Es ist ein unscheinbarer Ort für einen Meilenstein: Wo früher Motocross-Maschinen über degradiertes Land donnerten, summen heute leise Batteriemodule vor sich hin. In der Gemeinde Arico im Südosten Teneriffas hat der kanarische Energiekonzern DISA das derzeit größte betriebsbereite Batteriespeichersystem der Kanarischen Inseln in Betrieb genommen. Gekoppelt mit einer etwa 8 Megawatt starken Solaranlage kann der Speicher rund 8 Megawattstunden Strom aufnehmen und bei Bedarf wieder ins Netz einspeisen.
Die kanarische Regierung feiert das Projekt als Referenz für künftige Speichersysteme auf den anderen Inseln. Finanziert wurde die Batterie mit zwei Millionen Euro aus dem NextGenerationEU-Fonds, der im Rahmen des spanischen Wiederaufbauplans gezielt in die Energiewende der isolierten Inselnetze fließt. Für DISA ist es ein Prestigeprojekt, für Teneriffa ein handfester Beitrag zur Versorgungssicherheit.
Warum Arico zum Speicher-Hotspot wird
Dass ausgerechnet Arico diese Vorreiterrolle übernimmt, ist kein Zufall. Die sonnenverwöhnte Gemeinde im Südosten Teneriffas beherbergt bereits mehrere große Solarparks und hat sich als Schwerpunkt für erneuerbare Energien etabliert. Der Netzbetreiber Red Eléctrica (heute Redeia) verstärkt parallel das Übertragungsnetz in der Region – unter anderem mit dem Umspannwerk Tagoro in Arico sowie neuen Anlagen in Porís und Abona. Diese Investitionen sollen die Einspeisung von Wind- und Solarstrom verbessern und lokale Engpässe verhindern.
Die DISA-Batterie ist dabei nur der Anfang. Gleich zwei weitere Großprojekte sind in Arico in der Pipeline: Das öffentliche Institut ITER (abhängig vom Cabildo de Tenerife) arbeitet an einem 5-Megawatt-Solarpark mit 5 Megawattstunden Speicher namens „Fotobat 5+5“. Das Projekt wurde bereits 2019 angekündigt, hat sich jedoch verzögert und befindet sich weiterhin im Bau. Siemens Gamesa wiederum plant in der Zone „La Morra“ / Hoya Honda eine 7,5-Megawatt-Solaranlage mit einem Batteriesystem von etwa 7,6 Megawatt – die Genehmigungsverfahren laufen, ein Betriebsstart ist aber noch nicht bestätigt.
Wie die Batterie das Netz stabilisiert
Die Kanarischen Inseln stehen vor einem typischen Inselproblem: Sie können überschüssigen Strom nicht einfach ins europäische Verbundnetz exportieren. Wenn die Sonne mittags mit voller Kraft auf die Solarmodule knallt oder der Wind kräftig bläst, droht eine Überlastung des lokalen Netzes. Bislang musste in solchen Fällen die Einspeisung gedrosselt oder fossile Kraftwerke heruntergefahren werden – beides suboptimal.
Genau hier setzt die Arico-Batterie an. Sie nimmt den Solarstrom aus den Mittagsstunden auf und gibt ihn am späten Nachmittag oder Abend wieder ab, wenn die Nachfrage steigt und die Sonne tiefer steht. DISA veranschaulicht die Dimension so: Die gespeicherte Energiemenge entspricht in etwa dem Strombedarf der gesamten Insel La Palma für rund eineinhalb Stunden – ein plastischer Vergleich, auch wenn der Strom natürlich nicht physisch auf die Nachbarinsel fließt.
Für das isolierte Netz Teneriffas bedeutet das mehr Flexibilität. Fällt unerwartet ein Windpark aus oder gibt es eine Störung in einem konventionellen Kraftwerk, kann die Batterie innerhalb von Sekundenbruchteilen einspringen und die Frequenz stabil halten. Das reduziert das Risiko von Stromausfällen, die auf den Kanaren in der Vergangenheit immer wieder für Frust gesorgt haben.
Kleiner Speicher, große Wirkung – der Insel-Maßstab zählt
Mit 8 Megawattstunden klingt die Arico-Batterie im Vergleich zu Festlandprojekten wie Iberdrolas Campo Arañuelo (120 Megawattstunden) fast bescheiden. Doch der Maßstab ist ein völlig anderer: Auf einem isolierten Inselnetz mit begrenzter Gesamtnachfrage hat auch ein kleinerer Speicher einen spürbaren Effekt. Er kann die teure und schmutzige Spitzenlast-Erzeugung durch Diesel oder Gas zurückdrängen und den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix signifikant erhöhen.
