TAZACORTE · LA PALMA · WISSENSCHAFT

Tazacorte: Meeresobservatorium auf La Palma eröffnet

Im Hafen von Tazacorte auf La Palma hat am Donnerstag, dem 3. September 2026, das Observatorio de Biodiversidad Marina y Economía Azul «Rogelio Herrera» seine Arbeit aufgenommen — kurz Becomar. Untergebracht ist es im ehemaligen Kindergartengebäude («antiguo colegio infantil») des Puerto de Tazacorte, koordiniert wird es von der Plataforma Oceánica de Canarias, PLOCAN.

4. September 2026 · Von Lucía Medina Reyes · 6 Min.
Unterwasserwelt im Atlantik (Symbolbild)

Foto: ʘx, CC BY-SA 4.0 (Symbolbild).

Es ist eine kleine Einrichtung mit einem klar umrissenen Auftrag: dauerhaft messen, was vor der Westküste La Palmas im Wasser passiert — und dieses Wissen mit Ausbildung, Betrieben und Arbeitsplätzen verbinden. Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Fünf Jahre nach dem Ausbruch des Tajogaite liegt vor Tazacorte einer der jüngsten Meeresböden Europas.

Was am 3. September eröffnet wurde

Becomar ist nach Angaben der kanarischen Regierung eine wissenschaftlich-technische Infrastruktur, keine Universität und kein Museum. Der Kern ist eine ständige Basis auf La Palma, von der aus die Küste beobachtet, beprobt und ausgewertet werden kann — bisher mussten Messkampagnen von Gran Canaria oder Teneriffa aus organisiert werden.

Bei der Eröffnung waren laut der Mitteilung der kanarischen Regierung unter anderem Mariano Hernández Zapata und Migdalia Machín Tavío von der Regierung der Kanaren anwesend, dazu Tazacortes Bürgermeister David Ruiz Álvarez und PLOCAN-Direktor Joaquín Hernández Brito. Genannt werden ferner Mónica Gómez Curiel, Umweltdezernentin des Cabildo de La Palma, der Bürgermeister von Fuencaliente, Gregorio Clemente Alonso, sowie Vertreterinnen und Vertreter der Küstenbehörde, des Biosphärenreservats, des Instituto Español de Oceanografía, der Universidad de La Laguna und des Hafens von Tazacorte.

Warum ausgerechnet Tazacorte

Der Standort ergibt sich aus der Geografie. Beim Ausbruch des Tajogaite in der Cumbre Vieja erreichte die Lava im Herbst 2021 an zwei Stellen das Meer und schuf zwei neue Küstenvorbauten, die auf den Kanaren fajanas heißen. Übereinstimmenden Angaben zufolge entstanden dabei rund 49 bis 50 Hektar neues Land — und darunter, im Wasser, vollkommen neuer Untergrund aus Basalt.

Solche Flächen gibt es weltweit selten und noch seltener direkt vor einem Hafen mit Straße, Strom und Fischereiflotte. Von Tazacorte aus sind die Lavadeltas in kurzer Bootsfahrt erreichbar. Das macht aus der Westküste das, was die Tageszeitung El Día als «natürliches Labor» beschreibt: eine Fläche, an der sich von Stunde null an verfolgen lässt, wie sich Leben auf neuem Gestein ansiedelt.

Der Namensgeber: Rogelio Herrera

Das Observatorium trägt den Namen von Rogelio Herrera Pérez. Er war nach vorliegenden Angaben promovierter Meereswissenschaftler und Ozeanograf im Biodiversitätsdienst der kanarischen Regierung und arbeitete unter anderem an geschützten Meeresgebieten; lokale Medien nennen 2024 als sein Todesjahr. In Erinnerung an ihn wurde das Zentrum benannt.

Herrera wird in kanarischen Veröffentlichungen zudem als treibende Kraft hinter Programmen zur Beobachtung der Meeresbiodiversität genannt, darunter RedPROMAR, das Meldeportal der kanarischen Regierung für Arten- und Sichtungsdaten. Auch ein neues Überwachungsboot der Regierung trägt seinen Namen; die zuständige Consejería würdigte ihn dabei als «Techniker und Forscher, der seine Laufbahn dem Studium, der Vermittlung und dem Schutz der kanarischen Meeresumwelt gewidmet hat». Weitere biografische Einzelheiten sind aus den vorliegenden Quellen nicht belegbar.

Wer zahlt und wer forscht

Nach den veröffentlichten Zahlen steckt hinter der Inbetriebnahme eine gemeinsame Investition von mehr als 1,7 Millionen Euro. Der größte Teil stammt aus dem von PLOCAN koordinierten Projekt Delta: mehr als 1,48 Millionen Euro für wissenschaftliche Ausrüstung, Beobachtungskampagnen, Einsatzmittel und Infrastruktur. Delta wird von der kanarischen Consejería de Transición Ecológica y Energía gemeinsam mit dem spanischen Staatssekretariat für Umwelt finanziert.

