Man findet es nicht zufällig. Wer Porís de Candelaria sehen will, muss es suchen — und dann eine Strasse hinunter, die zu den steilsten und kurvenreichsten der Insel gehört. Am Ende, am Fuss einer Steilküste, öffnet sich eine Höhle. Und darin, unter einem Felsdach von rund 50 Metern Höhe, drängen sich weisse Häuser, während draussen die Wellen gegen den Stein schlagen.

Es ist einer der ungewöhnlichsten Orte La Palmas — und einer, an dem sich Geschichte, Legende und raue Natur begegnen.

Ein Hafen, den die Natur gebaut hat

Die Höhle ist vulkanischen Ursprungs, über lange Zeit von der Brandung des Atlantiks ausgewaschen. Im Inneren war das Meer weniger aufgewühlt als draussen — das machte die Bucht zu einem natürlichen Anleger. Genau das bedeutet das kanarische Wort «Porís» (auch «Proís»): ein kleiner, natürlicher Anlegeplatz.

Vor über hundert Jahren legten hier die Fischerboote an, die nach Tijarafe wollten, luden Waren und suchten Schutz. Nach und nach errichteten die Fischer bescheidene Hütten und richteten die natürlichen Höhlen als Unterkünfte ein. So entstanden die eigentümlichen Höhlenhäuser.

Urkundlich taucht der Ort erstmals 1588 auf, damals als Hafen, von dem Weizen verschifft wurde. Von dieser Küste brachen später viele Palmeros nach Amerika auf.

Die Jungfrau, die bleiben wollte

Den zweiten Teil des Namens erklärt eine Legende. Im 16. Jahrhundert sollte ein Bildnis der Virgen de Candelaria per Schiff die Küste entlang gebracht werden. Bei einem Sturm suchten die Seeleute in der Höhle Schutz. Als das Wetter sich beruhigte und sie weiterfahren wollten, kehrte jedes Mal, wenn sie das Marienbild mitnehmen wollten, das Unwetter zurück.

Die Seeleute deuteten es als Zeichen: Die Jungfrau wolle hierbleiben. So wurde sie zur Schutzpatronin der Fischer. Später kam die Figur in die Kirche von Tijarafe, wo sie im August beim Patronatsfest verehrt wird. Im Dorf selbst erinnert bis heute ein kleiner, gepflegter Marienaltar auf den Felsen an die Geschichte.

Wie es heute ist

Porís ist kein Museumsdorf und kein Ferienresort. Die rund 60 bis 70 Häuschen und Höhlen sind Privatbesitz; einige Familien aus Tijarafe halten sie als Zweitwohnsitz, angezogen von der Nähe zum Meer und der völligen Abgeschiedenheit. Manche der Häuser sind über 80 Jahre alt.

Was den Ort besonders macht, ist gerade das, was fehlt: keine Läden, keine Restaurants, kein Internet, nicht einmal Mülleimer. Wer herkommt, bringt alles mit — und nimmt allen Abfall wieder mit. Das Rauschen des Meeres, verstärkt durch die kegelförmige Felswand, füllt den ganzen Raum.

Baden und Schnorcheln — mit Vorsicht Vor den Häusern liegt der Charco Redondo, ein natürlicher Pool zwischen den Felsen; die Einheimischen haben eine Leiter angebracht. Bei ruhiger See lässt sich hier gut baden und schnorcheln, der Meeresgrund gehört zur Reserva Marina Isla de La Palma. Aber der Zugang ist offen zum Meer, und die Brandung kann kräftig sein. Ins Wasser geht es über die Felsen, nicht über einen Sandstrand. Nur bei ruhigem Meer und mit Bedacht.

Wie man hinkommt

Es gibt drei Wege. Mit dem Auto: In Tijarafe zweigt eine schmale, stark abschüssige und kurvige Strasse zur Küste ab, teils unbefestigt; sie ist nicht ausgeschildert, ein Navigationsgerät hilft. An zwei Parkplätzen ist Schluss, der zweite liegt näher — von dort sind es etwa fünf Minuten zu Fuss.

Zu Fuss: Der Wanderweg PR LP 12.2 führt als Rundtour von Tijarafe durch das Monumento Natural del Barranco del Jurado. Rund 10 bis 11 Kilometer hin und zurück, vier bis fünf Stunden, mittelschwer bis schwer, mit erheblichem Höhenunterschied — etwas für geübte Wanderer.

Per Boot oder Kajak: Vom Hafen Tazacorte bieten Anbieter Ausflüge an, die an Porís vorbeiführen und die benachbarte Cueva Bonita einschliessen; unterwegs sieht man oft Delfine, mitunter Wale.

Wichtig für den Besuch Die Häuser sind bewohnter Privatbesitz von Anwohnern aus Tijarafe — bitte respektieren und nicht betreten. Die Zufahrtsstrasse ist steil, eng und teils unbefestigt; Fahranfänger und grosse Fahrzeuge tun sich schwer. Der Ort ist offen zum Atlantik, bei Wellengang ist Vorsicht geboten. Und weil es keinerlei Infrastruktur gibt: Wasser, Proviant und ein Müllbeutel gehören ins Gepäck. Angaben zu Wegen und Zufahrt können sich ändern.

Häufige Fragen

Wo liegt Porís de Candelaria?
An der Westküste La Palmas, in der Gemeinde Tijarafe, rund vier Kilometer vom Ort entfernt am Fuss einer Steilküste.
Warum stehen dort Häuser in einer Höhle?
Die Höhle bot einen natürlichen, geschützten Anleger. Fischer bauten hier vor über hundert Jahren Hütten und richteten die Naturhöhlen als Unterkünfte ein. Heute sind es überwiegend Zweitwohnsitze.
Kann man die Häuser besichtigen?
Nur von aussen. Es handelt sich um bewohnten Privatbesitz von Familien aus Tijarafe; die Siedlung ist kein Museum und hat keine touristische Infrastruktur.
Kann man dort baden?
Bei ruhiger See ja, im natürlichen Pool Charco Redondo mit einer von Einheimischen angebrachten Leiter. Der Zugang ist offen zum Meer, die Brandung kann stark sein — nur mit Vorsicht.
Wie kommt man hin?
Mit dem Auto über eine steile, kurvige Strasse ab Tijarafe (zwei Parkplätze, dann fünf Minuten zu Fuss), zu Fuss über den Wanderweg PR LP 12.2 oder per Boot beziehungsweise Kajak ab Tazacorte.

Stand 11.07.2026. Quellen u. a. eldiario.es, El Día, Banano Meridiano, EscapadaRural sowie Turismo de Canarias. Angaben zu Zufahrt, Wanderwegen und Badermöglichkeiten können sich ändern und erfolgen ohne Gewähr; der Besuch geschieht auf eigene Verantwortung und unter Beachtung der örtlichen Gegebenheiten. Die Häuser sind Privatbesitz.