Die Regierung der Kanaren hat insgesamt rund 84,9 Millionen Euro aus IDAE- und NextGenerationEU-Mitteln für 51 erneuerbare und Speicherprojekte auf den Inseln bewilligt. Das klare Ziel: weniger Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, mehr Versorgungssicherheit und ein stabiler Pfad Richtung Klimaneutralität. ITER peilt für Teneriffa mittelfristig einen Erneuerbaren-Anteil von 40 Prozent am Stromverbrauch an – ohne Speicher wie den in Arico wäre das kaum erreichbar.
Arico reiht sich damit ein in eine kanarenweite Speicher-Offensive. Auf Gran Canaria entsteht mit Salto de Chira ein gigantisches Pumpspeicherkraftwerk, das Red Eléctrica gemeinsam mit dem Cabildo vorantreibt. Teneriffa setzt dagegen auf dezentrale Batteriesysteme, die sich schneller realisieren lassen und als modulare Blaupause für andere Inseln wie La Gomera oder El Hierro dienen können.
Was die Batterie für Anwohner und Besucher bedeutet
Für die Menschen vor Ort ändert sich durch die Batterie im Alltag erst einmal wenig – und genau das ist die gute Nachricht. Stromausfälle, die im Hochsommer bei Klimaanlagen-Spitzenlast oder bei technischen Störungen auftreten können, sollen seltener und kürzer werden. Das ist nicht nur für Residenten und digitale Nomaden relevant, die auf eine stabile Internetverbindung angewiesen sind, sondern auch für den Tourismussektor, der im Süden Teneriffas das wirtschaftliche Rückgrat bildet.
Die Anlage selbst ist übrigens kein öffentlich zugängliches Besucherzentrum, sondern ein eingezäuntes Industriegelände. Wer mit dem Mietwagen über die TF-1 in Richtung Süden fährt, kann die Solarpaneele in der Landschaft erkennen – die Batteriecontainer selbst sind eher unscheinbar. Spannend ist das Projekt dennoch, denn es zeigt, wie die Kanaren ihre Energiewende konkret anpacken: mit europäischen Fördermitteln, lokalen Unternehmen und einem klaren Bekenntnis zu mehr Unabhängigkeit von Öl und Gas.
Häufige Fragen
- Wo genau in Arico steht die Batterie?
- Die Anlage befindet sich auf einem rekultivierten Gelände, das früher als illegale Motocross-Strecke genutzt wurde. Eine exakte Adresse oder öffentliche Besucherkoordinaten sind nicht verfügbar, da es sich um ein nicht öffentliches Betriebsgelände handelt.
- Kann ich die Batterie besichtigen?
- Nein, die Anlage ist nicht für Besucher geöffnet. Es handelt sich um ein umzäuntes Industrieareal ohne touristische Infrastruktur.
- Merke ich als Haushaltskunde etwas von der Batterie?
- Direkt auf Ihrer Stromrechnung nicht, indirekt aber schon: Der Speicher hilft, das Netz zu stabilisieren und Stromausfälle zu reduzieren. Langfristig kann mehr erneuerbare Energie auch preisdämpfend wirken.
- Ist die Batterie wirklich die größte der Kanaren?
- Ja, mit 8 Megawattstunden betriebsbereiter Kapazität ist sie aktuell die größte bestätigte Anlage. Größere Projekte wie Salto de Chira auf Gran Canaria sind noch im Bau.
- Wer hat das Projekt bezahlt?
- Die Batterie wurde mit zwei Millionen Euro aus dem NextGenerationEU-Wiederaufbaufonds der EU finanziert. Das gesamte Solar-plus-Speicher-Projekt hatte laut Planungsunterlagen ein Volumen von etwa 7,3 Millionen Euro.
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Stand der Informationen: Juli 2026. Die Angaben basieren auf offiziellen Verlautbarungen der kanarischen Regierung, des Cabildo de Tenerife sowie öffentlich zugänglichen Projektdokumentationen. Der Betriebsstatus der ITER- und Siemens-Gamesa-Projekte ist zum Redaktionsschluss nicht final bestätigt.
