Was ändert sich jetzt für Einwohner und Urlauber auf Teneriffa?

Für Einwohner und Urlauber auf Teneriffa ändert sich durch den IEA-Bericht vorerst nichts. Die Agentur gibt Madrid Empfehlungen, Beschlüsse sind es nicht, und einen Termin für Steueränderungen nannte die Berichterstattung nicht.

Die Kanaren erheben auf Strom keine Mehrwertsteuer, sondern die IGIC (kanarische Verbrauchssteuer). Seit 2019 liegt sie für Haushalte und Kleinbetriebe mit bis zu 10 kW Vertragsleistung bei 0 Prozent, Grossbetriebe zahlen 3 Prozent.

Nach Angaben des Vizepräsidenten der Kanarischen Regierung profitieren 96 Prozent der Verbraucher davon. Wer wissen will, ob der eigene Vertrag unter die Grenze von 10 kW fällt, findet die Zahl in den Vertragsunterlagen.

Hotelgäste und Ferienwohnungs-Mieter müssen nichts unternehmen. Preisfolgen für Unterkünfte im Süden der Insel hat die Recherche nicht belegt.

Was hat die IEA in Spanien genau bemängelt?

Die IEA, eine eigenständige Organisation der OECD, hat Spaniens Energiepolitik der vergangenen zehn Jahre ausführlich überprüft. Sie lobt den «beeindruckenden» Ausbau der erneuerbaren Energien und die geringere Abhängigkeit von Importen.

Der Ausbau habe Gas eingespart und die Strompreise im Zaum gehalten, so die IEA. Trotzdem fordert sie mehr Elektrifizierung, weil Spanien noch stark von Gas und Öl abhängt.

Dem stehen laut IEA die hohen Steuern auf Strom im Weg. Fossile Brennstoffe tragen eine geringere Steuerlast, das Signal laufe also in die falsche Richtung.

Welche Steuern genau gemeint sind und wie hoch sie liegen, nannte die Berichterstattung nicht. Auch einen Vergleich mit anderen EU-Ländern enthält sie nicht.

Beim Netz sieht die IEA ebenfalls Arbeit, vor allem nach dem grossen Stromausfall vom April 2025. Zudem habe sich der Ausbau zu stark auf Solaranlagen gestützt, mehr Wind und Speicher sollen das Gleichgewicht herstellen.

Warum geht es um Atomkraftwerke, die es auf den Kanaren nicht gibt?

Die IEA bittet Madrid, die Termine des Atomausstiegs zu überdenken und Verschiebungen «von Fall zu Fall» zu prüfen. Als Vorbild nennt sie die Verlängerung für das Kraftwerk Almaraz in Extremadura.

Laut dem Abkommen von 2019 zwischen Betreibern und Regierung schliessen die sieben Reaktoren in Etappen: vier bis Ende 2030, drei bis 2035. Almaraz I sollte im November 2027 vom Netz, Almaraz II im Oktober 2028; für Block I nennen Quellen teils auch Oktober.

Der Nuklearsicherheitsrat CSN gab am 16. Juli 2026 grünes Licht für einen Betrieb bis zum 8. Juni 2030. Die Regierung genehmigte die Verlängerung laut World Nuclear News am 14. August 2026, das stammt allerdings aus einer einzigen Quelle.

Das Ministerium nennt die Verlängerung befristet und sagt, sie ändere nichts am Schliessungsjahr 2035 für alle Reaktoren. Es begründet sie mit der Absicht, Verbraucher vor unvorhergesehenen Preisspitzen nach den Spannungen im Nahen Osten und in der Ukraine zu schützen.

Die sieben Reaktoren liefern laut World Nuclear News rund 20 Prozent von Spaniens Strom. Almaraz I und II allein versorgen über 7 Prozent, etwa 4 Millionen Haushalte, und beschäftigen rund 4.000 Menschen.

Wer entscheidet über Laufzeiten, und wer zahlt?

Der CSN ist die unabhängige Sicherheitsbehörde und gibt das technische Gutachten ab. Über die Betriebsverlängerung entscheidet die Zentralregierung in Madrid.

Die Anlagen gehören Iberdrola, Endesa und Naturgy. Die Betreiber baten 2025 darum, den Zeitplan zu überprüfen, und verlangten niedrigere Steuern und Gebühren.

Die Betreiber tragen die Steuern und die Gebühr für radioaktive Abfälle. Die Branche sieht das Wettbewerbsproblem dort und nicht bei den Betriebskosten.

Ministerin Sara Aagesen sagte, die Stromkonzerne hätten die Verlängerung von Almaraz nicht an Steuersenkungen geknüpft.

Neu ist die Kritik nicht. Schon die IEA-Überprüfung vom 26. Mai 2021 mahnte, Strom dürfe gegenüber Öl und Gas nicht benachteiligt werden, und forderte, die Kosten des schnellen Atomausstiegs für Verbraucher zu prüfen.

Was ist offen, und was kommt als Nächstes?

Unklar bleibt, ob die Regierung auf den neuen IEA-Bericht reagiert. Eine Stellungnahme dazu fand die Recherche am 5. November 2026 nicht.

Offen sind auch die Steuersätze, die die IEA meint, und mögliche Änderungstermine. Weder für Steuern noch für Laufzeiten nannte die Berichterstattung ein Datum.

Die kanarische Nullsteuer auf Haushaltsstrom ist eine Entscheidung der Regionalregierung. Sie ist nicht die staatliche Abgabe, die die IEA kritisiert, und ein Zusammenhang zwischen den Atomschliessungen und den Strompreisen der Kanaren ist nicht belegt.

Offiziell bleibt es beim Ausstieg bis 2035, Almaraz läuft nach heutigem Stand bis Juni 2030. Ob das Datum vom 14. August endgültig gilt, sollte noch gegen das BOE (spanisches Staatsamtsblatt) oder das Ministerium geprüft werden.