Es ist ein Prestigeprojekt für die ganze Insel, doch der Start verlief holprig. Die erste große Bauausschreibung für die Reform und Erweiterung des Estadio de Gran Canaria endete am 7. Juli 2026 mit einer herben Enttäuschung: kein einziges Bauunternehmen reichte ein Angebot ein. Der Wettbewerb blieb „desierto“ – leer. Nun reagiert die Inselregierung und kündigt für die erste Augusthälfte eine neue Ausschreibung an, diesmal mit einem „aktualisierten Preis“, wie es aus dem Cabildo heißt.
Die Nachricht schlug auf Gran Canaria hohe Wellen, schließlich geht es um nicht weniger als die Rolle der Insel als Gastgeber bei der FIFA-Weltmeisterschaft 2030. Das Stadion, Heimat von UD Las Palmas, soll in eine moderne, fußballtaugliche Arena ohne Laufbahn verwandelt werden und künftig rund 44.500 Zuschauern Platz bieten. Der Zeitplan ist ambitioniert: Bis Juli 2029 muss alles stehen, ein Jahr vor dem großen Turnier.
Warum die erste Ausschreibung scheiterte
Die Gründe für das Desinteresse der Baufirmen sind vielschichtig. Im Kern geht es um Geld und Risiko. Das im Juni 2026 veröffentlichte Budget von 174,7 Millionen Euro für eine 36-monatige Bauzeit spiegelte nach Einschätzung der Branche nicht die aktuellen Marktpreise wider. Die Baukosten sind in den letzten Jahren massiv gestiegen, und ein Projekt dieser Komplexität unter laufendem Spielbetrieb von UD Las Palmas durchzuziehen, birgt erhebliche Risiken.
Lokale Medien und der Bauunternehmerverband von Las Palmas nennen im Wesentlichen drei Knackpunkte: einen zu knapp kalkulierten Preis angesichts des enormen Umfangs, das hohe Risikoprofil der Baustelle und administrative Hürden. Der Verband zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass die Arbeiten fristgerecht abgeschlossen werden können, sofern die neuen Konditionen – vor allem der Preis – entsprechend angepasst werden. Cabildo-Präsident Antonio Morales gab sich betont gelassen und bezeichnete die gescheiterte Ausschreibung als Teil des administrativen Prozesses. „Es ist noch Zeit“, betonte er mit Blick auf die WM.
Das Projekt „La Nube“: Was gebaut wird
Der architektonische Entwurf mit dem poetischen Namen „La Nube“ (Die Wolke) stammt vom renommierten Büro L35 Arquitectos, das auch für den Umbau des Santiago Bernabéu in Madrid verantwortlich zeichnet. Die Pläne sind spektakulär: Eine komplette Überdachung aller Ränge soll das Stadion in eine geschlossene Arena verwandeln. Die Tribünen Naciente und Curva werden näher an das Spielfeld heranrücken, die alte Leichtathletikbahn verschwindet komplett. So entsteht ein reines Fußballstadion, das internationalen Standards entspricht.
Doch „La Nube“ soll mehr sein als nur ein Sportplatz. Integriert sind Flächen für Einkaufsmöglichkeiten, Gastronomie und Freizeit sowie ein Museum von UD Las Palmas. Ein neuer Außenring und verbesserte Zugänge sollen das Umfeld aufwerten. Bereits vor dem großen Umbau starteten vorbereitende Arbeiten, etwa der Abriss des alten Ostturms zwischen den Tribünen Naciente und Sur. Dieser Auftrag mit einem Volumen von rund 804.000 Euro soll den Spielbetrieb nicht beeinträchtigen.
Budget-Puzzle: Was der Umbau wirklich kostet
Die Finanzierung des Projekts gleicht einem mehrschichtigen Kuchen, bei dem die Zutaten in den letzten Jahren kräftig teurer geworden sind. Ursprünglich hatte das Cabildo im Jahr 2024 einen Rahmen von etwa 101 Millionen Euro für die Erweiterung und Reform abgesteckt, plus rund 5,7 Millionen Euro für Planung und Bauaufsicht. Diese Summe sollte auf die Jahre 2025 bis 2027 verteilt werden.
