Die Kanaren haben ein kleines Wunder zu bieten: grüne Ferienanlagen und volle Duschen — auf Inseln, die praktisch keine Flüsse und nur wenig Grundwasser besitzen. Woher kommt also das Wasser? Zum großen Teil aus dem Meer.

Denn die Inseln sind Weltmeister im Entsalzen. Wo die Natur zu wenig liefert, wird Meerwasser trinkbar gemacht. Klingt technisch, ist aber im Alltag längst selbstverständlich — und erklärt, warum das Thema Wasser hier eine größere Rolle spielt als anderswo.

Wie die Inseln an Wasser kommen

Das Rückgrat ist die Meerwasser-Entsalzung. Rund 80 % der Anlagen arbeiten mit Umkehrosmose, bei der Salzwasser durch feine Membranen gepresst wird. Lanzarote war Pionier: 1964 entstand in Arrecife die erste industrielle Entsalzungsanlage Spaniens.

Heute hängen vor allem die trockenen Ostinseln — Lanzarote, Fuerteventura — und Gran Canaria fast vollständig an entsalztem Wasser. Auf Teneriffa und La Palma spielt zusätzlich altes Grundwasser aus Galerien und Brunnen eine Rolle. Der Haken: Entsalzung braucht viel Strom, weshalb die Inseln zunehmend auf Wind und Sonne setzen.

Die Dürre — und ihr Ende

Nach einem der trockensten Winter seit Langem rief Teneriffa im Mai 2024 den Wasser-Notstand aus. Fast zwei Jahre hielt er an. Ein sehr nasser Winter 2025/2026 drehte das Blatt: Ende Februar 2026 wurde der Notstand aufgehoben, die Reserven lagen bei rund 70 % — dem höchsten Stand seit sechs Jahren.

Zum Einordnen Die Stauseen im Süden füllten sich kräftig: Granadilla auf 99 %, Guía de Isora auf 97 %, Fasnia auf 92 %. Inselpräsidentin Rosa Dávila sprach davon, die Lage habe sich verändert, mahnte aber, Teneriffa bleibe verwundbar.

Warum das auch dich betrifft

Als Gast oder Wahl-Insulaner bist du Teil der Rechnung. Niemand erwartet Verzicht — aber ein paar Gewohnheiten helfen spürbar: etwas kürzer duschen, Handtücher mehrfach nutzen, den Wasserhahn nicht laufen lassen. Auf Inseln, die jeden Liter aus dem Meer holen müssen, ist das mehr als eine nette Geste.

Ein Blick nach vorn

Die Kanaren bauen weiter aus: neue, containerbasierte Entsalzungsanlagen sollen auch die Landwirtschaft versorgen, angetrieben von mehr erneuerbarer Energie. Nicht alle sind begeistert — manche Fachleute fragen, ob überall neue Anlagen nötig sind. Klar ist: Der Mix aus Sparen, Entsalzen und sauberem Strom entscheidet, wie ruhig die Inseln den nächsten trockenen Winter überstehen.

Gut zu wissen Auch nach den Regenfällen bleiben die Inseln vom Wetter abhängig. Ein voller Stausee heute ist keine Garantie für morgen.

Häufige Fragen

Kann ich das Leitungswasser trinken?
In vielen Orten ist es technisch trinkbar, schmeckt aber oft nach Entsalzung. Viele Menschen greifen zu gefiltertem oder gekauftem Wasser — frag am besten vor Ort nach.
Warum haben die Kanaren so wenig Wasser?
Es gibt keine Flüsse und nur begrenztes Grundwasser. Der Nachschub kommt vor allem aus dem Meer.
Ist die Dürre jetzt vorbei?
Teneriffa hob den Notstand im Februar 2026 auf, nachdem die Reserven auf rund 70 % gestiegen waren. Ganz sicher ist man aber nie.
Wie wird Meerwasser trinkbar?
Meist per Umkehrosmose: Salzwasser wird durch feine Membranen gepresst, die das Salz zurückhalten.
Was kann ich als Urlauber tun?
Sparsam mit Wasser umgehen — kürzer duschen, Handtücher wiederverwenden, keinen Hahn laufen lassen.

Angaben nach Stand Juli 2026. Wasserreserven und behördliche Einstufungen können sich mit dem Wetter rasch ändern.