Teneriffa im Herbst 2026: die großen Wallfahrtsfeste von September bis November — und wie man mitfeiert
Ochsenkarren, Trachten, Volksmusik und ein Becher Wein, den dir jemand in die Hand drückt, den du noch nie gesehen hast: Zwischen September und November zieht auf Teneriffa fast jedes Wochenende eine Romería durch einen Ort. Die Tageszeitung El Día hat am 7. September 2026 einen Kalender dieser Feste veröffentlicht — wir haben ihn geprüft, ergänzt und um das erweitert, was in den Terminlisten meistens fehlt: wie so ein Fest abläuft und was du wissen solltest, bevor du hinfährst.
Foto: H. Zell, CC BY-SA 3.0 (Symbolbild).
Diese Übersicht richtet sich ausdrücklich auch an alle, die neu auf der Insel sind. Eine Romería ist kein Event mit Ticket und Bühnenplan, sondern eine gewachsene Wallfahrt, die zum Volksfest wird. Man kann einfach hingehen. Man sollte nur wissen, wie.
Die Termine: September und Oktober 2026 im Überblick
Die folgenden Daten stammen aus dem Fest- und Romería-Kalender, den El Día am 7. September 2026 veröffentlicht hat; einzelne Termine sind durch lokale Medien und Veranstaltungsagenden zusätzlich bestätigt. Uhrzeiten nennen wir nur dort, wo eine Quelle sie tatsächlich angibt.
September 2026
- 12. September (Sa) — Bajada de San Carlos, Güímar. Termin laut El Día; ein offizielles Programm der Gemeinde haben wir nicht gefunden.
- 12. September (Sa) — Baile de Magos de Las Galletas, Arona, im Parque Urbano Paulino Suances Romín. Laut dem lokalen Portal El Digital Sur lief die Tischreservierung im Centro Cívico von Las Galletas bis zum 11. September, 20:00 Uhr; Trachtenpflicht für die Teilnahme.
- 13. September (So) — Romería de Benijos, La Orotava.
- 19. September (Sa) — Bajada de la Virgen de Abona, Arico.
- 19. September (Sa) — Romería in San Juan de la Rambla, laut El Digital Sur die 31. Romería zu Ehren von San José. Die Anmeldung für traditionelle Wagen lief demnach vom 1. bis 14. September; eine Karre konnte für 200 Euro gemietet werden, Auskunft über die Gemeinde (922 360 003, Durchwahl 2116) oder [email protected].
- 19. September (Sa) — Bajada de Los Roques, Fasnia.
- 20. September (So) — Romería Barquera de El Médano, Granadilla de Abona, zu Ehren von Nuestra Señora de las Mercedes de Roja.
- 20. September (So) — Subida de la Virgen de Abona, Arico (die Rückführung nach der Bajada vom Vortag).
- 26. September (Sa) — Romería de San Miguel, San Miguel de Abona.
- 27. September (So) — Paseo Romero de Chanajiga, Los Realejos.
Oktober 2026
- 2. Oktober — Baile de Magos de Geneto, La Laguna.
- 3. Oktober — Romería de Valle Tabares, La Laguna.
- 4. Oktober — Romería de Geneto, La Laguna.
- 9. Oktober — Baile de Magos de Barranco Las Lajas, Tacoronte.
- 10. Oktober — Paseo Romero de Barranco Las Lajas, Tacoronte.
- 18. Oktober — Romería de La Vega, Icod de los Vinos.
- 18. Oktober — Romería de Adeje.
- 23. Oktober — Baile de Taifa de Araya, Candelaria.
Und damit der Herbst nicht abrupt endet: Für November führt derselbe Kalender den Baile de Magos von Igueste de Candelaria (6. November), den Baile de Magos de San Diego in La Laguna (7. November), den Paseo Romero de Lomo de Montijo in Güímar (15. November) und die San-Andrés-Feste im Inselnorden am 29. und 30. November auf.
Was eine Romería eigentlich ist
Wer noch nie bei einer war, stellt sich meist ein Straßenfest vor. Das trifft es nur halb. Eine Romería ist ursprünglich eine Wallfahrt: eine Prozession zu Ehren des Ortsheiligen oder der Ortspatronin, mit der die Landbevölkerung für die Ernte dankte und um Schutz bat. Dieser religiöse Kern ist bis heute da — meist mit einer Messe und der Ausfahrt des Heiligenbildes, das dem ganzen Zug vorangeht.
Um diesen Kern herum hat sich das gelegt, was die meisten Besucher als Erstes sehen: von Ochsen gezogene Karren (carretas), geschmückt mit Feldfrüchten, Zweigen und Blumen; Menschen im Traje de Mago beziehungsweise Traje de Maga, der kanarischen Bauerntracht; und Parrandas, also Gruppen von Musikanten mit Timple, Gitarre und Trommel, die den Zug singend begleiten.
