Kanaren: 144.459 Arbeitslose im August 2026
Auf den Kanarischen Inseln waren im August 2026 nach Angaben des spanischen Arbeitsministeriums (Ministerio de Trabajo y Economía Social) 144.459 Menschen als arbeitslos gemeldet. Gegenüber Juli sind das 291 Personen mehr, ein Plus von 0,2 Prozent. Gegenüber August 2025 sind es 5.756 Personen weniger, ein Minus von 3,83 Prozent. Die Zahlen wurden am 2. September veröffentlicht und unter anderem von Europa Press, ABC und RTVC verbreitet.
Foto: Joe Mabel, CC BY-SA 3.0 (Symbolbild).
Die Monatszahl allein sagt wenig. August ist auf den Inseln saisonal schwach: Die Sommersaison läuft aus, befristete Verträge enden, und die Meldezahlen steigen fast jedes Jahr leicht an. Wer nur den Monatswert nimmt, liest eine Verschlechterung heraus; wer nur den Jahresvergleich nimmt, liest eine klare Verbesserung heraus. Beides steht nebeneinander — und dazu kommt ein dritter Wert, der in dieser Statistik der bemerkenswerteste ist: die Langzeitarbeitslosigkeit.
Die drei Zahlen, die zusammengehören
Erstens: 144.459 gemeldete Arbeitslose, 291 mehr als im Juli. Das ist ein Anstieg, aber ein sehr kleiner — er entspricht zwei Zehntel Prozent des Bestands.
Zweitens: Im Vergleich zum August des Vorjahres liegt die Zahl um 5.756 Personen niedriger, also um 3,83 Prozent. Der Jahresvergleich ist bei saisonabhängigen Arbeitsmärkten die aussagekräftigere Größe, weil er August mit August vergleicht statt August mit Juli.
Drittens: Die Langzeitarbeitslosigkeit fiel auf 63.326 Personen. Das sind 4.899 weniger als ein Jahr zuvor, ein Rückgang um 7,18 Prozent, und im Monatsvergleich 23 Personen weniger. Laut der Mitteilung der kanarischen Regierung ist das der niedrigste Stand seit Januar 2009. Wichtig zur Einordnung: Dieser Rekordwert bezieht sich ausdrücklich auf die Langzeitarbeitslosigkeit, nicht auf die Gesamtzahl der Arbeitslosen.
Die beiden Provinzen laufen auseinander
Der Monatsanstieg verteilt sich nicht gleichmäßig. In der Provinz Santa Cruz de Tenerife stieg die Zahl der gemeldeten Arbeitslosen um 385 Personen (+0,56 Prozent), in der Provinz Las Palmas sank sie um 94 Personen (−0,13 Prozent). Der Zuwachs im Archipel geht damit rechnerisch vollständig auf die westliche Provinz zurück.
Eine Aufschlüsselung nach einzelnen Inseln liegt in der offiziellen Mitteilung nicht vor. Die veröffentlichten Daten nennen die beiden Provinzen, nicht Teneriffa, Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura, La Palma, La Gomera und El Hierro einzeln. Wir geben deshalb keine Inselzahlen an.
Wer arbeitslos gemeldet ist
Nach Geschlecht: 60.651 Männer und 83.808 Frauen waren im August gemeldet. Frauen stellen damit rund 58 Prozent der registrierten Arbeitslosen auf den Kanaren.
Nach Sektoren dominiert erwartungsgemäß der Dienstleistungsbereich mit 114.926 gemeldeten Arbeitslosen — das ist der mit Abstand größte Block und spiegelt die Struktur einer tourismusgeprägten Wirtschaft. Laut Europa Press und ABC stieg die Arbeitslosigkeit im August in allen Sektoren außer der Landwirtschaft, wo sie um 15 Personen zurückging. La Razón nennt für den Monat ein Plus von 47 Personen in der Industrie und 68 im Bau sowie ein Minus von 79 bei Personen ohne vorherige Beschäftigung. Absolute Bestandszahlen für Industrie, Bau und Landwirtschaft nennt die verbreitete Mitteilung nicht.
Bei ausländischen Staatsangehörigen waren laut den Meldungen 14.648 Personen arbeitslos gemeldet, davon 8.993 aus Nicht-EU-Staaten — 255 weniger als im Juli (−1,71 Prozent), aber 997 mehr als im August 2025 (+7,3 Prozent).
Die Kanaren gegen den spanischen Trend
Bei der Sozialversicherung liefen die Inseln im August in die andere Richtung als das Festland. Nach Daten des Ministeriums für Inklusion, soziale Sicherheit und Migration, zitiert von Europa Press, stieg die durchschnittliche Zahl der Versicherten auf den Kanaren um 2.153 auf 963.791 Personen (+0,22 Prozent im Monat, +28.908 beziehungsweise +3,09 Prozent im Jahresvergleich).
