Wer im Oktober auf den Kanarischen Inseln ins Meer steigt, kennt das wohlige Gefühl: Das Wasser ist oft noch angenehm warm, während die Lufttemperaturen längst etwas nachgelassen haben. Dass der Atlantik rund um Lanzarote, Fuerteventura, Gran Canaria & Co. in diesem Monat seinen Temperaturhöhepunkt erreicht, ist normal. Neu ist jedoch die Dimension: Mit einem Tagesmittel von 25,78 °C am 7. Oktober 2024 wurde ein Wert gemessen, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellt.

Die Daten stammen von einem neuen statistischen Indikator der spanischen Hafenbehörde Puertos del Estado. Dieser wertet stündliche Messungen von fast 30 Bojen im Seegebiet der Kanaren aus und berechnet daraus eine tägliche Durchschnittstemperatur der Meeresoberfläche. Das spanische Verkehrsministerium bezeichnet diesen Indikator als einen Schlüsselparameter, um die Auswirkungen des Klimawandels auf die marinen Ökosysteme zu überwachen. Der Wert von 25,78 °C ist also kein kurzzeitiger Ausschlag an einem einzelnen Strand, sondern ein regionaler Tagesmittelwert – und damit ein besonders robuster Beleg für die Erwärmung des Ozeans vor unserer Haustür.

Warum ist das Meer im Oktober so warm?

Dass das Meer im Herbst wärmer ist als im Hochsommer, mag auf den ersten Blick überraschen, hat aber einen einfachen physikalischen Grund: Wasser erwärmt sich langsamer als Luft und kühlt auch langsamer wieder ab. Während die Lufttemperaturen auf den Kanaren ihr Maximum oft im August erreichen, hinkt das Meer dieser Entwicklung um einige Wochen hinterher. Der saisonale Höhepunkt der Wassertemperatur liegt daher normalerweise zwischen Ende August und Anfang Oktober bei etwa 23 bis 24 °C.

Was den Oktober 2024 so besonders macht, ist die Kombination aus dem absoluten Wert und dem Zeitpunkt. Der Rekord von 25,78 °C fällt in eine Periode, in der die globale Meerestemperatur ohnehin nahe an historischen Höchstständen lag. Der Oktober 2024 war global der zweitwärmste Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen. Die ungewöhnliche Wärme im Ozean ist also kein isoliertes kanarisches Phänomen, sondern Teil eines weltweiten Musters. Dass der regionale Spitzenwert zudem auf den 7. Oktober fällt und nicht auf den Spätsommer, passt zu Beobachtungen aus den Vorjahren, die ebenfalls eine Verschiebung des Temperaturmaximums in den Herbst hinein zeigen.

Badefreuden und Tourismus: Was bedeutet das wärmere Wasser?

Für alle, die im Herbst auf die Kanaren reisen, um dem mitteleuropäischen Schmuddelwetter zu entfliehen, ist die Nachricht erst einmal eine gute. Wassertemperaturen um die 25 °C werden von den meisten Menschen als ausgesprochen angenehm empfunden – es ist die Art von Meer, in das man ohne Zögern hineinläuft und in dem man lange planschen mag, ohne zu frösteln. Verglichen mit den rund 19 °C im Winter ist das ein spürbarer Unterschied, der die Badesaison faktisch verlängert.

Höhere Meerestemperaturen können also durchaus ein touristischer Pluspunkt sein, besonders in der Nebensaison. Sie untermauern das Bild der Kanaren als Ganzjahresziel, an dem selbst im November noch Strandtage möglich sind. Allerdings gibt es auch eine Kehrseite: Extreme Wärmeperioden, sowohl im Wasser als auch in der Luft, gehen oft mit anderen Phänomenen einher, die den Urlaub trüben können. Dazu gehört die Calima, also das Eindringen von Saharastaub, der die Luftqualität verschlechtert und die Sicht nimmt. Solche Episoden wurden in den letzten Jahren häufiger und intensiver beobachtet.

Tipp Für die wärmsten Badetage im Herbst lohnt sich ein Blick auf die Wassertemperatur-Vorhersagen der örtlichen Wetterdienste – so finden Sie garantiert die perfekte Bucht für einen ausgedehnten Schwumm.