Der Teil, der Neuankömmlinge am meisten überrascht: Aus den Karren heraus wird gegessen und getrunken — und zwar an alle. Wein, Käse, Fleisch, Kichererbseneintopf, papas arrugadas werden an die Leute am Straßenrand verteilt, ohne dass man jemanden kennen müsste. Es ist keine gewerbliche Bewirtung, sondern eine nachbarschaftliche Geste. Am Abend geht das Ganze oft in einen Baile de Magos über, eine Tanznacht in Tracht, bei der an langen Tischreihen gegessen und bis spät gefeiert wird.
Die Höhepunkte — und was jede einzelne besonders macht
Nicht jede Romería ist gleich. Ein paar der Termine im Kalender haben ein sehr eigenes Gesicht.
Romería Barquera de El Médano (20. September, Granadilla de Abona). Die ungewöhnlichste des Herbstes: Hier bleibt die Wallfahrt nicht an Land. Die Figur der Nuestra Señora de las Mercedes de Roja wird nach dem Umzug durch den Ort auf ein Boot gebracht und über die Bucht gefahren, begleitet von weiteren Booten. Romería und Meeresprozession in einem — vor der Atlantikkulisse von El Médano.
Bajada und Subida de la Virgen de Abona (19. und 20. September, Arico). Ein Doppeltermin, wie er für die kanarische Festlogik typisch ist: Am Samstag geht die Figur hinunter, am Sonntag wieder hinauf. Wer beides erleben will, plant zwei Tage.
Romería in San Juan de la Rambla (19. September). Die 31. Ausgabe zu Ehren von San José, laut El Digital Sur mit offener Anmeldung für traditionelle Wagen — ein gutes Beispiel dafür, dass diese Feste keine Zuschauerveranstaltungen sind, sondern von den Familien des Ortes selbst gemacht werden.
Der Oktober von La Laguna und Tacoronte. Geneto, Valle Tabares, Barranco Las Lajas: kleinere, ländliche Romerías in den Ortsteilen oberhalb der Städte. Weniger Andrang, dafür sehr nah an dem, was diese Feste ursprünglich waren.
Zum Status als Fiesta de Interés Turístico: Für die hier gelisteten Herbsttermine haben wir keine Quelle gefunden, die eine solche Erklärung bestätigt. Bestätigt sind sie für andere Feste der Insel — die Romería de San Benito Abad in La Laguna und die Romería de San Roque in Garachico gelten als Fiesta de Interés Turístico Nacional, die Bajada de la Virgen del Socorro in Güímar als Fiesta de Interés Turístico Regional. Alle drei liegen früher im Jahr.
Praktisch: so gehst du entspannt hin
Früh kommen. Das ist der wichtigste Rat. Reiseführer für teneriffische Romerías empfehlen, bei einem Start um 12:00 Uhr bereits gegen 10:00 Uhr auf Parkplatzsuche zu sein. Die Ortskerne werden für den Verkehr gesperrt, und die Strecke füllt sich schnell.
Guaguas statt Auto, wenn es geht. Zu den großen Festen richtet der Inselbusbetreiber TITSA regelmäßig Sonderdienste ein. Zur Romería de San Roque in Garachico am 16. August 2026 verstärkte TITSA laut El Día die Linie 363 um 23.000 zusätzliche Plätze, im Einsatz von 9:30 bis 23:00 Uhr, mit einer Sonderhaltestelle am Parkplatz beim Fußballplatz statt der üblichen Haltestellen im Ortskern. Für Candelaria und für die Fiestas del Socorro wurden jeweils rund 20.000 Zusatzplätze gemeldet. Für kleinere Romerías ist ein solches Sonderangebot aber nicht selbstverständlich — vorher auf titsa.com oder bei der Gemeinde nachsehen.
Anziehen. Eintritt kostet nichts, eine Kleiderordnung für Zuschauer gibt es in der Regel nicht. Wer im Traje de Mago kommt, ist willkommen — und bei manchen Bailes de Magos ist die Tracht sogar Bedingung für die Teilnahme, wie in Las Galletas. Sonst gilt: bequeme, feste Schuhe (Kopfsteinpflaster, Steigungen, stundenlanges Stehen), Sonnenschutz, Hut, Wasser.
Essen. Aus den Karren wird verteilt, aber verlass dich nicht darauf, satt zu werden. Der eigene Korb mit Brot, Käse und Getränken ist absolut üblich und gehört zum Bild.
Mit Kindern. Der Tagesteil — Umzug, Karren, Musik — ist ausgesprochen familienfreundlich. Am Abend, wenn der Baile beginnt, wird es lauter, voller und deutlich erwachsener. Ein guter Zeitpunkt zu gehen.
