika Halt gemacht haben soll.

Danach gehört der Nachmittag dem Stadtstrand Las Canteras: ein gut drei Kilometer langer goldener Bogen mitten in der Stadt, durch ein vorgelagertes Riff badewannenruhig — von vielen zu den schönsten Stadtstränden Europas gezählt. Schwimmen, an der Promenade flanieren, Tapas essen.

Mit anderen Worten: Las Palmas ist kein Anhängsel, sondern eine echte spanische Stadt — Kultur, gutes Essen und Strand auf einmal.

Kapitel 6

Die Bergdörfer: Tejeda, Teror & Artenara

Wer nur am Strand bleibt, verpasst die Seele der Insel. Die liegt in den Bergdörfern. Tejeda, mitten in einem riesigen Vulkankrater gelegen, sieht aus wie ein andalusisches „weisses Dorf" und gilt als einer der schönsten Orte Spaniens — mit Blick auf den Roque Bentayga und berühmt für Mandeln und Mandellikör.

Teror ist das herzlichste Dorf der Insel: bunte Häuser mit kunstvoll geschnitzten Holzbalkonen und die Basilika der Jungfrau vom Pino, die wichtigste Wallfahrtskirche Gran Canarias. Der Sonntagsmarkt mit der berühmten Teror-Chorizo ist ein Fest für sich.

Noch höher und stiller liegt Artenara, das höchstgelegene Dorf der Insel, mit Höhlenwohnungen und einem Panorama, das bis zum Roque Nublo reicht. Zusammen sind diese Dörfer der perfekte Kontrast zum Trubel der Küste.

Kapitel 7

Der grüne Norden: Agaete, Arucas & Guayadeque

Der Norden und Osten überraschen mit sattem Grün und echtem Inselleben. Im Nordwesten liegt Agaete mit dem malerischen Hafen Puerto de las Nieves: Naturschwimmbecken im Atlantik, frischer Fisch und das grüne Valle de Agaete, in dem sogar Kaffee angebaut wird — eine Rarität in Europa.

In Arucas steht die neugotische Kirche San Juan Bautista, die mit ihren Türmen fast wie eine Kathedrale wirkt, dazu eine traditionsreiche Rum-Destillerie (Arehucas). Und der Barranco de Guayadeque im Osten ist eine der dramatischsten Schluchten der Insel — mit echten Höhlenwohnungen und Restaurants, die direkt in den Fels gegraben sind. Dort zu Mittag zu essen, ist ein Erlebnis.

Wer Zeit hat, kombiniert das mit einem Abstecher zum Cenobio de Valerón, einer beeindruckenden Speicher-Höhlenanlage der Ureinwohner.

Kapitel 8

Die perfekte Route: 3 Tage & 5 Tage

Damit du nicht selbst tüfteln musst — hier zwei fertige Routen. Beide setzen einen Mietwagen für die Bergtage voraus.

Wenn du 3 Tage hast (die Highlights):

  • Tag 1 – Süden: vormittags die Dünen von Maspalomas und der Leuchtturm, nachmittags rüber nach Puerto de Mogán zum Sonnenuntergang.
  • Tag 2 – die Berge: hinauf zum Pico de las Nieves (Aussicht ohne Wandern), dann die kurze Wanderung zum Roque Nublo, Mittagessen in Tejeda, Rückweg über die spektakuläre GC-605.
  • Tag 3 – Norden & Hauptstadt: vormittags Teror, nachmittags Las Palmas mit Vegueta, Kathedrale und dem Strand Las Canteras.

Wenn du 5 Tage hast (die ganze Insel in Ruhe): Nimm die drei Tage von oben und ergänze:

  • Tag 4 – Nordwesten: Agaete, Puerto de las Nieves mit den Naturschwimmbecken und das grüne Valle de Agaete.
  • Tag 5 – Osten & Entspannung: der Barranco de Guayadeque mit Mittagessen im Höhlenrestaurant und ein Stopp in Arucas — oder einfach ein zweiter, fauler Strandtag.

Der beste Tipp zum Schluss: Plane nicht jede Minute. Gran Canaria belohnt das Bummeln — den spontanen Halt am Aussichtspunkt, den zweiten Café in Tejeda, den Strand, der gerade vorbeikommt.

Häufige Fragen

Was muss man auf Gran Canaria gesehen haben?
Die Top-Klassiker: den Roque Nublo, die Dünen von Maspalomas, Puerto de Mogán, die Altstadt von Las Palmas und mindestens ein Bergdorf wie Tejeda oder Teror. Für Natur dazu Pico de las Nieves und der Barranco de Guayadeque.
Reichen 3 Tage für Gran Canaria?
Für die Highlights ja: ein Tag Süden, ein Tag Berge (Roque Nublo), ein Tag Norden/Hauptstadt. Wer die ganze Insel in Ruhe sehen will, plant besser 5 Tage ein.
Braucht man für den Roque Nublo eine Reservierung?
Das kann sich ändern — manche Wege auf der Insel sind reservierungspflichtig. Prüfe es kurz vor dem Besuch. Der Parkplatz ist klein, komm am besten vormittags.
Braucht man einen Mietwagen?
Für die Küstenorte reichen Bus und Taxi. Für die Bergdörfer, den Roque Nublo und die schönsten Aussichtsstrassen ist ein Mietwagen klar im Vorteil.
Wann ist die beste Reisezeit für Ausflüge?
April bis Juni und September bis November: angenehme Temperaturen zum Wandern, weniger Trubel und günstiger als in der Winter-Hochsaison.
Was ist die schönste Strecke der Insel?
Viele sagen: die Bergstrasse GC-605 vom Pico de las Nieves hinunter nach Mogán — kurvig, einsam und atemberaubend.
Was sollte man in Las Palmas sehen?
Die Altstadt Vegueta mit der Kathedrale Santa Ana und dem Casa de Colón, dazu den Stadtstrand Las Canteras.