Die Sanierung des Gebäudes und die Herrichtung der Nebenflächen übernahm laut derselben Darstellung die Consejería de Universidades, Ciencia e Innovación y Cultura über die Agentur ACIISI mit mehr als 250.000 Euro. Als Forschungsfelder werden Meeresbiodiversität, Klimawandel, Unterwasservulkanismus, Biotechnologie und meeresbasierte erneuerbare Energien genannt. Personalzahlen oder ein konkreter Kampagnenkalender wurden zur Eröffnung nicht veröffentlicht.

Blaue Wirtschaft: was das praktisch heißen kann

«Economía azul» klingt abstrakt, meint aber sehr handfeste Branchen: Fischerei und ihre Wertschöpfungskette, Aquakultur, Hafen- und Schiffsdienstleistungen, marine Biotechnologie, Meeresenergie und der technische Unterbau dazu — Sensorik, Wartung, Datenauswertung. Der Anspruch hinter Becomar ist, dass aus Messdaten irgendwann Aufträge, Qualifikationen und Stellen werden, nicht nur Fachaufsätze.

Für La Palma wäre das ein Stück Diversifizierung. Die Insel lebt stark von Landwirtschaft und Tourismus und hat seit 2021 erlebt, wie schnell beides unter Druck geraten kann. Ein dauerhaftes Forschungsstandbein bindet qualifizierte Arbeit an die Insel, statt sie abwandern zu lassen. Belastbare Beschäftigungszahlen nennt allerdings bisher niemand — und ein Observatorium ersetzt keine Wirtschaftsstruktur. Realistisch ist der Effekt zunächst klein und mittelfristig: Praktika, Kooperationen mit Betrieben, Datenzugang für Fischerei und Küstenmanagement.

Für Interessierte. Wer sich für die Meeresnatur vor La Palma interessiert, kann über RedPROMAR, das Beobachtungsportal der kanarischen Regierung, eigene Sichtungen von Arten melden — Bürgerbeobachtungen sind ein fester Bestandteil der kanarischen Biodiversitätsdaten.
Für Besuche, Führungen oder Ausbildungsangebote in Becomar gilt: Zur Eröffnung war dazu nichts veröffentlicht. Aktuelle Informationen laufen über PLOCAN und die Gemeinde Tazacorte.
Achtung: Becomar in Tazacorte ist nicht identisch mit den PLOCAN-Aktivitäten zur blauen Wirtschaft auf Teneriffa und auch nicht mit der PLOCAN-Hauptplattform vor Gran Canaria — es handelt sich um eine eigene, deutlich kleinere Einrichtung auf La Palma.
Zahlen zu Personal, Ausstattung oder Forschungsprogrammen im Detail liegen bislang nicht vor. Angekündigte Forschungslinien sind Absichtserklärungen, keine laufenden Projekte.

Becomar Tazacorte in Zahlen

  • Eröffnet am 3. September 2026 im Puerto de Tazacorte, La Palma (Regierung der Kanaren, El Día).
  • Vollständiger Name: Observatorio de Biodiversidad Marina y Economía Azul «Rogelio Herrera», kurz Becomar.
  • Standort: ehemaliges Kindergartengebäude des Hafenortes; Koordination durch PLOCAN.
  • Gemeinsame Investition: mehr als 1,7 Mio. Euro; davon mehr als 1,48 Mio. Euro aus dem Projekt Delta (eldiario.es).
  • Gebäudesanierung und Nebenflächen: mehr als 250.000 Euro über die ACIISI (eldiario.es).
  • Der Tajogaite-Ausbruch 2021 schuf beim Erreichen des Meeres rund 49 bis 50 Hektar neue Landfläche in zwei Lavadeltas.

FAQ

Was genau ist Becomar?
Das Observatorio de Biodiversidad Marina y Economía Azul «Rogelio Herrera» im Puerto de Tazacorte auf La Palma. Es ist eine wissenschaftlich-technische Einrichtung, die von der Plataforma Oceánica de Canarias (PLOCAN) koordiniert wird und die Küste dauerhaft beobachten soll.
Wer war Rogelio Herrera?
Nach vorliegenden Angaben ein promovierter Meereswissenschaftler und Ozeanograf im Biodiversitätsdienst der kanarischen Regierung, der an geschützten Meeresgebieten und an Beobachtungsprogrammen wie RedPROMAR arbeitete; lokale Medien nennen 2024 als Todesjahr. Das Zentrum trägt seinen Namen zu seinem Gedenken.
Was soll dort erforscht werden?
Genannt werden Meeresbiodiversität, die Entwicklung der nach dem Tajogaite-Ausbruch entstandenen Küstenökosysteme, Klimawandel, Unterwasservulkanismus, marine Biotechnologie und erneuerbare Meeresenergien. Ein detailliertes Programm wurde zur Eröffnung nicht veröffentlicht.
Was kostet die Einrichtung?
Die veröffentlichten Angaben sprechen von einer gemeinsamen Investition von mehr als 1,7 Millionen Euro, davon mehr als 1,48 Millionen aus dem PLOCAN-Projekt Delta und mehr als 250.000 Euro von der ACIISI für die Sanierung des Gebäudes.
Kann man das Observatorium besuchen?
Dazu lag zur Eröffnung keine Information vor. Es handelt sich um eine Forschungseinrichtung, nicht um ein Besucherzentrum. Auskunft geben PLOCAN und die Gemeinde Tazacorte.