Die Kanaren erleben einen typischen Sommerwechsel: Nach einigen angenehm kühlen Tagen stellt sich die Wetterlage grundlegend um. Ein Hoch über Nordafrika lenkt ab Mittwoch, dem 15. Juli 2026, eine heiße und staubbeladene Luftmasse auf den Archipel. Die spanische Wetterbehörde AEMET spricht von einem „notable ascenso de las temperaturas“, einem deutlichen Temperatursprung, der vor allem die Inseln im Osten trifft.
Für Gran Canaria und Fuerteventura bedeutet das: Das Thermometer klettert auf Werte um 34 Grad, in den mittleren Höhenlagen und im Süden der Inseln sind sogar 35 Grad und punktuell etwas mehr möglich. Die kanarische Regierung hat entsprechende Vorwarnungen herausgegeben. Dazu gesellt sich ein Phänomen, das viele Insulaner und Besucher gleichermaßen fürchten: die Calima. Der heiße Scirocco-Wind aus der Sahara trägt feinste Staubpartikel mit sich, die den Himmel milchig färben, die Sicht trüben und die Atemwege belasten können.
Wo es am heißesten wird – die regionalen Unterschiede
Nicht jede Ecke der Kanaren wird gleichermaßen gegrillt. Die gelben Hitzewarnungen der AEMET, die offiziell als „riesgo bajo“ (geringes Risiko) eingestuft sind, aber dennoch Vorsicht erfordern, konzentrieren sich auf ganz bestimmte Gebiete. Auf Gran Canaria sind das vor allem die südlichen, südöstlichen und westlichen Hänge sowie der Talkessel von Tejeda. In diesen Lagen staut sich die Hitze besonders. Auch die Gipfelregionen, die sogenannten Cumbres, können trotz ihrer Höhe unangenehm warm werden.
Fuerteventura, die Insel mit der größten Nähe zur afrikanischen Küste, bekommt die volle Ladung ab. Hier warnt die AEMET für das Inselinnere und den Süden vor Höchstwerten um 35 Grad. Die Warnungen gelten in der Regel zwischen 11:00 Uhr morgens und 20:00 Uhr abends – also genau dann, wenn die Sonne am höchsten steht und die Einstrahlung am intensivsten ist. Auf den westlichen Inseln wie Teneriffa und La Gomera klettern die Temperaturen ebenfalls, bleiben aber etwas moderater, auch wenn die Regionalregierung auch hier vorübergehend Warnungen aktiviert hat.
Calima: Wenn der Himmel trüb wird und die Luft knapp
Die Calima ist mehr als nur ein ästhetisches Problem für Fotografen, die auf klare Sicht hoffen. Der feine Saharastaub, der mit dem Ostwind herantreibt, kann die Luftqualität drastisch verschlechtern. Die kanarischen Behörden stufen die Situation bei intensiven Episoden als „extremely unfavourable“ ein – extrem ungünstig. Gemessen wird das an den PM10-Partikeln, also Staubteilchen mit einem Durchmesser von weniger als zehn Mikrometern. Steigt die Konzentration über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter, gilt die Luft offiziell als gesundheitsschädlich für empfindliche Gruppen. Bei starker Calima wurden in der Vergangenheit an Stationen wie Arrecife oder Costa Teguise Werte zwischen 50 und 200 Mikrogramm gemessen.
Für die aktuelle Episode Mitte Juli 2026 erwarten die Meteorologen eine leichte bis lokal intensive Calima. Die östlichen Inseln – Lanzarote, Fuerteventura und Gran Canaria – sind erfahrungsgemäß am stärksten betroffen. Der Himmel kann sich orange-gelb verfärben, die Sichtweite auf wenige Kilometer sinken. Wer auf empfindliche Bronchien oder ein schwaches Herz-Kreislauf-System Rücksicht nehmen muss, sollte die Tage besonders aufmerksam planen.
Extreme UV-Strahlung: Die unsichtbare Gefahr
Zur Hitze und zum Staub gesellt sich eine dritte, oft unterschätzte Belastung: die ultraviolette Strahlung. Die kanarische Gesundheitsbehörde (Dirección General de Salud Pública) hat für den gesamten Prognosezeitraum um Mitte Juli 2026 die UV-Risikostufe „extremo“ für alle Inseln ausgerufen. Das ist die höchste Stufe und bedeutet, dass ungeschützte Haut innerhalb kürzester Zeit Schaden nehmen kann – oft schon nach 15 bis 20 Minuten.
