Es ist ein Trend, der sich seit Monaten verfestigt: Die Kanarischen Inseln werden nicht unbedingt voller, aber für die Branche deutlich lukrativer. Im Mai 2026 lag der durchschnittliche Preis für ein Hotelzimmer bei etwa 126 Euro pro Nacht – ein Anstieg von rund 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Einnahmen pro vermietetem Zimmer kletterten sogar um fast 4,4 Prozent. Das ist kein Ausreißer, sondern die Fortsetzung einer langen Entwicklung. Seit über drei Jahren steigen die Preise und die Rentabilität der Hotelbetriebe Monat für Monat. Im Februar 2026 erreichte der durchschnittliche Tagespreis (ADR) mit fast 157 Euro einen neuen Höchststand.

Diese kontinuierliche Verteuerung hat einen handfesten Grund: Die Nachfrage nach einem Urlaub auf den Kanaren ist ungebrochen hoch, das Angebot an Betten wächst aber nur langsam. So können die Hoteliers die Preise leichter anheben, ohne Einbußen bei der Auslastung befürchten zu müssen. Tatsächlich lag die durchschnittliche Bettenauslastung im Mai 2026 bei rund 65 Prozent, während in den Hochsaison-Monaten regelmäßig Werte von über 90 Prozent erreicht werden. Die Rechnung für die Branche geht auf: Im Mai 2026 spülten die Hotelübernachtungen rund 382 Millionen Euro in die Kassen, ein sattes Plus von fast 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Weniger Gäste, aber höhere Einnahmen

Besonders spannend ist, dass dieser Einnahmen-Boom nicht auf einem Ansturm neuer Gäste basiert. Im Gegenteil: In den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 kamen mit rund 6,8 Millionen internationalen Flugpassagieren sogar etwas weniger Urlauber auf die Inseln als im gleichen Zeitraum des Vorjahres – ein Minus von etwa 0,4 Prozent. Im Mai 2026 zählte man rund 1,07 Millionen internationale Touristen, ebenfalls ein leichter Rückgang. Die Zahl der Hotelübernachtungen stieg im Mai zwar noch leicht um etwa 1,7 Prozent auf rund 5,4 Millionen, doch der große Treiber der Einnahmen ist eindeutig der Preis.

Diese Entwicklung ist keine Momentaufnahme. Schon das Gesamtjahr 2025 zeigte ein ähnliches Bild: Die Inseln begrüßten mit über 18,3 Millionen Touristen rund 3,5 Prozent mehr Gäste als 2024. Die Gesamteinnahmen aus dem Tourismus stiegen jedoch um fast 4 Prozent auf über 23 Milliarden Euro. Experten führen dies klar auf die höheren Preise zurück, denn die Aufenthalte werden tendenziell kürzer und das durchschnittliche Budget pro Person und Tag wächst nicht im gleichen Maße. Es ist das hochpreisige Segment, das den Unterschied macht.

Preise steigen doppelt so schnell wie die Inflation

Um die Dimension der Preissteigerungen zu verstehen, lohnt ein Blick zurück. Zwischen 2019 und 2024, also innerhalb von nur fünf Jahren, sind die Hotelpreise auf den Kanaren im März um durchschnittlich über 36 Prozent gestiegen. Die allgemeine Inflationsrate legte im selben Zeitraum um knapp 19 Prozent zu. Die Kosten für eine Übernachtung haben sich also fast doppelt so schnell entwickelt wie die Lebenshaltungskosten insgesamt. In vielen Häusern und Kategorien liegen die Preisaufschläge seit 2019 sogar bei mehr als 50 Prozent. Das ist ein Niveau, das selbst langjährige Kenner der Branche als historisch bezeichnen.

Im März 2024 wurde mit einem RevPAR – dem wichtigen Kennwert für den Ertrag pro verfügbarem Zimmer – von über 127 Euro ein neuer Allzeit-Rekord aufgestellt. Dieser Wert kombiniert Auslastung und Preis und zeigt, wie profitabel das Geschäft für die Hoteliers geworden ist. Und die Serie riss nicht ab: 34 Monate in Folge stiegen Preise und Rentabilität. Für Urlauber bedeutet das: Der gleiche Urlaub kostet heute spürbar mehr als noch vor wenigen Jahren, besonders in den beliebten Ferienmonaten und in den höheren Hotelkategorien.

Tipp Wer flexibel ist, sollte die Nebensaison oder die Übergangsmonate wie Mai oder Oktober für einen Kanaren-Urlaub ins Auge fassen, um von moderateren Preisen und ruhigeren Stränden zu profitieren.