Barrierefrei? Offizielle Angaben dazu gibt es selten. Praktisch bewährt: einen breiten, schattigen Abschnitt der Strecke mit guter Zufahrt aussuchen und rechtzeitig dort sein, statt sich später durch die Menge zu schieben. Straßensperren im Umfeld einplanen.
Und: Es ist auch ein Gottesdienst. Vor dem Heiligenbild, bei der Messe und beim Vorbeiziehen der Prozession gehören Zurückhaltung und Respekt dazu. Den Zug nicht blockieren, nicht durch die Reihen laufen, den Karren und den Ochsen Platz lassen.
Wie du die Details selbst prüfst — und was noch offen ist
Programme für Romerías werden oft erst wenige Tage vorher final. Uhrzeiten verschieben sich, Strecken ändern sich, bei schlechtem Wetter oder Waldbrandgefahr wird verlegt oder abgesagt. Deshalb gilt für jeden Termin in diesem Text: vor der Anfahrt gegenprüfen.
Die verlässlichsten Stellen sind die Websites der jeweiligen Gemeinden (etwa arona.org, losrealejos.es, granadilladeabona.org) und deren offizielle Social-Media-Kanäle, auf denen Festkomitees das Programm meist zuerst posten. Dazu kommen die Concejalía de Fiestas der Gemeinde am Telefon, für den Verkehr titsa.com, und lokale Terminportale wie La Agenda.
Offen geblieben ist bei unserer Recherche vor allem eines: Startzeiten. Für die meisten der oben genannten Herbsttermine hat zum Redaktionsschluss keine öffentlich zugängliche Quelle eine Uhrzeit oder einen Streckenverlauf genannt. Wir nennen deshalb keine — lieber keine Zeit als eine falsche. Auch die Bajada de San Carlos in Güímar am 12. September konnten wir nur über den Kalender von El Día belegen, nicht über ein Gemeindeprogramm; wer dorthin will, sollte vorher beim Rathaus nachfragen.
Zweitbester Tipp: kleines Bargeld, eine Flasche Wasser und ein leichter Beutel für alles, was dir unterwegs in die Hand gedrückt wird.
Kurz und knapp
- Zeitraum: 12. September bis 23. Oktober 2026 — mindestens 18 Termine auf Teneriffa, laut Kalender von El Día vom 7. September 2026.
- Eintritt: frei. Romerías und Bailes de Magos sind öffentlich; bei Bailes kann eine Tischreservierung nötig sein.
- Dichtestes Wochenende: 19./20. September — Arico, San Juan de la Rambla, Fasnia und El Médano.
- Besonderheit: Die Romería Barquera de El Médano (20. September) führt die Marienfigur per Boot über die Bucht.
- Verkehr: TITSA verstärkte 2026 die Linie 363 zur Romería von Garachico um 23.000 Plätze (laut El Día) — ein Maßstab dafür, wie groß der Andrang bei den Hauptterminen wird.
- Auszeichnungen: Fiesta de Interés Turístico Nacional sind auf Teneriffa unter anderem San Benito Abad (La Laguna) und San Roque (Garachico); die Bajada del Socorro in Güímar ist regional erklärt.
FAQ
- Muss ich Eintritt bezahlen?
- Nein. Romerías und Bailes de Magos sind öffentliche Feste ohne Eintritt. Für manche Bailes muss man aber vorab einen Tisch reservieren — in Las Galletas lief die Reservierung laut El Digital Sur bis zum 11. September im Centro Cívico.
- Brauche ich eine kanarische Tracht?
- Als Zuschauer nein. Wer mitziehen oder bei manchen Bailes de Magos teilnehmen will, schon: Für Las Galletas war die traditionelle Tracht laut lokaler Berichterstattung Pflicht. Gäste in Tracht sind überall ausdrücklich willkommen.
- Ist das etwas für Kinder?
- Der Tagesteil ja — Ochsenkarren, Musik und Trachten kommen bei Kindern gut an. Der Abend mit Baile, lauter Musik und Alkohol ist eher für Erwachsene.
- Wie komme ich hin, wenn ich nicht fahren will?
- Über TITSA. Zu Großterminen richtet das Unternehmen Sonderdienste und Zusatzfahrten ein, teils mit verlegten Haltestellen. Für kleinere Romerías gibt es das nicht automatisch — vorher auf titsa.com prüfen.
- Wann steht das genaue Programm fest?
- Oft erst wenige Tage vorher. Die Gemeinde-Website und die offiziellen Kanäle des Rathauses beziehungsweise der Festkommission sind die verlässlichste Quelle für Uhrzeit und Streckenverlauf.
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