Diese Warnung gilt selbst dann, wenn der Himmel durch die Calima diesig wirkt. Der Staub filtert die UV-Strahlung nur unzureichend. Die Kombination aus hohen Temperaturen, dünnerer Luft in den Höhenlagen und der geografischen Lage nahe dem Wendekreis macht die kanarische Sonne im Juli besonders aggressiv. Eincremen, Schatten suchen und die Mittagssonne meiden sind hier keine bloßen Empfehlungen, sondern eigentlich ein Muss.
So kommt ihr gut durch die Hitzetage
Die offiziellen Stellen auf den Kanaren geben für solche Wetterlagen einen klaren Verhaltenskatalog heraus, der sich an den gesunden Menschenverstand richtet, aber in der Urlaubsstimmung schnell vergessen wird. An erster Stelle steht die Flüssigkeitszufuhr: Die Behörden empfehlen ausdrücklich, häufig Wasser zu trinken – „mantener una hidratación frecuente“ und „beber abundantes líquidos“. Alkohol sollte man meiden oder zumindest stark einschränken, da er den Körper zusätzlich dehydriert.
Körperliche Anstrengung im Freien ist in den zentralen Tagesstunden, grob zwischen 12:00 und 16:00 Uhr, tabu. Das gilt besonders für intensiven Sport wie Laufen oder Radfahren. Wer mit kleinen Kindern, älteren Menschen oder Personen mit chronischen Erkrankungen unterwegs ist, sollte besonders wachsam sein und für kühle Rückzugsorte sorgen. Bei der Calima kommt der Atemschutz hinzu: Wer viel Staub einatmet, riskiert Reizungen und Atemnot. Eine FFP2-Maske oder zumindest ein Tuch vor Mund und Nase kann helfen, wenn man sich längere Zeit draußen aufhalten muss.
Häufige Fragen
- Muss ich meine Reise auf die Kanaren wegen der Calima verschieben?
- Nein, eine Calima ist ein normales Wetterphänomen. Mit den richtigen Vorsichtsmaßnahmen könnt ihr euren Urlaub genießen. Lediglich bei schweren Vorerkrankungen der Atemwege ist mehr Vorsicht geboten.
- Kann ich trotz Calima und Hitze an den Strand gehen?
- Grundsätzlich ja, aber plant euren Strandtag klug: meidet die pralle Sonne zwischen 12 und 16 Uhr, nutzt hohen Lichtschutzfaktor und sucht regelmäßig Schatten auf. Bei sehr dichtem Staub ist ein Bad im Pool oder Meer oft angenehmer als langes Liegen im Sand.
- Was bedeutet die gelbe Hitzewarnung konkret?
- Gelb ist die niedrigste Warnstufe, signalisiert aber dennoch eine potenzielle Gefahr. Es bedeutet, dass Temperaturen erreicht werden, die für empfindliche Personen unangenehm oder leicht gesundheitsgefährdend sein können. Ihr solltet die üblichen Hitzeschutzmaßnahmen befolgen.
- Ist die Luftqualität überall auf den Kanaren schlecht?
- Nein, die Calima trifft die Inseln unterschiedlich stark. Am meisten Staub baut sich meist über Lanzarote, Fuerteventura und Gran Canaria auf. Der Nordosten der Inseln ist oft stärker betroffen als der windabgewandte Südwesten.
- Wie verhalte ich mich beim Autofahren während der Calima?
- Passt eure Geschwindigkeit an die reduzierte Sicht an, haltet mehr Abstand und schaltet das Abblendlicht ein. Haltet die Scheibenwaschanlage bereit, denn der Staub legt sich schnell auf die Windschutzscheibe. Bei sehr dichter Calima verschiebt nicht zwingend notwendige Fahrten besser.
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Stand der Informationen: 15. Juli 2026, basierend auf offiziellen Warnungen von AEMET und der kanarischen Regierung. Die tagesaktuellen Vorhersagen können variieren.
