Es ist ein kleines, feines Sommer-Highlight für alle, die das Besondere suchen: Die Semana de Cine Japonés kehrt zum 24. Mal zurück und verwandelt die ehrwürdige Casa de Colón im Herzen des alten Vegueta-Viertels in einen Kinosaal. Vom 27. bis zum 31. Juli 2026 steht jeden Abend um 19:30 Uhr ein anderer Film auf dem Programm, und das Beste daran: Du brauchst kein Ticket, nur etwas Zeit und die Lust, in fremde Bildwelten einzutauchen.
In diesem Jahr haben sich die Organisatoren der Asociación de Cine Vértigo etwas Besonderes ausgedacht. Statt eines breiten Querschnitts widmet sich das Festival komplett einem einzigen Regisseur: Kiyoshi Kurosawa. Der oft als „Meister des subtilen Horrors“ bezeichnete Filmemacher ist nicht mit dem berühmten Akira Kurosawa verwandt, hat sich aber längst seinen eigenen Platz in der Filmgeschichte gesichert. Sein Stil ist geprägt von einer schleichenden, fast gespenstischen Spannung, die sich oft hinter alltäglichen Fassaden verbirgt. Die Kuratoren sprechen von einer „beunruhigenden Fremdartigkeit“ – und genau dieses Gefühl wirst du in den fünf ausgewählten Werken immer wieder spüren.
Der Auftakt mit Vortrag: Ein Blick hinter die Bilder
Bevor am Montag, dem 27. Juli, der erste Film über die Leinwand flimmert, hast du die Gelegenheit, tiefer in die Materie einzusteigen. Um 18:30 Uhr hält Jesús García Hermosa, Mitglied der Asociación de Cine Vértigo, einen Einführungsvortrag mit dem Titel „El futuro ya no es lo que era: de la década perdida al colapso digital“ – zu Deutsch etwa: „Die Zukunft ist nicht mehr das, was sie einmal war: Vom verlorenen Jahrzehnt zum digitalen Kollaps“. Es geht um die gesellschaftlichen und technologischen Umbrüche im modernen Japan, die wie ein roter Faden durch Kurosawas Werk verlaufen. Ein idealer Einstieg, um die Filme danach mit anderen Augen zu sehen. Direkt im Anschluss, um 19:30 Uhr, läuft dann der erste Film der Reihe: „Cure“.
Die Casa de Colón ist für dieses Format wie geschaffen. Das geschichtsträchtige Gebäude mit seinem lauschigen Innenhof und den alten Steinmauern bietet eine intime Atmosphäre, die perfekt zu den oft kammerspielartigen Filmen passt. Du sitzt nicht in einem anonymen Multiplex, sondern in einem kulturellen Wohnzimmer, umgeben von Gleichgesinnten. Die Mischung aus lokalen Cineasten, Studierenden und internationalen Residenten sorgt für ein entspanntes, offenes Publikum. Es ist ein Ort, an dem man nach dem Film noch auf ein Wort im Hof stehen bleibt und über das Gesehene diskutiert – typisch für die lebendige Kulturszene der Inselhauptstadt.
Fünf Filme, fünf Facetten eines Ausnahmeregisseurs
Das Programm ist kompakt, aber klug kuratiert. Es deckt verschiedene Schaffensphasen Kurosawas ab und zeigt, wie wandlungsfähig er ist, ohne seine typische Handschrift zu verlieren. Die Reise beginnt mit zwei Filmen, die ihn international bekannt gemacht haben und bis heute Kultstatus genießen.
„Cure“ (1997) ist ein hypnotischer Thriller, der dich in den Bann eines Serienmörders zieht, der seine Opfer ohne direkte Berührung tötet. Ein Ermittler taucht immer tiefer in einen Strudel aus Amnesie und suggestiver Gewalt ein. Der Film gilt als Schlüsselwerk des japanischen Horrorfilms der späten 1990er Jahre und hat Regisseure auf der ganzen Welt beeinflusst. „Pulse“ (Kairo, 2001) wiederum ist eine düstere Geistergeschichte, die das Internet und die wachsende soziale Isolation thematisiert – ein Film, der heute, im Zeitalter allgegenwärtiger digitaler Vernetzung, fast prophetisch wirkt. Die Szenen, in denen Geister durch Computermonitore in die Welt der Lebenden eindringen, sind zu Ikonen des Genres geworden.
Einen völligen Tonwechsel bringt „Tokyo Sonata“ (2008). Hier verlässt Kurosawa das Horror-Genre und erzählt die leise, erschütternde Geschichte einer japanischen Familie, die nach dem Jobverlust des Vaters auseinanderzubrechen droht. Es ist ein präzises Sozialdrama über Scham, Stolz und das Schweigen innerhalb einer Familie, das mit dem Jury-Preis in Cannes ausgezeichnet wurde. Mit „La mujer del espía“ (Wife of a Spy, 2020) entführt er dich in das Japan der 1940er Jahre. Ein Kaufmann in Kobe gerät in ein gefährliches Netz aus Spionage und Verrat, während seine Frau beginnt, die düsteren Geheimnisse ihres Mannes zu hinterfragen. Der Film ist ein visuell opulentes, klassisch erzähltes Historiendrama, das mit einem silbernen Löwen in Venedig prämiert wurde. Den Abschluss macht „Cloud“ (2024), Kurosawas jüngstes Werk, das die Reihe in die Gegenwart holt und thematisch den Bogen zur digitalen Entfremdung aus „Pulse“ schlägt.