Neue Luxus-Hotels sollen das Angebot erweitern

Um der anhaltend hohen Nachfrage zu begegnen und das Preisniveau weiter zu rechtfertigen, wird auf den Kanaren kräftig investiert. Laut einem aktuellen Branchenbericht sind bis zum Jahr 2028 insgesamt 44 neue Beherbergungsprojekte geplant. Diese werden mehr als 6.000 zusätzliche Hotelzimmer schaffen, der Schwerpunkt liegt dabei klar auf Teneriffa und Gran Canaria. Bei den meisten Vorhaben handelt es sich um Neubauten, einige sind Umbauten oder Umnutzungen bestehender Gebäude. Fast alle Projekte zielen auf die gehobene 4- und 5-Sterne-Kategorie ab.

Ein Vorzeigeprojekt ist die Villa de Erques in Guía de Isora im Süden Teneriffas. Das Fünf-Sterne-Luxusresort soll auf über 100.000 Quadratmetern entstehen und 384 Zimmer mit Terrasse, 29 Suiten mit eigenem Pool und drei exklusive Villen bieten. Die Fertigstellung ist für Ende 2026 anvisiert. Auch die Hotelgruppe Canarian Hospitality, die unter der Marke MYND und in Kooperation mit Radisson auftritt, ist sehr aktiv. Sie entwickelt drei neue Häuser auf Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura, die gestaffelt bis 2026 eröffnen sollen. Auf Lanzarote ist zudem ein weiteres Luxusresort in Planung, dessen Bau Anfang 2026 begann und das im Frühjahr 2028 fertig sein soll.

Bekannte Namen und neue Konzepte für die Inseln

Neben den großen Resort-Projekten gibt es eine Reihe weiterer spannender Neueröffnungen. Die Kette Garden Hotel Group hat ihr erstes Haus auf den Kanaren übernommen, das bisherige Labranda Bahía de Lobos in Corralejo auf Fuerteventura. Auch große internationale Marken sind auf Expansionskurs. Meliá plant mit dem Paradisus Fuerteventura ein Strandresort mit über 200 Suiten. In unmittelbarer Nachbarschaft, an der Playa de Sotavento, entsteht zudem das Cel Fuerteventura, ein Hotelprojekt, das mit dem Namen Rafael Nadal verbunden ist und ebenfalls von Meliá betrieben wird.

Diese Entwicklung ist kein plötzlicher Boom. Schon in den Jahren 2022 und 2023 gab es eine Welle von Eröffnungen und Komplettrenovierungen. Häuser wie das Paradisus Gran Canaria, das Atlantic Hills auf Teneriffa oder das INNSiDE Tenerife Santa Cruz sind Beispiele für den stetigen Wandel hin zu mehr Qualität und höherer Kategorie. Für Reisende bedeutet das eine immer größere Auswahl an erstklassigen Unterkünften – allerdings zu Preisen, die das gehobene Niveau widerspiegeln. Die Strategie der Branche ist klar: Wertschöpfung durch Qualität und Preis, nicht durch schiere Masse an Gästen.

Gut zu wissen Konkrete Adressen, Check-in-Zeiten und tagesaktuelle Zimmerpreise einzelner Hotels findet man ausschließlich auf den offiziellen Webseiten der Häuser oder in den Registern der Tourismusbehörde der Kanarischen Regierung.

Häufige Fragen

Warum steigen die Hotelpreise auf den Kanaren so stark?
Die hohe Nachfrage trifft auf ein begrenztes Angebot, besonders in der Hochsaison. Neue Hotels entstehen vor allem im Luxussegment, was das durchschnittliche Preisniveau zusätzlich hebt.
Kommen trotz der hohen Preise noch genug Touristen?
Ja, die Nachfrage ist ungebrochen. Zwar gab es 2026 leichte Rückgänge bei den Ankünften, aber die Auslastung und die Gesamteinnahmen bleiben auf Rekordniveau.
Wo entstehen die meisten neuen Hotels?
Der Schwerpunkt der geplanten 44 neuen Projekte bis 2028 liegt auf Teneriffa und Gran Canaria. Die meisten neuen Häuser sind in der 4- und 5-Sterne-Kategorie angesiedelt.
Wann ist die günstigste Reisezeit für die Kanaren?
Außerhalb der Schulferien und der Hochsaisonmonate wie Juli und August sind die Preise oft moderater. Der Mai und der Oktober bieten oft ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Kann man die Preise für ein bestimmtes Hotel vorhersagen?
Nein, die genannten Zahlen sind offizielle Durchschnittswerte. Die Preise einzelner Hotels variieren stark je nach Saison, Lage und Buchungszeitpunkt und sind nur direkt beim Hotel verlässlich.

Stand der Informationen: Juli 2026. Dieser Artikel basiert auf offiziellen Daten von INE, ISTAC, Turespaña und Branchenberichten. Preise sind Durchschnittswerte und können je nach Saison und Hotel abweichen.