Spanienweit verlor die Sozialversicherung im selben Monat 162.840 Beitragszahler und kam auf durchschnittlich 22.345.226 Versicherte (−0,72 Prozent). Es ist laut Europa Press der geringste August-Rückgang seit 2021. Die spanische Portalseite Canarias en Pleno beschreibt die Kanaren als einzige Autonome Gemeinschaft mit einem Zuwachs in diesem Monat; eine vollständige amtliche Länderaufstellung, die das bestätigt, konnten wir nicht einsehen, weshalb wir die Angabe der Quelle zuschreiben.
Ein Teil der spanischen Zahlen hängt an der außerordentlichen Regularisierung ausländischer Beschäftigter. Nach Angaben von Inklusionsministerin Elma Saiz waren am 31. August 337.917 Versicherte aus diesem Verfahren angemeldet. Arbeitsministerin Yolanda Díaz erklärte den überdurchschnittlichen Anstieg der gemeldeten Arbeitslosigkeit unter anderem damit, dass sich ein Teil dieser Menschen erstmals bei den Arbeitsämtern registriere.
Verträge und was Gewerkschaften sagen
Laut der Mitteilung der kanarischen Consejería de Turismo y Empleo, die den Generaldirektor für Arbeit José Ramón Rodríguez zitiert, wurden im August auf den Inseln 59.880 Arbeitsverträge registriert, 2.339 mehr als im August 2025 (+4,06 Prozent). 25.026 davon waren unbefristet, also rund 41,8 Prozent aller Verträge; die unbefristete Einstellung wuchs demnach um 5,21 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.
Zu den kanarischen Augustzahlen lag bis Redaktionsschluss keine eigene Bewertung von CCOO Canarias oder UGT Canarias vor, die wir belegen konnten. Auf gesamtspanischer Ebene erklärte Carlos Gutiérrez von CCOO, die Regularisierung lasse sowohl Beschäftigung als auch Arbeitslosigkeit sichtbar werden, die zuvor außerhalb dieser Statistiken lag; die Gewerkschaft warnte zugleich vor der strukturellen Abhängigkeit des Arbeitsmarkts von Saisontätigkeiten. Diese Einschätzung bezieht sich auf Spanien insgesamt, nicht speziell auf die Kanaren.
Bei Saisonarbeitsmärkten wie den Kanaren ist der Vorjahresvergleich (August zu August) aussagekräftiger als der Monatsvergleich. Beide Werte stehen in der amtlichen Mitteilung und im ISTAC-Datenportal der kanarischen Regierung.
Inselgenaue Zahlen sind in der offiziellen Note nicht enthalten; wer solche Werte nennt, stützt sich auf andere Quellen.
Auch Gesamtbestände für Industrie, Bau und Landwirtschaft wurden nicht veröffentlicht, nur die Monatsveränderungen.
Die Zahlen im Überblick
- Gemeldete Arbeitslose Kanaren, August 2026: 144.459 (Ministerio de Trabajo y Economía Social, via Europa Press).
- Monatsveränderung: +291 (+0,2 %); Jahresveränderung: −5.756 (−3,83 %).
- Provinzen: Santa Cruz de Tenerife +385 (+0,56 %), Las Palmas −94 (−0,13 %).
- Langzeitarbeitslose: 63.326, −4.899 (−7,18 %) im Jahr — laut kanarischer Regierung niedrigster Stand seit Januar 2009.
- Sozialversicherung Kanaren: 963.791 Versicherte, +2.153 im Monat, +28.908 (+3,09 %) im Jahr (Ministerio de Inclusión, via Europa Press).
- Spanien im August: Arbeitslosigkeit +44.419 auf 2.355.918; Sozialversicherung −162.840 auf 22.345.226.
FAQ
- Ist die Arbeitslosigkeit auf den Kanaren nun gestiegen oder gesunken?
- Beides, je nach Vergleichszeitraum. Gegenüber Juli 2026 stieg sie um 291 Personen, gegenüber August 2025 sank sie um 5.756 Personen. Nur eine der beiden Zahlen zu nennen, wäre irreführend.
- Warum steigt die Arbeitslosigkeit im August fast immer?
- Weil die Sommersaison endet. Befristete Verträge in Gastronomie, Hotellerie, Handel und Freizeitwirtschaft laufen aus, bevor die kanarische Wintersaison anläuft. Der August ist damit ein saisonal schwacher Monat.
- Was bedeutet der Wert bei der Langzeitarbeitslosigkeit?
- 63.326 Menschen gelten als langzeitarbeitslos, 4.899 weniger als im Vorjahr (−7,18 Prozent). Die kanarische Regierung bezeichnet das als niedrigsten Stand seit Januar 2009.
- Gibt es Zahlen für einzelne Inseln?
- Nicht in der offiziellen Mitteilung. Veröffentlicht wurden die Werte für die beiden Provinzen Las Palmas und Santa Cruz de Tenerife, nicht für einzelne Inseln.
- Wie schneiden die Kanaren gegenüber Gesamtspanien ab?
- Bei der Sozialversicherung besser: Die Inseln gewannen im August 2.153 Versicherte, während Spanien insgesamt 162.840 verlor. Beim gemeldeten Arbeitslosenbestand stiegen beide, die Kanaren mit +0,2 Prozent aber deutlich schwächer als Spanien mit +1,92 Prozent.
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