Folgen für die Meeresbewohner: Stress unter Wasser

Was für uns Menschen angenehm ist, kann für das empfindliche Ökosystem des Ozeans eine Belastung darstellen. Forscher der Projekte CanBio und BioMar, die die Gewässer rund um die Kanaren untersuchen, berichten von einer beispiellosen Hitzewelle, die das Meer in der Region bereits 2023 erfasst hatte. Damals wurden lokal Spitzenwerte von bis zu 27,5 °C gemessen, und die ungewöhnlich warme Periode hielt über 400 Tage an. Die nun dokumentierte Rekordmarke von 25,78 °C im Oktober 2024 reiht sich in dieses Bild eines sich erhitzenden Ozeans ein.

Die ökologischen Folgen sind vielfältig. Wärmere Temperaturen können die Laichzeiten von Fischen verschieben und die Produktion von Plankton, der Nahrungsgrundlage vieler kleiner Fische, verringern. Auch die Versauerung der Ozeane, die durch die Aufnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre ohnehin voranschreitet, wird durch höhere Temperaturen beschleunigt. Für das kanarische Meer, das eine reiche Biodiversität beherbergt, sind das Warnsignale. Es geht nicht um ein paar Zehntelgrad mehr, die das Baden ungemütlich machen – sondern um schleichende Veränderungen, die das gesamte Nahrungsnetz beeinflussen können.

Was der Rekord nicht bedeutet: Eine Einordnung

So bemerkenswert die Zahl von 25,78 °C ist, so wichtig ist es, sie richtig einzuordnen. Erstens handelt es sich um einen regionalen Durchschnittswert, der aus Daten mehrerer Messbojen berechnet wurde. Das bedeutet nicht, dass an jedem Strand der Kanaren exakt diese Temperatur herrschte. In windgeschützten Buchten kann das Wasser wärmer sein, in Zonen mit aufsteigendem Tiefenwasser kühler. Zweitens ist der Wert ein Tagesmittel – kurzfristige Spitzenwerte können durchaus höher gelegen haben.

Drittens ist der Rekord ein Rekord für die Kanaren-Region, nicht für ganz Spanien. Im Mittelmeer, etwa vor der Levante-Küste oder den Balearen, werden regelmäßig noch höhere Temperaturen gemessen. Der dortige Maximalwert in der gleichen Messreihe liegt bei 28,67 °C. Und viertens: Auch wenn vieles auf eine marine Hitzewelle hindeutet, wird der 7. Oktober 2024 in den offiziellen Quellen nicht explizit als solche klassifiziert. Dafür bräuchte es eine genau definierte Überschreitung des langjährigen Temperatur-Perzentils über mindestens fünf Tage. Die Daten legen einen Zusammenhang nahe, aber die formale Bestätigung steht noch aus. Was bleibt, ist ein klarer Trend: Das Meer rund um die Kanaren wird wärmer, und die Rekorde purzeln.

Gut zu wissen Die offiziellen Stellen haben den Wert vom Oktober 2024 nicht als marine Hitzewelle eingestuft – die Einordnung basiert auf dem langfristigen Erwärmungstrend und Beobachtungen aus den Vorjahren.

Häufige Fragen

Ist der Rekord von 25,78 °C an einem einzelnen Strand gemessen worden?
Nein, es handelt sich um einen regionalen Tagesmittelwert, der aus Daten mehrerer Messbojen der spanischen Hafenbehörde im kanarischen Seegebiet berechnet wurde.
Kann ich im Oktober auf den Kanaren noch baden?
Auf jeden Fall. Die Wassertemperaturen liegen im Oktober normalerweise bei angenehmen 23 bis 24 °C, in warmen Jahren wie 2024 auch darüber. Das Meer ist dann oft wärmer als im Juni.
Ist das wärmere Meer gefährlich für Fische und andere Meeresbewohner?
Lang anhaltende und ungewöhnlich hohe Temperaturen können das Ökosystem belasten. Forscher beobachten Verschiebungen bei Laichzeiten und eine geringere Planktonproduktion, was Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette haben kann.
Warum ist das Meer im Oktober wärmer als im August?
Wasser erwärmt sich langsamer als Luft und speichert die Wärme länger. Der Höhepunkt der Meerestemperatur tritt daher mit einer Verzögerung von einigen Wochen nach dem Lufttemperatur-Maximum ein, meist zwischen Ende August und Oktober.
Wird das Meer auf den Kanaren jedes Jahr wärmer?
Der langfristige Trend zeigt eine Erwärmung, die im Einklang mit den global steigenden Meerestemperaturen steht. Das bedeutet nicht, dass jedes Jahr ein neuer Rekord aufgestellt wird, aber die Wahrscheinlichkeit für extreme Werte nimmt zu.

Stand der Informationen: Juli 2026. Die Daten basieren auf Veröffentlichungen von Puertos del Estado und des spanischen Ministeriums für Verkehr und Mobilität.