Die gescheiterte Ausschreibung von Juni 2026 setzte dann mit 174,7 Millionen Euro eine ganz andere Hausnummer. Parallel dazu kursieren in lokalen Medien Berichte über Gesamtkosten von rund 160 Millionen Euro, wobei UD Las Palmas etwa 60 Millionen Euro beisteuern soll – das entspricht rund 37,5 Prozent der Summe. Der Verein wird nach dem Umbau eine zentrale Rolle als Co-Betreiber des Stadions spielen und von den neuen kommerziellen Möglichkeiten profitieren. Wie hoch das Budget in der neuen Ausschreibung genau ausfallen wird, ist noch nicht öffentlich. Klar ist nur: Es wird teurer als zuletzt veranschlagt.
Der enge Zeitplan und das WM-Ticket
Die Uhr tickt. Die FIFA verlangt, dass alle Spielorte ein Jahr vor dem Turnier bezugsfertig sind. Für Gran Canaria bedeutet das: Juli 2029 ist die absolute Deadline. Durch die gescheiterte Ausschreibung ist etwa ein Monat verloren gegangen. Das Cabildo und Sportdezernent Aridany Romero setzen nun alles daran, mit der Neuausschreibung im August wieder in die Spur zu kommen. Sollte auch dieser Versuch scheitern, könnten beschleunigte Verfahren oder Verhandlungen ohne öffentliche Bekanntmachung nötig werden, um weitere Zeitverluste zu vermeiden.
Gran Canarias Status als WM-Spielort ist unterdessen mehr als nur eine Hoffnung. Die FIFA hat die gemeinsame Bewerbung von Spanien, Portugal und Marokko Ende 2024 offiziell bestätigt. Der spanische Fußballverband RFEF führte das Estadio de Gran Canaria auf seiner Liste der elf spanischen Austragungsorte. Medienberichten zufolge ist das Stadion für Spiele bis einschließlich des Viertelfinales vorgesehen. Dennoch mahnen Beobachter: Sollte der Bau ins Stocken geraten, könnte die Insel ihre Rolle theoretisch noch verlieren.
Häufige Fragen
- Wann beginnt der Umbau des Estadio de Gran Canaria?
- Nach der Neuausschreibung im August 2026 und der anschließenden Auftragsvergabe könnte der Hauptumbau voraussichtlich im Herbst 2026 starten. Vorbereitende Abrissarbeiten laufen bereits.
- Bleibt UD Las Palmas während der Bauzeit im Stadion?
- Ja, die Bauphasen sind so geplant, dass der Spielbetrieb von UD Las Palmas weitgehend ohne Unterbrechung weiterlaufen kann. Die Arbeiten werden in enger Abstimmung mit dem Vereinskalender durchgeführt.
- Wie viele Zuschauer passen nach dem Umbau ins Stadion?
- Die Kapazität soll von derzeit rund 32.400 auf etwa 44.500 Plätze steigen und liegt damit deutlich über der FIFA-Mindestanforderung von 40.000 Plätzen für WM-Spiele.
- Was passiert mit der Leichtathletikbahn?
- Die Laufbahn wird komplett entfernt. Das Stadion wird zu einem reinen Fußballstadion umgebaut, bei dem die Tribünen direkt an das Spielfeld heranrücken.
- Ist Gran Canaria schon sicher als WM-Spielort 2030 bestätigt?
- Die gemeinsame Bewerbung von Spanien, Portugal und Marokko wurde von der FIFA bestätigt, und Gran Canaria ist als einer der spanischen Austragungsorte vorgesehen. Die endgültige Bestätigung hängt jedoch von der rechtzeitigen Fertigstellung des Stadions ab.
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Stand der Informationen: 22. Juli 2026. Dieser Artikel basiert auf öffentlichen Ausschreibungsdaten, Medienberichten und offiziellen Stellungnahmen des Cabildo de Gran Canaria. Die genauen Kosten der Neuausschreibung sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht öffentlich bekannt.
