Was bedeutet der Hack für Urlauber und Einwohner auf Teneriffa?

Die Kanaren kommen in keinem der geprüften Berichte vor. Auch Spanien und EU-Warnsysteme erwähnt niemand, ein direkter Einfluss auf Teneriffa ist deshalb nicht belegt.

Für den Süden der Insel, von Playa de las Américas bis Los Cristianos, gibt es keine neue Warnung. Auch eine kanarische oder spanische Mitteilung zu gehackten Notfall-Apps fanden die Recherchen nicht.

Wer zu Hause eine Warn-App nutzt, prüft ihre Meldungen am besten über offizielle Kanäle. Beide Seiten des Krieges rieten ihren Bürgern laut RPP, verdächtige Alarme zu ignorieren und keine unbekannten Links zu öffnen.

Was ist in der Ukraine und in Russland passiert?

Am Sonntag, 1. November 2026, färbte sich die Alarm-App Air Alert kurz vor 23.00 Uhr Ortszeit rot, berichtet La Provincia. Sie zeigte Hinweise auf Atomangriffe, Strahlung und Strassengewalt, etwa für Kiew.

Eine Nachricht auf Russisch lautete laut Meduza und RPP sinngemäss: Gleich gebe es landesweit Atomalarm, man solle sich keine Sorgen machen, die Oreshnik komme. Die Oreshnik ist eine russische Mittelstreckenrakete.

Die ukrainische Luftwaffe erklärte laut Meduza, die App sei gehackt worden und es gebe keine Strahlungsgefahr. RPP zitiert sie vorsichtiger: Es sei möglich, dass die App «feindlichen Eingriffen» ausgesetzt war.

Die Betreiber meldeten laut Meduza einen «unbefugten Eingriff» und schalteten die Benachrichtigungen vorübergehend ab. In Lviv liefen die Strahlungswarnungen laut La Provincia sogar über Lautsprecher weiter.

In der Nacht auf den 2. November verschickte die App des russischen Katastrophenschutzministeriums falsche Warnungen, berichten Meduza, UNN und RPP. Von Atomsprengköpfen «in allen Regionen» war die Rede, und UNN zitiert den Aufruf, Vorräte für drei Wochen anzulegen und sich in Kellern zu verstecken.

Das Ministerium sprach von einem «massiven Cyberangriff», bei dem Hacker falsche Informationen an die Bevölkerung geschickt hätten. Die wichtigsten Warnwege seien nicht betroffen gewesen: Sirenen, Fernsehen, Radio und SMS.

Laut La Provincia arbeiteten die Techniker weiter daran, die App wieder in Betrieb zu nehmen. Verletzte, Schäden oder Ausfälle ausserhalb der Apps nennen die geprüften Quellen nicht.

Wer steckt dahinter?

Russische Kräfte stecken hinter dem Hack von Air Alert, sagt laut RPP Ukraines Zentrum für strategische Kommunikation. Das ist eine Behauptung, technische Beweise liegen nicht vor.

Die Hackergruppe Atesh, die UNN als proukrainisch beschreibt, reklamierte den Angriff auf die russische App für sich. UNN stellt ihn als Vergeltung für den Vorfall in der Ukraine dar, bestätigt ist das nicht.

Eine unabhängige Bestätigung für Ausmass und Zahl der erreichten Nutzer gibt es laut UNN nicht. Eine offizielle Stellungnahme aus Kiew zum russischen Vorfall fanden die Recherchen nicht.

Wie funktioniert die Warnung auf den Kanaren?

ES-Alert gehört zum Nationalen Zivilschutzsystem und sendet per Mobilfunk-Zellenverteilung an alle Handys in einem Gebiet. Dafür braucht man weder App noch Registrierung noch persönliche Daten.

Zuständig ist der Gobierno de Canarias (Kanarische Regierung) über die Dirección General de Emergencias und das Einsatzzentrum CECOES 112. Eine private App kann laut den Recherchen daher keinen Versand auslösen.

Bei Android 11 oder neuer und iOS 15.6 oder neuer ist der Empfang standardmässig aktiviert. Das Handy braucht Netzabdeckung und darf nicht im Flugmodus sein.

Zuletzt testeten die Behörden das System am 22. Oktober 2026 auf Teneriffa, von 9.00 bis 14.00 Uhr, während der Vulkanübung VOLCANEX Tenerife 2026 in Guía de Isora. Es gab drei Testnachrichten, die erste erreichte laut RTVC ganz Teneriffa und womöglich auch Nachbarinseln.

Was tun bei einer Warnmeldung auf dem Handy?

Testnachrichten tragen laut den Ankündigungen der Behörden das Wort «PRUEBA», dazu kommen Signalton und Vibration. Man bestätigt sie mit «Aceptar», dafür sollte man nicht die 112 anrufen.

Autofahrer halten zuerst sicher an. Bei anderer Spracheinstellung kann die Nachricht auf Englisch erscheinen, ältere Angehörige sollte man vorab informieren.

Echte Warnungen verschickte ES-Alert laut RTVC bereits bei Waldbränden auf La Palma und Teneriffa sowie beim Sturm «Therese». Genaue Daten dazu haben die Recherchen nicht geprüft.

Was ist noch offen?

Wer beide Hacks wirklich ausführte, ist unklar, denn technische Untersuchungen sind nicht veröffentlicht. Auch die Zahl der erreichten Nutzer fehlt.

Die Originalerklärungen des russischen Ministeriums, der ukrainischen Luftwaffe und des Air-Alert-Betreibers fanden die Recherchen nicht. Wann es weitere Mitteilungen gibt, hat bisher niemand angekündigt.

Zu Cyberangriffen auf Warnsysteme in Spanien und zu den Kosten von ES-Alert fanden die Recherchen keine Zahlen. Frühere Fälle gab es laut ORF und The Register im Februar 2023, als Hacker über russische Radiosender falschen Luftalarm verbreiteten.