Das Monument stammt von Juan de Ávalos — demselben Bildhauer, der auch die monumentalen Figuren im „Tal der Gefallenen" bei Madrid schuf, dem grössten Franquismus-Bau Spaniens. Schon diese Urheberschaft macht das Werk in Santa Cruz zum Politikum. Seine Verteidiger nennen es „Monument an den Frieden", seine Kritiker „Franco-Denkmal". Allein der Streit um den richtigen Namen zeigt, wie tief der Graben verläuft.
Die Entscheidung: kein Kulturschutz
Den Stein ins Rollen brachte ein Gerichtsurteil von 2024, das den Inselrat (Cabildo) zwang, ein Schutz-Verfahren zu eröffnen und zu prüfen, ob die Skulptur ein „Bien de Interés Cultural" sei — der höchste Denkmalschutz nach kanarischem Recht. Das beratende Gremium, der Consejo de Patrimonio Cultural, kam zu einem klaren Ergebnis: Mit 16 Gegenstimmen bei einer Enthaltung und keiner einzigen Ja-Stimme lehnte es den Schutzstatus ab. Begründung: Das Werk besitze nicht die aussergewöhnlichen Werte, die für die höchste Schutzfigur nötig wären.
Ohne diesen Schutz greift das kanarische Gesetz zur historischen Erinnerung — und das sieht die Entfernung franquistischer Symbole aus dem öffentlichen Raum vor. Damit deutet alles auf einen Abbau hin. Damit, betonen Fachleute, sei die Skulptur jedoch nicht „verurteilt", sondern lediglich ohne Sonderschutz.

Die zwei Lager
Auf der einen Seite stehen die Befürworter des Abbaus, allen voran die Vereinigung zur Aufarbeitung der historischen Erinnerung auf Teneriffa (ARMHT). Für ihre Präsidentin Mercedes Pérez Schwartz ist das Monument „ein Affront gegen die Opfer" und ein franquistisches Symbol, das in einer Demokratie nichts im öffentlichen Raum verloren habe. Ihr Vorschlag: die Skulptur ins Militärmuseum (Cuartel de Almeida) verlegen und den Platz in einen Gedenkort für die Opfer verwandeln — bewahren, aber im erklärenden Kontext, nicht als Ehrenmal.
Auf der anderen Seite kämpft die Vereinigung San Miguel Arcángel um den Erhalt, gestützt unter anderem von der Kanarischen Akademie der Schönen Künste. Ihr Präsident Luis Sosa-Tolosa argumentiert mit dem künstlerischen und historischen Wert des Werks und betont, die Skulptur selbst trage keine franquistischen Symbole oder Inschriften. Der Abbau, so der Vorwurf, sei rein ideologisch motiviert. Die Vereinigung kündigt an, „alle juristischen Wege auszuschöpfen".
Warum es noch lange dauern kann
Und genau hier liegt der Haken, den schnelle Schlagzeilen gern übersehen: Die Erhalt-Vereinigung will das Verfahren der Regionalregierung wegen angeblicher Form- und Bewertungsfehler anfechten. Wird die Klage zugelassen, könnte sich die endgültige Entscheidung über das Schicksal der Skulptur um zwei bis drei Jahre verzögern. Solange das Verfahren läuft, gilt nach Lesart der Verteidiger sogar weiter ein dem Denkmalschutz ähnlicher Schutz. „Geplant" ist der Abbau also — beschlossen und vollzogen ist er nicht.