KANAREN · ARBEITSMARKT

Babyboomer gehen in Rente: 41.600 Jobs bleiben auf den Kanaren offen

Der massenhafte Renteneintritt der Babyboomer-Generation wird auf den Kanaren in den kommenden zehn Jahren eine spürbare Lücke auf dem Arbeitsmarkt hinterlassen. Rund 41.600 Menschen im erwerbsfähigen Alter dürften den Arbeitsmarkt zwischen 2030 und 2040 verlassen – mehr, als an jungen Kräften nachrückt. Das geht aus einer Analyse der Fundación Adecco hervor, über die Canarias7 und Libertad Digital am 20. August 2026 berichteten.

21. August 2026 · Von Julia Roca Bethencourt · 5 Min.
Erfahrene Fachkraft bei der Arbeit

Foto: Tomas Castelazo, CC BY-SA 3.0 (Symbolbild).

Gemeint ist ein struktureller Wandel, kein plötzlicher Einbruch: ein Generationenwechsel (relevo generacional), der sich über ein ganzes Jahrzehnt zieht. Für die Unternehmen des Archipels stellt sich damit die Frage, woher künftig die Fachkräfte kommen sollen.

Die Zahl: 41.600 offene Stellen

Laut der Analyse der Fundación Adecco mit dem Titel "Inclusión y Empleo ante el reto demográfico" ("Inklusion und Beschäftigung angesichts der demografischen Herausforderung") werden zwischen 2030 und 2040 rund 41.600 Menschen im erwerbsfähigen Alter aus dem kanarischen Arbeitsmarkt ausscheiden – genauer 41.662, so die über Canarias7 und Libertad Digital verbreiteten Zahlen.

Im selben Zeitraum werden auf den Kanaren rund 183.000 Menschen im Alter von 65 Jahren und älter erwartet. Die Zahl steht für den demografischen Druck hinter der Lücke. Es handelt sich um eine Projektion, nicht um ein feststehendes Ergebnis.

Warum die Lücke entsteht

Hintergrund ist eine Verschiebung der Altersstruktur. Die Gruppe der 50- bis 64-Jährigen ist auf den Kanaren derzeit um 37,6% größer als die der 20- bis 34-Jährigen, so die Analyse. Bis 2040 soll sich dieser Abstand auf 29,1% verringern – aber vor allem, weil die Älteren in Rente gehen, nicht weil mehr Junge nachkommen.

Als Ursache gelten die niedrigen Geburtenraten seit 2010. Es treten schlicht weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt ein, als ältere ihn altersbedingt verlassen.

Woher die Fachkräfte kommen sollen

Die Analyse nennt drei Gruppen, bei denen Unternehmen künftig verstärkt nach Talent suchen dürften: ältere Beschäftigte, die ihren Renteneintritt hinauszögern (talento senior, ab 55 Jahren), Zugewanderte über eine geordnete, am tatsächlichen Bedarf orientierte Migration sowie Menschen mit Behinderung.

Francisco Mesonero, Generaldirektor der Fundación Adecco, verweist laut den Berichten darauf, dass es darauf ankomme, das Erfahrungswissen älterer Beschäftigter zu halten und weiterzubilden, Qualifikationslücken zu schließen und Migration an den realen Bedarf des Arbeitsmarktes zu koppeln.

Ein Übergang über zehn Jahre

Der Befund ist analytisch, nicht alarmistisch zu lesen. Die Lücke entsteht nicht auf einen Schlag, sondern verteilt sich über die Jahre 2030 bis 2040. Besonders exponiert sind nach der Logik der Analyse jene Bereiche, die stark auf erfahrenes Personal angewiesen sind und in denen Wissen schwer kurzfristig zu ersetzen ist.

Wie groß die Lücke am Ende tatsächlich ausfällt, hängt von mehreren Stellschrauben ab: von der Zuwanderung, der Erwerbsbeteiligung Älterer und von Frauen sowie davon, wie viele Menschen ihren Renteneintritt freiwillig verschieben.

Was das für Unternehmen bedeutet

Für die Wirtschaft des Archipels bedeutet der Übergang, dass Personalplanung längerfristig gedacht werden muss. Die Analyse legt nahe, Erfahrungswissen im Betrieb zu halten, gezielt weiterzubilden und Belegschaften vielfältiger aufzustellen.

Ein spürbarer Teil der Antwort liegt demnach bei Gruppen, die auf dem Arbeitsmarkt bislang unterrepräsentiert sind – von älteren Fachkräften bis zu Menschen mit Behinderung. Ob das die 41.600 offenen Stellen vollständig auffängt, bleibt offen.

Tipp für Betriebe: Wer Erfahrungswissen früh dokumentiert und Ältere über Modelle wie Altersteilzeit oder gleitenden Renteneintritt länger bindet, verliert weniger Know-how auf einen Schlag.
Frühzeitige Nachfolgeplanung ist günstiger als kurzfristige Nachbesetzung.
Einordnung: Die 41.600 sind eine Projektion für den Zeitraum 2030–2040, keine feste Größe. Wie stark die Lücke ausfällt, hängt von Migration, Geburtenraten und Erwerbsbeteiligung ab – die Zahl beschreibt ein Risiko, keinen sicheren Verlust.

Zahlen und Fakten

  • Rund 41.600 (genau 41.662) Erwerbsfähige verlassen 2030–2040 den kanarischen Arbeitsmarkt (Fundación Adecco, via Canarias7/Libertad Digital)
  • Rund 183.000 Menschen ab 65 Jahren im selben Zeitraum erwartet
  • 50- bis 64-Jährige derzeit 37,6% zahlreicher als 20- bis 34-Jährige; Abstand 2040 noch 29,1%
  • Ursache: niedrige Geburtenraten seit 2010, weniger junger Nachwuchs
  • Drei mögliche Quellen: ältere Beschäftigte (55+), Zugewanderte, Menschen mit Behinderung
  • Zeithorizont: struktureller Generationenwechsel über zehn Jahre

FAQ

Wie viele Stellen bleiben auf den Kanaren offen?
Laut der Analyse der Fundación Adecco rund 41.600 (genau 41.662) im Zeitraum 2030 bis 2040, so Canarias7 und Libertad Digital.
Warum entsteht die Lücke?
Weil die zahlenstarke Babyboomer-Generation in Rente geht und seit 2010 zu wenige junge Menschen nachrücken.
Über welchen Zeitraum?
Über rund zehn Jahre, von 2030 bis 2040 – ein struktureller Wandel, kein plötzlicher Einbruch.
Wer soll die Lücke füllen?
Die Analyse nennt ältere Beschäftigte mit späterem Renteneintritt, Zugewanderte und Menschen mit Behinderung.
Ist die Zahl sicher?
Nein, es ist eine Projektion; das Ausmaß hängt von Migration, Geburtenraten und Erwerbsbeteiligung ab.