Rufen wir kurz in Erinnerung, worum es geht. In den Dürrejahren war die Lage auf Teneriffa dramatisch: Die Wasserreserven sanken zeitweise unter 15 Prozent. Im Oktober 2023 rief der Cabildo deshalb den Wassernotstand aus — verbunden mit besonderen Konditionen und Preisen für die Versorgung der Landwirtschaft. Dann kam der nasse Winter 2025/26, die Stauseen füllten sich wieder, und am 1. März 2026 wurde die Notlage offiziell beendet. Die Kernfrage der Anzeige: Wurde danach weiter der erhöhte „Notpreis" abgerechnet, obwohl die Begründung dafür weggefallen war?

Was jetzt neu ist

Bislang war ein Akteur bekannt, der sich die Sache ansieht: die Staatsanwaltschaft am Rechnungshof (Tribunal de Cuentas). Dessen Abteilung für Rechnungsprüfung hat am 16. Juni ein Verfahren der „öffentlichen Klage" eröffnet und den Anzeigenden aufgefordert, binnen fünf Tagen zu bestätigen, ob er die Klage zur Feststellung einer rechnerischen Verantwortung auch ausübt.

Neu hinzugekommen ist nun ein zweiter, gewichtigerer Weg: Auch die Provinz-Staatsanwaltschaft von Santa Cruz de Tenerife prüft dieselbe Anzeige. Laut Eingangsbestätigung vom 2. Juni wurde der Vorgang an den zuständigen Staatsanwalt übergeben, und es werde „demnächst" ein Verfahren eingeleitet. Damit liegt der Fall jetzt auf zwei Schienen gleichzeitig.

Warum dieser Unterschied entscheidend ist

Der Unterschied zwischen den beiden Wegen ist mehr als eine Formalie. Der Rechnungshof trägt zwar das Wort „Tribunal" (Gericht) im Namen, ist aber keine Justizbehörde — er ist den Cortes Generales, also dem Parlament, zugeordnet und kontrolliert die Rechnungsführung und Wirtschaftlichkeit der öffentlichen Hand. Er kann eine finanzielle, rechnerische Verantwortung feststellen, aber kein Strafurteil fällen.

Die Provinz-Staatsanwaltschaft dagegen gehört zur Justiz. Wenn sie nach ihrer Prüfung Anhaltspunkte sieht, kann daraus eine echte Gerichtssache werden — die sogenannte „judicialización". Genau deshalb ist ihr Einstieg die eigentliche Eskalation: Aus einer Verwaltungs- und Rechnungsprüfung wird damit potenziell ein justizielles Verfahren.

Die zuständigen Stellen des Cabildo hatten die Notstandsregelung seinerzeit mit der dramatischen Dürre und der Sicherung der landwirtschaftlichen Versorgung begründet — unter anderem sollten so wichtige Vorhaben wie Entsalzungsanlagen vorangetrieben werden. Ob die Beibehaltung des Preises nach dem 1. März rechtlich sauber war oder nicht, werden nun die beiden Prüfungen zeigen müssen.