Was ändert sich für Urlauber und Einwohner auf Teneriffa?
Für Teneriffa und ganz Spanien bleibt die US-Warnung ohne Folgen. Die FDA hat zwar eine Gesundheitswarnung zu Kratom veröffentlicht, sie gilt aber nur in den USA, und eine neue Regel für Spanien oder die Kanaren wurde bisher nicht gemeldet.
Kratom steht auf keiner Liste der Betäubungsmittel oder psychotropen Stoffe, die das spanische Gesundheitsministerium und die Arzneimittelbehörde AEMPS führen. Eine Freigabe ist das nicht, denn als Lebensmittel darf Kratom nicht verkauft werden.
Im Süden Teneriffas ändert sich für Gäste rechtlich nichts, klar geregelt ist Kratom aber auch nicht. Für die Insel selbst nennen die Quellen weder Läden noch Fallzahlen.
Die US-Behörden nennen Suchtpotenzial, Leberschäden und Krampfanfälle, in einzelnen Fällen auch Tod durch Überdosis. Wer Kratom ausprobieren will, spricht besser vorher mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Wie kommt Kratom in Spanien in den Handel?
Spanische Händler verkaufen Kratom in Smart Shops (Läden für legale psychoaktive Stoffe), Kräuterläden, Cannabisläden und im Internet. Nach spanischen Medienangaben läuft es dort als Weihrauch, Sammlerobjekt oder Werkstattmaterial.
Entscheidend ist, als was der Händler Kratom anbietet: Als Lebensmittel ist der Verkauf verboten, mit anderen Angaben bleibt er möglich. Die EU-Novel-Food-Verordnung untersagt Kratom ausdrücklich als Lebensmittel oder Nahrungsergänzung.
Das Observatorio Español de las Drogas y las Adicciones, die spanische Beobachtungsstelle für Drogen und Sucht, nennt Kratom eine «neue psychoaktive Substanz». Auf den amtlichen Listen stehen weder die Pflanze noch ihre Wirkstoffe.
Bisher melden Polizei und Sozialverbände in Spanien keine Vergiftungen, keinen Missbrauch und keine Beschlagnahmungen. Das beschreibt allerdings nur den bisherigen Stand.
Wie die Rechtslage aussieht, stellen Veröffentlichungen unterschiedlich dar: Ein Presseartikel vom 24. Januar 2025 erklärt Anbau, Verkauf und Konsum in Spanien für legal, nennt dafür aber kein Gesetz. Ein Blog behauptet das Gegenteil, ebenfalls ohne Gesetz, und für keine der beiden Darstellungen gibt es eine amtliche Bestätigung.
Warum warnen die US-Behörden vor Kratom?
Kratom ist der Strauch Mitragyna speciosa, ein Verwandter des Kaffees, der vor allem in Thailand, Malaysia und Indonesien wächst. Dort kauen Menschen die Blätter oder trinken sie als Aufguss, gegen Müdigkeit und Schmerzen.
Die Dosis entscheidet über die Wirkung: Kleine Mengen machen wach, grosse wirken beruhigend, schmerzlindernd und euphorisierend. In Pulver, Kapseln, Fruchtgummis, Getränken und Extrakten schwankt die Zusammensetzung stark.
Sorgen machen den US-Behörden chemisch angereicherte Produkte wie 7-Hydroxymitragynin (7-OH), dessen opioide Wirkung viel stärker ist als die der Blätter. Nach spanischen Medienangaben steht Mitragynin-Pseudoindoxyl, ein halbsynthetischer flüssiger Extrakt, mit rund 50 Überdosis-Todesfällen in den USA in Verbindung.
Die FDA empfahl am 29. Juli 2025, 7-OH unter das US-Betäubungsmittelgesetz zu stellen: Sie meint nach eigenen Angaben konzentrierte Produkte, nicht das natürliche Blatt. Als Lebensmittelzusatz oder Nahrungsergänzung darf Kratom in den USA laut Congressional Research Service ohnehin nicht verkauft werden.
Was plant die US-Drogenbehörde DEA?
Die US-Drogenbehörde DEA will 7-OH und drei verwandte Stoffe vorläufig in Schedule I einstufen, die strengste US-Drogenkategorie. Das kündigte sie am 1. Juli 2026 an, wie der Congressional Research Service (wissenschaftlicher Dienst des US-Kongresses) schreibt.
Am 26. August 2026 trat eine vorläufige Anordnung für drei Stoffe in Kraft: Mitragynin-Pseudoindoxyl, MGM-15 und MGM-16. Sie gilt bis zum 26. August 2028, und die Frist für Stellungnahmen zu 7-OH reichte bis zum 10. September 2026.
Am 14. Oktober 2026 erschien ein überarbeiteter Schwellenwert, den das US-Gesundheitsministerium HHS empfohlen hatte. Kontrolliert würde ab 1 Milligramm 7-OH oder Mitragynin-Pseudoindoxyl pro Gramm oder Milliliter, oder bei einem Mitragynin-Verhältnis unter 100.
Die Pflanze selbst fällt nicht unter die Anordnungen, solange 7-OH unter den Schwellen bleibt. Der Juli-Vorschlag sah noch 0,05 Prozent 7-OH für die Pflanze oder 1 Milligramm je Produkt vor.
In den USA ist 7-OH bisher nicht kontrolliert: Ohne Beschluss von DEA oder Kongress ist es laut CRS keine kontrollierte Substanz. Eine vorläufige Anordnung für 7-OH und Mitragynin-Pseudoindoxyl soll frühestens am 13. November 2026 erscheinen.
Wie sieht es in Europa und den US-Staaten aus?
Europa hat keine einheitliche Regel für Kratom. Frankreich verfolgt den Handel besonders streng und bringt ihn mit dem Tod eines 22-Jährigen durch Überdosis in Verbindung.
Tschechien führt Kratom nach einer EU-Notifizierung seit der Regierungsverordnung 456/2025, verkündet am 11. November 2025 und in Kraft seit dem 12. November 2025, unter den psychomodulierenden Stoffen. Schweden meldete 2025 einen Entwurf, der Kratom als Betäubungsmittel einstufen soll.
In den USA verbieten zehn Bundesstaaten den Verkauf ausdrücklich, 39 erlauben ihn mit Einschränkungen. Ohio und Utah beschränken nur Produkte ohne natürliches Blatt, North Dakota erlaubt den Verkauf ab 21 Jahren und verbietet synthetische Varianten.
Im US-Kongress liegen zwei Gesetzentwürfe: der END 7-OH Act (H.R. 8000) und der End Gas Station Heroin Act (S. 5383 / H.R. 10272). Beide würden 7-OH dauerhaft in Schedule I aufnehmen, mit Ausnahmen für natürlich vorkommende Mengen in Kratom.
Was ist noch offen?
Für die Kanaren liegen keine eigenen Angaben vor, weder Zahlen zu Verkaufsstellen noch eine Stellungnahme des Servicio Canario de la Salud (kanarischer Gesundheitsdienst). Auch Beschlagnahmungen oder Vergiftungsfälle auf Teneriffa hat bisher niemand gemeldet.
Einen amtlichen spanischen Text zum Status von Kratom fand die Recherche nicht. Zuständig wären nach den Quellen die Lebensmittelbehörde AESAN für Lebensmittel und die AEMPS für Arzneimittel.
Als nächstes Datum nennt die US-Seite den 13. November 2026, den frühesten Termin für die vorläufige Anordnung zu 7-OH. Ob sie erscheint, ist nach dem Stand vom 26. Oktober nicht bestätigt.