Kein Ticket, keine Reservierung – so kommst du rein
Die Semana de Cine Japonés ist eine bewusst niedrigschwellige Veranstaltung. Es gibt keine Kasse, keine Online-Buchung, keine versteckten Kosten. Das Motto lautet schlicht: „Entrada gratuita. Aforo limitado“ – freier Eintritt, solange Plätze verfügbar sind. Das ist in einer Zeit, in der selbst kleine Kulturevents oft mit Vorverkaufsgebühren und komplizierten Buchungssystemen daherkommen, eine wohltuende Ausnahme. Es unterstreicht den gemeinschaftlichen, fast familiären Charakter des Festivals, das von einem engagierten Filmclub getragen wird.
Für dich bedeutet das: Einfach hingehen, Schlange stehen und auf einen Sitzplatz hoffen. Die Casa de Colón ist kein riesiger Saal, die Kapazität ist überschaubar. Das ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits entsteht eine konzentrierte, fast private Kinoatmosphäre. Andererseits kann es bei den populäreren Filmen eng werden. Ein kleiner Wermutstropfen für alle, die kein Spanisch sprechen: Die Filme laufen in japanischer Originalfassung mit spanischen Untertiteln. Das ist bei diesem Festival seit Jahren der Standard und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch 2026 so sein, auch wenn es in der aktuellen Ankündigung nicht explizit wiederholt wird. Wenn du also weder Japanisch noch Spanisch verstehst, wird es schwierig, der Handlung im Detail zu folgen. Aber vielleicht ist das bei Filmen, die so stark von Bildern und Atmosphäre leben, ja gar nicht das Wichtigste.
Ein perfekter Abend in Vegueta
Die Lage der Casa de Colón ist ein weiteres starkes Argument für einen Besuch. Du befindest dich mitten im historischen Vegueta, dem ältesten Stadtviertel von Las Palmas. Die gepflasterten Gassen, die kolonialen Fassaden und die laternenbeleuchteten Plätze versetzen dich ohnehin in eine andere Zeit – ein Spaziergang hierher ist bereits Teil des Erlebnisses. Von der belebten Einkaufsstraße Triana aus erreichst du die Casa de Colón in wenigen Gehminuten. Auch die städtischen Busse, die Guaguas Municipales, halten in der Nähe.
Kombiniere den Kinobesuch doch mit einem kleinen kulinarischen Ausflug. In Vegueta und dem angrenzenden Triana findest du unzählige Tapas-Bars, gemütliche Cafés und gute Restaurants. Ein frühes Abendessen, ein Bummel über die Plaza de Santa Ana und dann um 19:30 Uhr ab in den Kinosaal – so lässt sich ein Sommerabend auf Gran Canaria kaum schöner gestalten. Und das Beste: Du tust etwas für deinen kulturellen Horizont, ohne dass es dich einen Cent kostet. Die Organisatoren der Asociación de Cine Vértigo und die Casa de Colón als Gastgeber machen es möglich. Es ist ein kleines Geschenk an die Stadt und ihre Besucher, das zeigt, wie lebendig und zugänglich die Kulturszene der Insel ist.
Häufige Fragen
- Muss ich Eintrittskarten kaufen oder reservieren?
- Nein, der Eintritt ist komplett kostenlos und eine Reservierung ist nicht möglich. Es gilt das Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Sei einfach rechtzeitig da.
- Wo genau in Las Palmas findet das Festival statt?
- In der Casa de Colón, einem Museum und Kulturzentrum in der Altstadt Vegueta. Die Adresse ist Calle Colón 1, 35001 Las Palmas de Gran Canaria.
- Ist Kiyoshi Kurosawa persönlich vor Ort?
- Nach aktuellem Stand der Ankündigungen ist keine physische Anwesenheit des Regisseurs vorgesehen. Es handelt sich um eine Retrospektive seiner Werke, nicht um einen Workshop oder eine Masterclass mit ihm.
- Kann ich die Filme auch ohne Spanischkenntnisse verstehen?
- Das wird schwierig. Die Filme laufen auf Japanisch und sind spanisch untertitelt. Wenn du keine dieser Sprachen sprichst, wirst du den Dialogen nicht folgen können, auch wenn die starke Bildsprache für sich wirkt.
- Welcher Film ist für Einsteiger am besten geeignet?
- Wenn du Kurosawa noch nicht kennst, bietet „Tokyo Sonata“ einen zugänglichen Einstieg als packendes Familiendrama. Für Thriller-Fans ist „Cure“ ein absolutes Muss, während „Pulse“ perfekt für Liebhaber von subtilem Horror ist.
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Stand: Juli 2026. Alle Angaben basieren auf den offiziellen Ankündigungen der Asociación de Cine Vértigo und der Casa de Colón. Kurzfristige Programmänderungen sind theoretisch möglich, aber nicht zu erwarten.
