Was ruht und was weitergeht
Die Aussetzung betrifft nur einzelne Bauabschnitte im sogenannten Altbau, also im Fassadentrakt und im Zuschauerhaus. Im neueren Gebäudeteil mit Garderoben, Bühne, Aufzügen und Keller darf nach dem ursprünglichen Projekt weitergebaut werden, solange diese Bereiche nicht selbst befallen sind. Die Entscheidung „no supone la paralización de las obras del Teatro Guimerá en su conjunto“, betonte Bürgermeister José Manuel Bermúdez laut Diario de Avisos, also keinen Stopp der gesamten Baustelle. Auch das Sichern der befallenen Teile geht weiter. Ein neues Gutachten mit Sondierungen und Materialproben soll klären, was erhalten, verstärkt oder ersetzt wird.
Wo die Termiten gefressen haben
Laut Diario de Avisos steckt der Befall im Holz der Gänge und Logen, das womöglich komplett ersetzt werden muss. Wo Balken auf Logenbrüstungen treffen, droht ein Rückbau. Stark befallen sind auch die Dachbinder, besonders an Köpfen, Konsolen und Auflagern, sowie das Holz der Zwischendecke. Neu ist das Problem nicht: Schon beim Baustart im Dezember 2025 gehörte das Beseitigen der Termiten zum Programm, und der Architekt Javier Déniz sprach damals von Teilen, die „bastante dañadas“ seien. Neu ist das Ausmaß. Jeder Eingriff muss laut Baustadtrat Javier Rivero mit den Denkmalbehörden abgestimmt werden.
Vertrag und Zeitplan
Das EU-Vergabeportal TED nennt als Auftragnehmer die Bietergemeinschaft aus VVO Construcciones und Víctor Rodríguez e Hijos. Der Zuschlag fiel am 22. September 2025, unterschrieben wurde am 24. Oktober 2025. Der Zuschlag lag bei 7.483.494,31 Euro, nach TED-Praxis ohne Steuer; die 8,15 Millionen Euro bei Atlántico Hoy sind das Ausschreibungsbudget. Bezahlt wird die Sanierung von Stadt, Cabildo und Kanarenregierung. Bei 24 Monaten Bauzeit ab dem 24. November 2025 wäre die Baustelle im November 2027 fertig gewesen; die Politik sprach von einer Wiedereröffnung 2028. Wie lange die Aussetzung dauert, ist laut Atlántico Hoy unbekannt; neue Fristen oder Kosten nennt die Stadt nicht. Stellungnahmen der Baufirma oder der Opposition fanden wir nicht.
Welche Termiten auf Teneriffa leben
Welche Art im Theater frisst, hat die Stadt nicht mitgeteilt; sie spricht von holzfressenden Schädlingen, „fundamentalmente termitas“. Auf Teneriffa kommen laut dem Termitenprojekt von Cabildo und Tragsatec vier Arten vor: zwei heimische, Bifiditermes rogierae und Kalotermes dispar, und zwei eingeschleppte. Die Trockenholztermite Cryptotermes brevis lebt demnach in Häusern tiefer Lagen, die amerikanische Erdtermite Reticulitermes flavipes nistet im Boden. Sie ist die Plage von Tacoronte und La Laguna: Laut der Gemeinde Tacoronte wurde sie dort 2005 erstmals bemerkt, den Behörden bekannt wurde ihre Ausbreitung 2017. Der Cabildo meldete 2022 523 beseitigte Befallsherde, 279 davon in Tacoronte und 204 in La Laguna. Im April 2025 berichtete Diario de Avisos von zwei neuen Herden in beiden Gemeinden.
Ein Theater von 1851
Laut Stadt entwarf der Architekt Manuel de Oraá das Haus 1848 auf dem Grund eines Dominikanerklosters, das nach der Enteignung der Kirchengüter an die öffentliche Hand gefallen war. Eröffnet wurde es am 25. Juli 1851. Den Namen des in Santa Cruz geborenen Dramatikers Ángel Guimerá trägt es seit dessen Tod 1924. Seit 1983 steht es unter Denkmalschutz, die letzte große Reform war 1991. Geschlossen ist das Theater seit dem 31. März 2025. Das Programm sollte laut Stadt in den Espacio R in der benachbarten Recova Vieja ziehen; im Haus selbst gibt es während der Bauzeit keine Vorstellungen.