Es ist die Art Festnahme, die zeigt, dass die Kanaren mitten in internationalen Kriminalfällen liegen: In einem Hotel in Guía de Isora, im sonnigen Südwesten Teneriffas, klickten dieser Tage die Handschellen. Der Festgenommene gilt als einer der Hauptbeteiligten an OmegaPro — einem mutmasslichen Anlagebetrug, den das FBI federführend untersucht und dessen Schaden auf über 650 Millionen US-Dollar beziffert wird.
Nach Angaben der Guardia Civil war der Mann, der als früherer Direktor der Firma beschrieben wird, mit einem internationalen Haftbefehl gesucht und hatte sich auf der Insel einquartiert. Routinekontrollen zur Aufspürung flüchtiger Personen führten die Beamten des Postens Guía de Isora auf seine Spur. Er wurde festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft, bis er an die anfordernde Justiz übergeben wird. Die Behörde nennt seinen Namen nicht.
300 Prozent Rendite — das Versprechen, das keines war
Um zu verstehen, warum dieser Fall so viele Menschen betrifft, lohnt ein Blick auf das System. OmegaPro wurde 2019 gegründet und trat als schillerndes Investmentvehikel auf. Das Versprechen, das die US-Justiz in ihrer Anklage zitiert: 300 Prozent Rendite in 16 Monaten, erwirtschaftet angeblich durch «Elite-Trader» am Devisenmarkt (Forex). Anleger sollten ihre «Investmentpakete» mit Kryptowährung bezahlen.
In Wahrheit, so der Vorwurf der US-Staatsanwaltschaft, war es ein pyramidenartiges Schneeballsystem im Gewand eines Multi-Level-Marketing-Netzwerks: Auszahlungen an frühe Anleger wurden im Wesentlichen aus den Einlagen späterer Anleger bestritten, statt aus echten Handelsgewinnen. Als das System ins Wanken geriet, verkündete OmegaPro Ende 2022 einen angeblichen «Hackerangriff» und teilte den Anlegern mit, ihr Geld werde auf eine neue Plattform namens Broker Group übertragen. Abheben konnte am Ende kaum jemand — das Geld war weg.
Das US-Justizministerium klagte im Juli 2025 zwei mutmassliche Schlüsselfiguren an: einen Mitgründer und Promoter sowie den Verantwortlichen für das Lateinamerika-Geschäft. Beiden drohen je bis zu 20 Jahre Haft wegen Verschwörung zum Überweisungsbetrug und zur Geldwäsche. Die rund 650 Millionen Dollar in Kryptowährung sollen über ein Geflecht aus Briefkastenfirmen und Privatkonten verschleiert worden sein.
Der Glamour-Faktor: Fussballstars auf der Bühne
Was OmegaPro so wirksam machte, war die Inszenierung. Das Logo wurde beim Spektakel in Dubai auf den Burj Khalifa projiziert, das höchste Gebäude der Welt. In den sozialen Medien zeigten die Betreiber Luxusautos, Designerklamotten, Fünf-Sterne-Urlaube. Und auf den Werbeveranstaltungen traten bekannte Fussballer auf — aktive wie ehemalige.
Hier ist Sorgfalt geboten, und genau deshalb sei es klar gesagt: Nach Recherchen spanischer Medien nahmen Spieler und Ex-Spieler wie Vinícius Júnior, Luís Figo, Iker Casillas, Ronaldinho oder Carles Puyol an Promo-Events von OmegaPro teil, einige warben zeitweise auch in ihren sozialen Kanälen. Das macht sie jedoch nicht automatisch zu Mitwissern oder Tätern. Die juristische Frage, welche Verantwortung prominente Werbegesichter für ein später als Betrug entlarvtes Produkt tragen, ist ungeklärt. Puyols Sprecherin etwa erklärte, der frühere Barça-Kapitän sei lediglich privat («im Urlaub») bei einem der Anlässe gewesen und nicht mit der Firma verbunden. Die meisten der Genannten haben sich auf Anfragen nicht geäussert. Für die Anleger aber war dieser prominente Glanz oft das entscheidende Vertrauenssignal — «Wie soll das ein Betrug sein, wenn da Fussballstars mitmachen und das Logo am Wolkenkratzer leuchtet?», brachte es eine Geschädigte gegenüber spanischen Medien auf den Punkt.
Warnsignale gab es früh — und reichlich
Bemerkenswert: OmegaPro war längst auf dem Radar der Aufsichtsbehörden. Die spanische Börsenaufsicht CNMV setzte das Unternehmen bereits im Januar 2020 auf ihre Liste der «chiringuitos financieros» — nicht zugelassener Finanzanbieter. Auch Regulierer in Frankreich, Belgien, Kolumbien und Peru warnten. Die grossen Promo-Events mit den Fussballern fanden trotzdem noch 2022 statt, als die Warnungen längst öffentlich waren.
Was das für die Inseln bedeutet
Für die Kanaren ist der Fall ein zweischneidiges Schwert. Einerseits zeigt er, dass die Inseln — bei aller Postkartenidylle — als Aufenthaltsort für international gesuchte Personen dienen, gerade weil sich hier ausländische Residenten und Langzeit-Touristen unauffällig bewegen können. In den vergangenen Monaten wurden auf Teneriffa mehrfach von Interpol, dem FBI oder EU-Staaten gesuchte Flüchtige gefasst. Andererseits ist es eine Erinnerung daran, dass Anlagebetrug grenzenlos funktioniert: Die Geschädigten von OmegaPro sitzen in Spanien, Lateinamerika und weltweit — und unter den deutschsprachigen Residenten und Auswanderern auf den Inseln dürften ähnliche Angebote ebenso kursieren. Wer hier sein Erspartes anlegt, sollte dieselbe Skepsis mitbringen wie überall: Was zu gut klingt, um wahr zu sein, ist es meistens nicht.
Häufige Fragen
- Wer wurde auf Teneriffa festgenommen?
- Laut Guardia Civil einer der Hauptbeteiligten an OmegaPro, beschrieben als früherer Direktor der Firma, gesucht per internationalem Haftbefehl. Die Behörde hat seinen Namen nicht veröffentlicht. Er sitzt in Untersuchungshaft bis zur Übergabe an die anfordernde Justiz.
- Was war OmegaPro?
- Ein 2019 gegründetes Investmentsystem, das 300 Prozent Rendite über Forex- und Krypto-Geschäfte versprach. Die US-Justiz wirft den Betreibern vor, es als pyramidenartiges Schneeballsystem betrieben zu haben. Der Schaden wird auf über 650 Millionen Dollar beziffert.
- Haben die genannten Fussballer betrogen?
- Dafür gibt es keinen Beleg. Spieler und Ex-Spieler nahmen an Werbeveranstaltungen teil bzw. traten dort auf; ob und welche rechtliche Verantwortung Werbegesichter tragen, ist juristisch ungeklärt. Carles Puyols Sprecherin erklärte, er sei nur privat bei einem Anlass gewesen.
- Bekommen geschädigte Anleger ihr Geld zurück?
- Das ist offen und in solchen Fällen meist schwierig. Die Gelder wurden laut Anklage über Briefkastenfirmen und Privatkonten verschleiert. Betroffene sollten Anzeige bei der Polizei erstatten und sich rechtlich beraten lassen.
- Wie schütze ich mich vor solchen Systemen?
- Garantierte hohe Renditen, Zahlung nur in Krypto, Anwerbeprämien und prominente Werbung ohne echte Zulassung sind klassische Warnsignale. Ein Blick in die Warnlisten von CNMV oder BaFin vor jeder Anlage hilft.
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